Todeszug nach Yuma
USA 2007, 117 min., FSK 16
OT: 3:10 to Yuma
Regie: James Mangold
Drehbuch: Halsted Wells, Michael Brandt, Derek Haas
Kamera: Phedon Papamichael
Musik: Marco Beltrami
Darsteller: Russell Crowe, Christian Bale, Peter Fonda, Ben Foster, Gretchen Mol, Alan Tudyk
Totgesagte leben länger. Zumindest was das Genre des Western anbelangt. Denn immer mal wieder blitzen edle Machwerke dieses Genres hervor, die das Format eines Blockbuster erreichen und man Spätwestern nennt, um zu unterstreichen, dass das Genre eigentlich tot ist, sei es nun "Erbarmungslos" von Clint Eastwood, der mit dieser Gattung von Film immerhin berühmt geworden ist, oder auch Kevin Costners Epos "Der sich 'nen mit dem Wolf tanzt". Regisseur James Mangold, der wohl bemerkt hat, dass in seiner Vita noch kein Western vertreten ist, hat sich nun mit "Todeszug nach Yuma" dieses Genres angenommen und die Scharte ausgewetzt. Und der Film verdient es, mit obigen Vertretern im gleichen Atemzug genannt zu werden.
Farmer Dan Evans ist das, was man als arme Sau bezeichnen würde. Aus dem Bürgerkrieg mit nur noch einem Bein zurückgekehrt, hat er sich viel Geld geliehen, um eine Farm aufzuziehen. Doch anhaltende Dürre und das Aufstauen des Baches durch seinen Nachbarn und Gläubiger haben ihn an den Rand des Ruins gebracht. Da kommt es gerade recht, das in der Stadt der Bandit Ben Wade gefasst wird und noch Leute gesucht werden, die ihn zum Bahnhof nach Contention bringen und in den Zug nach Yuma setzen, wo er der Gerichtsbarkeit übergeben werden soll. Für das Versprechen von 200 Dollar bei Übergabe in Contention setzt sich Evans mit dem Treck in Bewegung. Doch die Reise ist nicht ungefährlich, denn Wades Bande setzt alles daran, ihren Boss zu befreien.
Es stimmt schon, die Handlung ist nicht die komplexeste und im Grunde genommen einfach gestrickt. Den besonderen Reiz bezieht der Film somit auch nicht daraus, sondern aus seiner Figurenkonstellation. Keine Schwarz-Weiß-Malerei, sondern echte Charaktere mit Ecken und Kanten bevölkern den Film. Jeder hat seine dunklen Geheimnisse, seine sympathischen wie abstoßenden Seiten. Um das völlig auszukosten, reduziert der Film den Anteil der Schießereien, der Action allgemein, deutlich. Die ist zwar auch vorhanden, vor allem im fulminanten Finale (mehr dazu unten), aber die Spannung bezieht der Film hauptsächlich aus dem psychologischen Duell der beiden Hauptcharaktere Evans und Wade, das noch zusätzlich an Feuer erhält durch Evans' heranwachsenden Sohn William, der insgeheim Wade bewundert und seinen Vater wegen dessen Vorsicht, die er ihm als Feigheit auslegt, und seiner Unfähigkeit, eine Farm zu betreiben, verachtet. Als kleines Detail am Rande tauchen übrigens auch die für Western unvermeidlichen Indianer auf. Statt ihre Aggressivität hinsichtlich des Trecks aber auf ihr bloßes Indianersein zu reduzieren, wie man das ja gewohnt wäre, differenziert der Film hier erfreulicherweise ebenfalls und macht den Grund in der verkorksten Umsiedlungspolitik der Regierung aus, so dass auch das Handeln der Indianer in einem anderen, vielleicht sogar nachvollziehbaren Licht erscheint, wenn auch nicht unbedingt in dieser Konsequenz.
Durch diese Gewichtung hin zum Drama steht und der fällt der Film natürlich mit der Besetzung. Und nach wie vor hält die Serie von Christian Bale, mit dem ich noch immer keinen schlechten Film gesehen habe. Seiner Figur des Evans sieht man die Verzweiflung über seine Situation jede Sekunde an, den Schmerz, wenn ihn sein eigener Sohn für einen Verlierer hält. Seine Figur ist ein (meist) aufrechter und integerer Mensch, der trotz den Verlockungen Wades an seiner Mission festhält, obwohl er das Geld dringend benötigen würde. Ihm gegenüber spielt Russell Crowe den verschmitzten Wade. Einmal gnadenlos brutal, keine fünf Minuten die Liebenswürdigkeit in Person. Als Zuschauer fällt es schwer, ihn nicht sympathisch zu finden. Der echte Gegenpart fällt dann auch Ben Foster als Wades rechte Hand Charlie Price zu. Er ist ein echter Widerling, roh, brutal, ungehobelt, mit fanatischem Blick und gnadenlos. Er dürfte der einzige nicht zwiespältige Charakter sein, er ist durch und durch verdorben. Die restliche Besetzung ist zwar nicht wesentlich schlechter, fällt aber dennoch deutlich hinter diesen drei Figuren zurück. Und Frauenrollen sind sowieso, bis auf Gretchen Mol als Evans' Frau, Mangelware, wie es bei den meisten Western nun mal so ist.
Zum Finale des Films müssen aber noch ein paar Worte verloren werden. --- ACHTUNG! Ab hier wird massiv gespoilert, wer den Film also unvoreingenommen genießen möchte, sollte direkt zum letzten Absatz springen. --- Das Ende könnte etwas Kopfzerbrechen bereiten, immerhin ist es nicht sofort ersichtlich, wieso Wade plötzlich seine komplette Bande erschießt und freiwillig in den Zug steigt, auch wenn sich Sympathien zwischen Wade und Evans nicht leugnen lassen. Wenn man sich aber noch einmal vor Augen führt, was in der letzten halben Stunde des Films passiert, bekommt man seine Antwort. Bei der Hatz durch Contention ringt Wade Evans nieder und ist kurz davor, ihn zu erwürgen. Evans erzählt Wade mit letzter Kraft, wie er wirklich sein Bein verlor, dass es ihm von einem Kameraden beim Rückzug abgeschossen wurde. Die Illusion, er habe es bei der Verteidigung des Kapitols gegen die Südstaaten verloren, erhält er nur wegen seines Sohnes aufrecht, damit er nicht als völliger Verlierer vor ihm dasteht. In diesem Moment lässt Wade von ihm ab und sich von ihm nicht nur zum Zug bringen, er führt Evans geradezu. Den Grund für Wades Sinneswandel erfahren wir ein paar Minuten später im Bahnwärterhäuschen, in dem sie sich verschanzen. Hier erzählt Wade, wie er als kleiner Junge von seiner Mutter mit zum Bahnhof genommen wurde und sie ihn in den Warteraum gesetzt hat, während sie die Fahrkarten kaufen wollte. Sie ist nie wiedergekommen. Man erkennt, dass Wade sich nicht wegen Evans selbst, sondern wegen dessen Sohn zum Zug bringen lässt, denn er weiß, was es heißt, als Kind tief enttäuscht zu werden und sein Vorbild zu verlieren. Deswegen muss er auch am Ende seine Bande erschießen. Evans liegt zu diesem Zeitpunkt bereits tödlich verwundet am Boden, kann also nicht mehr selbst sein Ansehen verteidigen und seinem Sohn das moralische Vorbild liefern, weswegen Wade in diese Rolle gedrängt wird. Er muss zwangläufig seine Männer erschießen und in den Zug steigen, nicht zuletzt auch deswegen, weil Evans' Sohn wider dem Wunsch seines Vaters doch zum Bahnhof gekommen ist und Zeuge der Konfrontation wurde. Wäre er nicht dagewesen, hätte Wade wohl kaum seine Männer erschossen, sondern wäre so in den Zug gestiegen wäre, um später wieder auszubrechen. Die Nachricht, dass er den Zug genommen hat, wäre schließlich Beweis genug für den Sohn gewesen, dass sein Vater seine Aufgabe erfüllt hat. Das Wade im Übrigen nicht geläutert ist, was auch in dieser kurzen Zeit relativ unwahrscheinlich wäre, sieht man in der letzten Einstellung, in der er, als der Zug die Stadt verlassen hat, sein Pferd herpfeift. Das, und das Wissen, dass er, wie er sagt, schon zweimal aus dem Gefängnis in Yuma hat fliehen können.
Es ist eigentlich erstaunlich, dass es "Todeszug nach Yuma" ins Kino geschafft hat, wurde doch beispielsweise "Seraphim Falls" mit Pierce Brosnan und Liam Neeson diese Ehre verwehrt. Vielleicht liegt es an der kassenträchtigeren Besetzung, vielleicht am Regisseur (der jüngst Reese Witherspoon in "Walk the Line" zu Oscarwürden verhalf), vielleicht an Elmore Leonard, auf dessen Kurzgeschichte dieser Film beruht und der schon die Vorlagen für so erfolgreiche Filme wie "Schnappt Shorty", "Out of Sight" oder "Jackie Brown" lieferte. Man weiß es nicht. Jedenfalls sollte man die Chance ergreifen und sich dieses psychologische Duell im Westernmantel nicht entgehen lassen. Wer weiß, wann der nächste Western das Licht der Leinwand erblickt.
Nightmare Before Christmas
USA 1993, 76 min., FSK 6
Regie: Henry Selick
Buch: Caroline Thompson
Kamera: Pete Kozachik
Musik: Danny Elfman
Sprecher: Alexander Goebel, Nina Hagen, Fred Maine, Ron Williams, Mandred Lichtenfels
Hach, einfach schön! Ich denke kaum, dass man zu dem Film noch viel schreiben muss, immerhin hat er auch schon einige Jahre auf dem Buckel. Der Vollständigkeit halber aber sei er nochmals kurz zusammengefasst, sollte es dort draußen tatsächlich noch jemanden geben, der diesen Film sträflicherweise noch nicht kennt.
Halloween ist gerade vorbei und Jack Skellington ist zum wiederholten Male zum Kürbiskönig vom Halloweenland erkoren worden. Doch freuen kann er sich nicht richtig darüber, er ist leer und ausgebrannt. Gedankenverloren schlendert er durch den Wald und stößt zufällig auf die Tür ins Weihnachtsland. Was er dort sieht und erlebt, weckt seine Lebensgeister. Und er hat die Idee: dieses Jahr wird er das Weihnachtsfest ausrichten.
In mühsamer Kleinstarbeit wurde "Nightmare Before Christmas" anno 1993 fertiggestellt und war somit der erste abendfüllende Trickfilm, der komplett mittels Stop-Motion-Technik entstanden ist. Das Ergebnis ist wahrlich phantastisch. Die Figuren sind zwar "nur" Puppen, aber dennoch lebendig (lebendiger als mancher Schauspieler aus Fleisch und Blut), eben eigene Charaktere mit ihren Fehlern und Eigenheiten, das dürre Skelett Jack in der Identitätskrise, die zusammengeflickte Strohpuppe Sally, die ihr Herz an Jack verloren hat. Und ist das Setting schon unwirklich genug, liefert diese Stop-Motion-Technik noch eine zusätzliche Ebene. Die Bewegungen sind nicht ganz flüssig, am ehesten zu vergleichen mit einem sehr aufwendigen Daumenkino. Deswegen wirkt der Film nicht ganz perfekt, aber dadurch umso liebenswerter, wie ein Teddy mit einem fehlenden Auge, den man auch nicht mehr hergeben möchte.
Die gelungene und anrührende Geschichte, basierend auf einem Gedicht von Tim Burton (dessen Einfluss deutlich zu spüren ist, immerhin hat er den Film produziert), ist nur die halbe Miete dieses Films. Die andere Hälfte ist die Musik. Danny Elfman hat hierbei wohl die beste Arbeit bislang abgeliefert. Die Lieder sind mal anrührend, mal unheimlich, mal lustig, aber immer treiben sie die Handlung voran und offenbaren das Innenleben der Figuren.
Machen wir uns nichts vor: wer Musicals nicht ausstehen kann, braucht sich diesen Film nicht ansehen. Alle anderen sollten aber tunlichst ein Kino in der Nähe aufsuchen, um diese Perle (und m.E. einen der besten Weihnachtsfilme) zu genießen, erst recht, nachdem rechtzeitig zum Weihnachtsfest eine überarbeitete Fassung in 3D in die Kinos kommt, die dadurch den Film nochmals aufwertet. Mehr will ich eigentlich auch nicht dazu sagen, es würde dem Film sowieso nicht gerecht werden.







