"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
26. Juli 2004
Kreative Programmgestaltung

von baumgarf | 04:25

Und wenn das nächste Mal eine Aufzeichnung kultureller Höhepunkte in den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten feilgeboten wird, werde ich mit Sicherheit nicht mehr zu denjenigen gehören, die sich vor der Glotze mit eben jenem Programm die Nächte um die Ohren schlagen.

Was jetzt nicht heißen soll, dass ich ein amusischer Klotz bin, ein kulturelles Wrack, an dem jedwede Form von Kultur völlig verschwendet ist. Ich finde es toll, dass die Öffentlich-Rechtlichen zur Abwechslung ihren Bildungs- und Kulturauftrag wahrnehmen, weit abseits ihres Konkurrenzgehabes mit den Privaten. Aber wenn man das Glück hat, durch Zufall den im Fernsehprogramm versteckten Hinweis für eine Aufzeichnung des Jubliäumsprogramms des 25jährigen Bestehens von Cirque du Soleil aus Montreal zu finden, erwartet man eigentlich eben das. Neunzig Minuten feinste Zirkusakrobatik.

Was man jedoch nicht erwartet, sind eine Reporterin und irgendein hohes Tier des Cirque du Soleil, die sich ach so wichtig über das Programm auslassen, zudem noch zu den unpassendsten Momenten eingeblendet. Auch erwartet man nicht, dass die für die Bildtechnik zuständige Person bei der Aufzeichnung offenkundig unter dem Einfluss von Bewusstsein erweiternden Drogen gestanden haben muss (dass, oder ein übereifriger Azubi im ersten Lehrjahr), denn anderweitig lässt sich nicht erklären, wieso spätestens alle drei Sekunden auf eine andere Kamera umgeschaltet wird, so dass man von dem Programm entweder nur einem entzückt aufjubelnden Publikum angesicht wird (damit man vor dem Bildschirm auch wirklich weiß, dass man soeben einen weiteren Höhepunkt verpasst hat; aber dafür hat man ein paar Charakterköpfe und Gewitterziegen im Zuschauerraum gesehen), oder aber, falls tatsächlich doch einmal auf die Nummer geschnitten werden sollte, diese nur in der Totalen wahrnehmen darf (interessant, wie sich der gelbe Punkt auf der hellen Linie hin und her bewegt), teils versteckt (tolle Darbietung mit dem Röhnrad, schade nur, dass die Moderatorin das meiste davon verdeckt) oder in einer künstlerisch wertvollen Nahaufnahme (ein Arm, ein Bein, vielleicht ein Gesicht; der Hintergrund; ein Musikinstrument; ein Luftballon; ein Grammophon, an einer Schnur herabgelassen; der Mond, vom Publikum durch den Raum bewegt).

Am Ende bleibt nur die Erkenntnis, knappe zwei Stunden seines Lebens in den Rachen einer übermotivierten Redaktion in den Rachen geworfen zu haben, denn außer ein paar Sinn entleerten Sprüchen der Moderatorin bleibt nicht viel hängen. Die einzelnen Darbietungen muss man sich mühsam selbst zusammenreimen, anhand der paar Fetzen, die man zu sehen bekam (falls dies das Anliegen gewesen sein soll, haben sie den Grimme-Preis verdient, aber irgendwie zweifle ich daran). Um die nächste Aufzeichnung eines Konzerts oder eines Theater-/Zirkusprogramms mache ich mit Sicherheit einen großen Bogen.

Aber die Musik war spitze.