Iron Man
USA 2008, 118 min., FSK 12
Regie: Jon Favreau
Drehbuch: David Gilbert, George Ratliff
Kamera: Matthew Libatique
Musik: Nico Muhly
Darsteller: Robert Downey jr., Terrence Howard, Jeff Bridges, Gwyneth Paltrow, Shaun Toub
Es ist definitiv kein Ende abzusehen. Während die auch dem normalen Bürger bekannten Comicfiguren so langsam aber sicher alle ihre filmische Adaption erfahren haben, erfolgt nun ein tiefer Griff in die Kiste, die auch die weniger bekannten, deswegen aber nicht minder guten, soll heißen: interessanten, Superhelden an die Oberfläche zaubert. Während aber "Ant-Man", "Thor" und Konsorten noch in der Warteschleife stehen, "Der unglaubliche Hulk" (10.7.) und "The Dark Knight" (28.8.) und damit die Neuerfindung bzw. Fortsetzung bereits adaptierter Comics schon mal die Schuhe binden, ist "Iron Man" mittlerweile im Kino angekommen. Wobei "Iron Man" kein Superheld im herkömmlichen Sinne ist.
Tony Stark ist ein Playboy, wie er im Buche steht. Keine Party, die er nicht auslässt, ständig von schönen und willigen Frauen umgeben, wirft mit Geld nur so um sich und ist arrogant wie kein anderer. Gleichzeitig ist er aber auch ein Genie, der mal so eben kurz ein neues Waffensystem aus dem Ärmel schüttelt. Denn damit verdient er sein Geld. Nach einer Präsentation eines neuen Waffensystems in Afghanistan jedoch wird sein Militärtross überfallen und er selbst von Rebellen entführt - mit Hilfe seiner Waffen, wir er feststellen darf. Für die Rebellen soll er nun eben jenes Raketensystem nachbauen. Stattdessen entwirft er jedoch einen Kampfanzug, mit dem ihm die Flucht gelingt - die Geburtsstunde von "Iron Man". Doch von der äußerlichen hat Tony Stark auch eine innerliche Wandlung vollzogen. Geläutert durch seine Erfahrungen, erklärt er, kaum wieder auf heimischem Boden, bei einer Pressekonferenz die sofortige Einstellung der Waffenproduktion. Sehr zum Missfallen seines Geschäftspartners Obadiah Stane, der ihn nun aus dem Konzern drängen will.
Als ich meinte, "Iron Man" sei kein herkömmlicher Superheld, meinte ich damit, dass er einerseits keine Superkräfte wie Superman, Spider-Man und Konsorten besitzt, damit also eher Batman nahesteht, der seine Überlegenheit ebenfalls aus technischen Spielereien bezieht. Andererseits jedoch, und damit grenzt er sich ebenfalls von Batman ab, bleibt er auch nach seiner Läuterung, um es einmal so zu nennen, dasselbe arrogante Arschloch, das er zuvor auch schon war, sein Interesse, seine Rüstung gegen Übeltäter einzusetzen beschränkt sich alleine darauf, sich selbst, seinen Ruf bzw. die Personen zu (be)schützen, die ihm etwas bedeuten (was nun wahrlich nicht allzu viele sind). Oder, um es mit den Worten Robert Downey jr. zu sagen: Tony Stark ist wie Bruce Wayne ohne chronische Depressionen (Quelle: Cinema 5/08).
Wobei wir auch schon bei der Besetzung wären: für die Figur des Iron Man hätte man keine bessere Besetzung finden können als Robert Downey jr., und im Nachhinein muss man wohl auch konstatieren, dass der Film ohne ihn nicht halb so gut funktionieren würde. Er spielt die Figur des Tony Stark mit einer Hingabe, dass man sich fragen könnte, ob er überhaupt schauspielert oder nur sich selbst gibt. Er verleiht der Figur und dem gesamten Film auch dieses gewisse Augenzwinkern, das einen zusätzlichen Reiz des Films ausmacht. Zu den amüsantesten Momenten dürften wohl die Minuten zählen, die sich mit der Testphase seiner Rüstung und den Zwiegesprächen mit seinem Steuercomputer beschäftigen. Doch mit der (Über-)Präsenz von Robert Downey jr. geht auch das Problem einher, dass die anderen Figuren etwas an den Rand gedrängt werden. Terrence Howard als Starks bester, weil wohl einziger, Freund Jim Rhodes bleibt relativ farb- und konturlos in den wenigen Minuten, die ihm der Film zuspricht. Gwyneth Paltrow als sein Mädchen für alles Pepper Potts ist auch kaum mehr als schmückendes Beiwerk, wenn sie auch für einige nette Szenen sorgt. Einzig Jeff Bridges als Starks Widersacher Obadiah Stane (wie kommt es eigentlich, dass die Bösewichte in Comics immer die besseren Namen haben?) darf noch ein wenig glänzen, wobei auch ihm die Charaktertiefe etwas verloren geht.
Wer übrigens bei "Iron Man" das Abbrennen eines Action-Feuerwerks erwartet, dürfte enttäuscht werden, im Mittelpunkte stehen ganz klar die Charaktere bzw. der Charakter von Tony Stark. Natürlich kracht und rumst es auch gewaltig, doch sind diese Momente nicht so zahlreich, wie man wohl erwarten dürfte. Bis zum ersten Auftritt von "Iron Man" vergeht dann auch erstmal einiges an Zeit. Wenn es dann aber zur Sache geht, dann richtig. Vor allem die Konfrontation am Ende des Films zwischen Stark und Stane in respektiver Rüstung ist, wie es sich gehört, atemberaubend und gewaltig geraten. Zudem zeigt dieser Film, dass man auch packende Actionszenen gestalten kann, die nichtsdestotrotz übersichtlich bleiben (nimm dies, Wackelkamera!). Dass die Tricks zum derzeit technisch besten zählen, bedarf eigentlich keiner weiteren Erwähnung.
Es bleibt zu hoffen, dass "Iron Man" aufgrund seiner Gewichtung hin zu den Charakteren und weg von der Action nicht an den Kinokassen abgestraft wird, wie es schon vor fünf Jahren bei "Hulk" geschehen ist, der sich ähnlich stark auf seine Figuren konzentriert hat, beim Publikum wohl nicht zuletzt auch deswegen durchgefallen ist (was dem Franchise im Juli nun einen Neustart beschert, mit Edward Norton in der Hauptrolle, was hoffen lässt), sondern einen ähnlichen Erfolg erfahren wird wie "Batman Begins", der sich ebenfalls seine Charaktere zu Herzen genommen hat. Mit "Iron Man" jedenfalls kann man ohne Weiteres zwei sehr kurzweilige und auch amüsante Stunden verbringen.
Noch ein Wort zur Wertung: Wenn ich denn voll des Lobes bin, wieso bekommt der Film dann nur fünf Punkte? Nun, ganz einfach: der Film ist geschnitten, und dann auch noch ziemlich schlecht, soll heißen, die Schnitte sind bemerkbar. Schon im Kino hatte ich den Eindruck, dass manche Szenen ziemlich abrupt wechseln und für einige unerklärliche Momente sorgen, dem jedoch keine weitere Beachtung geschenkt, weil man so etwas im Kino hin und wieder erlebt, sei es weil der Filmstreifen durchrutscht oder sonstwas passiert. So, wie es jedoch derzeit aussieht, hat sich der Verleih dazu entschlossen, den Film zu kürzen, ohne Druck durch die FSK. So etwas hinterlässt bei mir einen schalen Nachgeschmack, und ehrlich gesagt komme ich mir als Kinogänger dadurch ziemlich verarscht und bevormundet vor. Vielleicht bin ich auch zu idealistisch und erwarte, dass es den Verantwortlichen um den Film und nicht um den schnöden Mammon geht. Wie auch immer, ich rate jedem, der den Film sehen möchte, auf die dann hoffentlich ungekürzte DVD zu warten. Oder die Originalversion zu sehen, die wohl ungekürzt ist, für die ich acht Punkte vergeben würde. Solch ein Gebaren seitens des Verleihers jedenfalls sollte man meiner Meinung nach nicht noch dadurch unterstützen, dass man ins Kino rennt.
Terra
USA 2007, 85 min.
Regie: Aristomenis Tsirbas
Drehbuch: Evan Spiliotopoulos
Kamera: J. Kathleen Gibson
Musik: Abel Korzeniowski
Darsteller: Evan Rachel Wood, Brian Cox, Luke Wilson, Dennis Quaid, Amanda Peet, Justin Long, James Garner, Chris Evans
Terra ist ein friedlicher Planet. Die Bewohner leben im Einklang mit der Natur, haben ihre Behausungen in riesigen, pilzförmigen Gewächsen. Doch mit dem Frieden ist es vorbei, als plötzlich die Sonne verdunkelt wird. Die junge Mala versucht, entgegen dem Rat ihres Vaters und der Priester, mehr darüber herauszufinden. Mittels eines selbstgebastelten Teleskops erkennt sie, dass es sich um ein riesiges Raumschiff handelt - das just Aufklärungsflugzeuge startet, die beginnen, auf die Terrianer Jagd zu machen. Auch Malas Vater wird entführt. Ein Aufklärer jedoch stürzt ab, und Mala findet den Piloten - einen Menschen. Mit dessen Hilfe nun will Mala ihren Vater retten.
"Terra" lief im Rahmen des 15. Internationalen Trickfilmfestivals Stuttgart. Es ist ein unabhängiger Film, ohne die Rückendeckung eines großen Studios, entstanden mit einem, verglichen zu einer großen Produktion, Kleinstbudget und einem Bruchteil an Mitarbeitern. Diese Tatsachen muss man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen, wenn man den Film sieht. Denn was Aristomeni Tsirbas und seine Crew mit diesem Film geschaffen haben, braucht sich vor den großen Filmen nicht zu verstecken - im Gegenteil. Zwar hat er hier und da getrickst, wie er in einer dem Film anschließenden Fragestunde freimütig zugab, z.B. haben die Figuren, um Rechenzeit zu sparen, keine Haare. Was sich allerdings keineswegs störend auswirkt, immerhin sind auf der einen Seite die Terrianer, deren Aussehen stark von ihrer Naturverbundenheit inspiriert scheint, sehen sie doch aus wie Blätter mit Kopf und Armen und demzufolge haarlos, auf der anderen Seite die großteils militarisierte Menschheit, deren natürlicher Kopfschmuck traditionell auch eher mager ausfällt.
Aber auch ohne solche Gimmicks kann die Animation voll überzeugen, nicht zuletzt wegen des riesigen Einfallsreichtums. Und so kommt man die ersten Minuten des Films auch nicht mehr aus dem Staunen heraus. Seien es die riesigen Pilze, in denen die Terrianer ihre Wohnungen haben (in denen es dann schon wieder konventioneller aussieht, Essecke, Schlafraum etc.), die sich hoch über die ewige Wolkendecke des Planeten erstreckt, unter der es immer schneit, seien es die riesigen, walartigen Luftbewohner des Planeten - alles erscheint idyllisch, schwerelos. Kein Wunder, dass sich auch die Terrianer schwebend fortbewegen (was im Lauf des Films leider manchmal vergessen wird, aber das ist nur ein kleines Manko). Schön auch, wie sich, nennen wir es mal die Architektur des Erdenschiffs vom organischen Aussehen der Terrianer abhebt: eckig, kantig, rechte Winkel, mechanisch, beinahe steril.
Ist man dann erst einmal über den ersten, mehr als ordentlichen Eindruck hinweg, kann man sich ganz der Handlung widmen. Diese ist relativ konventionell geraten, soll heißen, sie ist nicht ganz so kreativ, wie man sich erhoffen konnte, jedoch gelingt es dem Film, einer alten Idee etwas Neues abzugewinnen, in dem man den Zuschauer einem Perspektivwechsel unterzieht. Nicht mehr die bösen Aliens sind es, die die Erde heimsuchen, sondern die Menschheit ist es, die den friedfertigen Planeten für sich einnehmen wollen. Damit zwingt er quasi den Zuschauer in eine Defensivrolle, der sich, da ja auch Mensch (aller Wahrscheinlichkeit nach), nun rechtfertigen und Gedanken über die Handlungsweisen machen muss. Sehr intelligent, da die unterschwellige Botschaft des Films (natürlich, ist es doch derzeit groß in Mode) die Auswirkungen des Menschen auf die Umwelt sind. Abgesehen davon vermeidet der Film jedoch jegliche Moralisierung, schwingt also nicht den erhobenen Zeigefinger, sondern stellt nur sozusagen ein mögliches Resultat dar. Ob man nun auch noch eine Kritik am Irakkrieg hineinlesen möchte, hängt ganz davon ab, ob man in der Figur des Generals ebenfalls eine gewisse Ähnlichkeit zum amtierenden US-Präsidenten sehen möchte - aber dann wiederum ist das vielleicht auch zu viel des Guten.
Und noch etwas sollte man nicht unerwähnt lassen. Für einen kleinen Film, ein Erstlingswerk, der noch nicht einmal einen Vertrieb gefunden hat, ist es erstaunlich, welche Namen für die Sprechrollen er hinter sich versammeln konnte. Die Besetzungsliste liest sich wie ein Who-Is-Who von Hollywood, die allesamt eine tolle Leistung abliefern, sei es Brian Cox als fieser General, Jungstar Evan Rachel Wood als Mala, die sie mit der nötigen Verve ausstattet, Luke Wilson als Stanton. Sogar bis in die kleinen Nebenrollen erstreckt sich die ausgezeichnete Besetzung, wie z.B. Dennis Quaid als Malas Vater oder auch James Garner als Hohepriester, die beide keine allzu große Sprechrollen haben.
Sollte man also die Möglichkeit haben, "Terra" sehen zu können, sollte man sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Jedoch werden diese Möglichkeiten derzeit sehr rar gesät sein, denn bislang fehlt dem Film, wie schon erwähnt, noch ein Vertrieb, so dass er bis auf ein paar Festivals unter Ausschluss der Öffentlichkeit sein Dasein fristet. Man kann nur hoffen, dass es den Machern gelingt, "Terra" noch im Kino einem großen Publikum näherzubringen. Verdient hätte er es allemal, den mit Großproduktionen kann der Film locker mithalten - mindestens.







