"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
01. Oktober 2004
Realsatire, Teil 3

von baumgarf | 03:49

Doku-Seifen gibt es wie Sand am Meer, deren Nutzen für die Bildung der Gesellschaft getrost bezweifelt werden darf. Dabei geben sie sich durchaus einfallsreich. So winken in "Mein großer dicker peinlicher Verlobter" der zukünftigen Braut 500.000 Euronen, wenn sie einen Dicken, der natürlich Schauspieler ist und sich benimmt wie die Axt im Walde, im Beisein ihrer Familie heiratet, ohne dass diese Reisaus nimmt - ganz zu Schweigen davon, dass dieses Machwerk so im Vorbeigehen noch so ziemlich jedes gängige Klischée und Vorurteil über Dicke bedient. Dann gibt es da noch "Kämpf' um deine Frau", in der Machos in einem Camp eingepfercht sind und ihre Frauen zurückzugewinnen versuchen, indem sie Kochen lernen oder Putzen und publikumswirksam noch ein paar depperte Aufgaben erfüllen müssen - "Big Brother" lässt grüßen. Über "Hilfe, ich bin ein (vermeintlicher) Star, holt mich hier raus" brauche ich kein Wort zu verlieren. Und in Kürze folgen dann noch "The Swan" und eine weitere Sendung mit ähnlich leerem Inhalt, deren Namen mir momentan glücklicherweise entfallen ist, in der sich Menschen im Auftrag/Beisein des Senders verschönern, sprich: unters Messer legen lassen und unserer pubertären Jugend dabei suggerieren, dass ein Arzt durch eine einfache Schönheitsoperation mangelndes Selbstwertgefühl ersetzen kann. Wir alle erwarten sehnsüchtig die Wiedereinführung der Todesstrafe durch Gesetzesinitiative der Fernsehanstalten sowie der späteren Liveübertragung der ersten Hinrichtung der Neuzeit direkt nach den Acht-Uhr-Nachrichten. Erlaubt ist, was Quote bringt.

Aber um nicht abzuschweifen: Der bislang unangefochtene König dieser Sendekonzepte war John de Mol, Erfinder (besser: Überträger aus dem Ausland) von "Big Brother" und anderen Sendungen, die mir hier zurecht nicht mehr einfallen. Dessen letzte Idee trug den klangvollen Namen "Hire or Fire". Es war gedacht, dass sich ein paar Volltrottel, die schon immer mal ins Fernsehen wollten und dafür auch noch ihre Großmutter verkaufen würden - die unabdingbare Grundlage dieser Art von Sendung -, zu vollen Bezügen immer neue Fernsehshows einfallen lassen sollten. Waren die Konzepte erfolgreich, durften sie bleiben, wenn nicht, wurden sie wegrationalisiert.

Leider, leider hat jetzt John de Mol dasselbe Schicksal wie das seiner Schützlinge ereilt. So hat ProSieben, auf dessen Kanal jene unglücksselige Sendung zur besten Sendezeit über die Mattscheibe geflimmert ist, "Hire or Fire" bereits nach nur einer ausgestrahlten Folge wieder eingestellt. Man hat in der werberelevanten Zielgruppe der 14-49jährigen nur sechs Prozent Sehbeteiligung erreicht, allgemein nur knapp über zwei Prozent - zu wenig für den Sender. Und schon fiel das Fallbeil über John de Mol.

Geschlagen wurde John de Mols letzter Fehlschlag übrigens von "Wer wird Millionär?", eine Sendung, deren baldigen Untergang John de Mol noch kürzlich angekündigt hatte, da er glaubt, dass eine Sendung, die dreimal wöchentlich über den Äther geht, sich nicht auf Dauer behaupten kann. Da fragt man sich doch, ob er da an sein eigenes Kind "Big Brother" gedacht hat, das bereits in der fünften Staffel beinahe täglich, allerdings immer in einem anderen Sender, die Zuschauer quält. Und eine Endlosausgabe ist bereits in Planung. Man muss sich also nicht sorgen, dass de Mol nach diesem Flop in Zukunft am Hungertuch nagen muss. Nicht, solange es noch ein paar Idioten gibt, die in seinen Sendungen mitmachen und sie ansehen.