21
USA 2008, 123 min., FSK 12
Regie: Robert Luketic
Drehbuch: Peter Steinfeld, Allan Loeb
Kamera: Russell Carpenter
Musik: David Sardy
Darsteller: Jim Sturgess, Kate Bosworth, Kevin Spacey, Laurence Fishburne, Aaron Yoo
Ben ist Student am MIT, ein Ausnahmestudent, der ohne Schwierigkeiten Bestnoten einfährt. Sein Traum ist es, in Harvard Medizin zu studieren. Doch dazu braucht er Geld. Geld, das er nicht hat. Die Chance, ein Stipendium zu erhalten, ist äußerst gering. Da kommt sein Matheprofessor wie gerufen. In den Abendstunden betreibt er mit einigen Studenten einen Black-Jack-Club. Allerdings ist nicht der Zeitvertreib oberstes Ziel, sondern das Zählen der Karten. Schnell stellt sich heraus, dass Ben ein natürliches Talent dafür hat, und nach kurzem Zögern steigt er mit ein. Dadurch stellt sich sein Leben auf den Kopf. Unter der Woche ist er der brave Student, am Wochenende fliegen er und der Club nach Las Vegas, um die Casinos auszunehmen. Doch der Erfolg der Gruppe bleibt nicht unbemerkt, der Sicherheitsdienst der Casinos heftet sich an ihre Fersen.
Auf wahren Begebenheiten soll "21" basieren. Und zunächst ist das ja nichts Schlechtes, denn bekanntermaßen schreibt das Leben noch immer die besten Geschichten. Dummerweise ist der Stoff in die Hollywoodmaschinerie geraten, so dass das Endprodukt ein Film ist, den man schon tausend Mal gesehen hat. Ben hängt hauptsächlich mit seinen Nerdfreunden rum, denen man den Klischeenerd schon aus zehn Kilometern gegen den Wind ansieht, und macht nerdige Dinge, wie Roboter bauen oder verbal Mädels aufreißen. Durch den Club blüht er dann auf, bekommt, wer hätte es gedacht, gleich noch 'ne Freundin, hat eine kurze Phase der Abgehobenheit, in der er es sich mit seiner Freundin verscherzt, und ist am Ende wieder ein geläuterter braver Bubi (mit Freundin). Wem diese Art der Handlung bekannt vorkommt, der hebt nun bitte die Hand.
Der Rest ist ähnlich originell geraten, so dass man ohne Strafe sagen kann, dass der Film ein einziges großes Klischee ist. Sogar die Nebencharaktere scheinen danach gestaltet worden zu sein, sei es der Matheprof, der ein dunkles Geheimnis hütet, die ehemalige Nummer eins im Team, die durch den schnellen Aufstieg Bens ziemlich sauer und eifersüchtig reagiert oder auch der übliche lockere Typ, der immer einen blöden Spruch auf Lager hat. Wer also schon einige Filme in seinem Leben gesehen hat, wird kaum von diesem Film überrascht werden, selbst die ach so trickreiche Wendung am Ende sieht man schon zu Beginn des Films anrücken. Und noch ein Kritikpunkt: meiner Meinung nach macht den besonderen Reiz solch eines Films nicht zuletzt der Trick dahinter aus bzw. die Planung, wie z.B. bei "Ocean's Eleven", dessen Großteil seiner Laufzeit genau auf die Inszenierung der Vorbereitung verwandt wird. Bei "21" jedoch wird das relativ zügig abgehandelt, wie genau der Trick oder das Zählen der Karten funktionieren soll, bleibt im Dunkeln. Zumindest ich hab's nicht kapiert. Allerdings, und das muss man dem Film hoch anrechnen, wird Las Vegas phantastisch in Szene gesetzt, die Bilder von den Casinos sind wirklich gelungen.
Unterm Strich bleibt mit "21" ein Film, den man, kaum gesehen, auch schon wieder vergessen hat, denn eigene Ideen bringt er nicht mit. Die Darsteller agieren relativ gefällig, Ausreißer sind keine zu vermelden, leider eben auch nicht nach oben. Nur Kate Bosworth sollte sich dringend eine andere Frisur zulegen. Wer also einen anspruchslosen Kinoabend verbringen möchte, ist hier richtig.
[Rec]
Spanien 2007, 85 min., FSK 16
Regie: Jaume Balagueró, Paco Plaza
Drehbuch: Jaume Balagueró, Luis Berdejo, Paco Plaza
Kamera: Pablo Rosso
Darsteller: Manuela Velasco, Ferran Terraza, Vicente Gil, David Vert, Carlos Vicente
Zombiefilme haben Konjunktur. Zumindest ist die Anzahl der Horrorfilme ohne jene wandelnden Leichen in letzter Zeit denkbar gering - zumindest gefühlt. Zu früheren Werken jedoch scheinen auch sie sich dem Zeitgeist angepasst zu haben, vorbei sind die Zeiten, in denen sie sich langsam, aber unbeirrbar ihren Weg zum nächsten Opfer mit schlurfendem Schritt gebahnt haben. Die heutigen Untoten haben die Geschwindigkeit eines Hundert-Meter- und die Ausdauer eines Marathonläufers, hoffähig gemacht durch Danny Boyles phantastischen Endzeitschocker "28 Days Later" (auch wenn jene, die schnellen Fußes unterwegs sind, meist als Infizierte tituliert werden; vielleicht ist man sich der Tatsache bewusst, dass Zombies in den Köpfen der Kinobesucher schneckenlahm unterwegs zu sein haben).
Wie auch immer, mit "[Rec]" liegt nun abermals ein Vertreter dieses Genres vor, der jedoch auch "nur" mit Infizierten aufwarten kann (wodurch sich schon eine Aussage zur Geschwindigkeit eben jener findet). Urheber ist der Spanier Jaume Balagueró, der sich schon zuvor mit "Darkness" oder "The Nameless" einen Namen im Horrorgeschäft machen konnte. Sein neuestes Werk ist nun im Stil einer Dokumentation inszeniert, demzufolge muss man auch der Tatsache gewahr sein, dass man den Film über einer Wackelkamera ausgesetzt ist. Jedoch hält sich die Brechreizgefahr in Grenzen, an den Meister dieser Klasse "The Bourne Ultimatum" kommt der Film zu keiner Zeit heran (welch ein Glück!). Zusätzlich zur entsprechenden Kameraführung wurde auch noch mit abrupten Schnitten, teilweisen Bild- und Tonaussetzern bzw. verzerrtem Ton gearbeitet.
Ein kleiner Lokalsender will im Rahmen ihrer Sendung "Während Sie schlafen" einen Bericht über eine Feuerwache drehen. Die junge Reporterin Angela und ihr Kameramann Pablo nisten sich dazu auf der Wache ein, in der Hoffnung, spektakuläre Aufnahmen von Brandeinsätzen zu bekommen. Doch zunächst herrscht gähnende Langeweile, es passiert nichts. Irgendwann in der Nacht kommt dann doch der ersehnte Notruf: aus der Wohnung einer alten Dame in einem Mehrfamilienhaus waren Schreie zu hören, die Nachbarn machen sich Sorgen. Es ist zwar nicht der erhoffte Brand, aber allemal besser, als sich die Zeit um die Ohren zu schlagen. Angela und Pablo begleiten die zwei Feuerwehrmänner Manu und Alex zum Haus, in dessen Empfangshalle sich schon die besorgten Nachbarn eingefunden haben, ebenso wie zwei Polizisten. Mit letzteren verschaffen sich die Feuerwehrleute Zutritt zur Wohnung der alten Dame, die sie auch vorfinden, anscheinend völlig verwirrt und blutverschmiert. Plötzlich fällt sie einen der Polizisten an und verletzt ihn schwer. Doch damit nicht genug: als sie ihn zum Rettungswagen nach draußen bringen wollen, ist die Eingangstür versperrt. Das Gesundheitsamt hat das gesamte Haus abgeriegelt und unter Quarantäne gestellt. Damit sind alle im Haus gefangen, in dem seltsame Dinge vor sich gehen.
Eines haben die Macher des Films meiner Meinung nach zu 100% geschafft: das Gefühl zu erzeugen, gerade tatsächlich eine Dokumentation zu sehen. Der Kameramann ist den Film über unsichtbar, man hört nur seine Stimme und sieht an und ab seine Füße. Der Besuch der Feuerwache zu Beginn ist auch genauso inszeniert, wie man so etwas von einem Regionalsender erwarten würde. Angela darf mal in eine Uniform schlüpfen, der Chef der Wache darf die Statistik runterbeten und sagen, dass der Hauptteil der Feuerwehr eben nicht das Löschen von Bränden sind etc. Während den Geschehnissen im Haus selbst werden sogar noch Interviews mit den Hausbewohnern eingeflochten. Zudem kommen noch zwei weitere Pluspunkte dazu: zum einen sind die Darsteller samt und sonders unbekannt (zumindest mir), so dass man nicht ständig davon abgelenkt wird, dass man eben doch nur diesen oder jenen Star in einer Rolle zu sehen bekommt (ein Problem, dem sich das US-Remake "Quarantine", dass uns dieses Jahr auch noch ins Haus steht, erst noch stellen muss), zum anderen hatte ich das Glück, den Film im spanischen Original mit deutschen Untertiteln zu sehen, also genau so, wie hierzulande die meisten ausländischen Dokumentationen gezeigt werden, untertitelt eben.
Die Nachteile liegen jedoch damit auch klar auf der Hand: Zu den Personen im Film kann man keinerlei Beziehung aufbauen, es sind eben "nur" Feuerwehrmänner, Polizisten, Hausbewohner oder Reporter. Im Nachhinein könnte ich auch nicht mehr sagen, wie viele Bewohner letzten Endes das Haus hatte, die kurze Einführung der Personen geht ungestreift durch, ohne im Kopf ein bleibendes Bild zu hinterlassen. Und wenn man es genau betrachtet, ist die Handlung auch ziemlich dünn geraten, zu viel Zeit verstreicht damit, dass Angela das Geschehen dokumentiert, Interviews führt etc., was den Film trotz seiner kurzen Laufzeit etwas in die Länge zieht. In einem Fall "spult" das Bild auch zurück, weil Angela noch einmal eine Szene sehen möchte. Ein netter Einfall, um den Dokumentationscharakter zu unterstreichen, letzten Endes aber unnötig. Des Rätsels Lösung schließlich finde ich persönlich ein wenig zu klischeehaft, aber das mag jeder für sich selbst entscheiden.
A propos Ende: Die letzte halbe Stunde ist äußerst spannend und intensiv geraten, wenn auch des Rätsels Lösung, zumindest mich, nicht restlos überzeugen konnte, zu klischeehaft ist es geraten. Wobei das nun nicht heißt, dass der Rest vom Film nicht spannend ist. Stetig wird ein Gefühl der Unsicherheit und des Unbehagens aufgebaut, nicht zuletzt auch durch die begrenzte Sicht durch die Kamera, die im Lauf des Films auch immer weiter eingeschränkt wird. Die im Film verteilten Schockmomente sitzen im großen Ganzen auch, einige erwischen den Zuschauer ziemlich unerwartet, andere sieht man auf Meilen entfernt (und erschrickt trotzdem). Dennoch muss man sagen: neu erfunden wird das Rad mit diesem Film nicht.







