"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
16. September 2007
Kinowoche 37/07:
Death Sentence / Die Regeln der Gewalt / Ein fliehendes Pferd

von baumgarf | 23:47 | kommentieren

Death Sentence

Death Sentence 4 von 10 USA 2007, 114 min., FSK k.J.

Regie: James Wan
Buch: Ian Jeffers
Kamera: John R. Leonetti
Musik: Charlie Clouser
Darsteller: Kevin Bacon, Garrett Hedlund, Kelly Preston, Aisha Tyler, John Goodman, Matt O'Leary

Homepage, imdb

Ob man es glaubt oder nicht, "Death Sentence" ist tatsächlich so grausig, wie ich befürchtet hatte. Kevin Bacon ist ein erfolgreicher Risikomanager (seinen Rollennamen hab' ich vergessen, die Lust, ihn nachzuschlagen, verspüre ich ehrlich gesagt auch nicht). Eines weniger schönen Tages wird sein Sohn Brandon an einer Tankstelle erschossen. Wie sich alsbald herausstellt, wurde Brandon Ziel eines Aufnahmeritus in eine Gang. Kevin Bacon dreht daraufhin durch und dezimiert die Gang auf Null.

Ich weiß nicht, was mich an dem Film mehr gestört hat: die dezidierte Darstellung der Selbstjustiz, ohne diese moralisch richtig in Frage zu stellen, sondern sie quasi noch als adäquates Mittel anpreist, durch die beinahe arbeitsverweigernde Haltung der Polizei im Film; oder den unfreiwilligen Humor einiger Szenen (bspw. als sich Kevin Bacon am Krankenbett seines zweiten Sohnes dazu entschließt, in der Gang aufzuräumen), der jedwede ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Film unmöglich macht, was gerade bei dem Thema sträflich fahrlässig ist; oder die Vorhersehbarkeit, da man schon nach zwei Minuten ahnt, wie der Film enden wird (Familienvideos als Filmeinstieg lassen nur einen Schluss zu), sich dadurch eine Spannungsarmut einstellt, die durch die harmlose Darstellung der Gang auch nicht aufgebessert wird. Und wenn man dann noch weiß, dass es sich hierbei um ein Remake eines 70er-Jahre-Streifens mit Charles Bronson handelt, bleibt letztendlich nur noch ein "Musste das denn sein?" zurück. Da hilft dann auch kein John Goodman mehr, der in einer kleinen, feinen Nebenrolle glänzen darf, oder eine gelungene Actionszene auf einem Parkhausdach. Nächster, bitte.


Die Regeln der Gewalt

Die Regeln der Gewalt 6 von 10 USA 2007, 99 min., FSK 16
OT: The Lookout

Regie: Scott Frank
Buch: Scott Frank
Kamera: Alar Kivilo
Musik: James Newton Howard
Darsteller: Joseph Gordon-Levitt, Jeff Daniels, Matthew Goode, Isla Fisher, Carla Gucino, Bruce McGill, Alberta Watson

Homepage, imdb

Die Grundidee des Films, der einmal mehr beweißt, das deutsche Filmtitel ("Die Regeln der Gewalt") nichts, aber auch gar nichts mit dem Film zu tun haben müssen (Originaltitel: "The Lookout"), hat man bei "Memento" geklaut, was prinzipiell nicht schlecht sein muss. Nach einem selbstverschuldeten Unfall kann sich Chris Pratt nur noch mit Hilfe eines Notizblocks Dinge merken, seine Konzentrationsfähigkeit ist faktisch nicht mehr vorhanden, seine Motorik lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Eines Tages trifft er einen vorgeblichen alten Bekannten wieder, durch den er endlich wieder etwas Anschluss ans Leben findet, war doch bislang sein blinder Mitbewohner Louis sein einziger Freund. Doch bald stellt sich heraus, dass er seinem neuen Freund bei einem Banküberfall behilflich sein soll, just in der Bank, in der er als Putzhilfe einen Job gefunden hat.

Der Film hätte richtig gut werden können, leider wird aber mit Chris' Handicap sträflich nachlässig verfahren. Man erhält nicht wirklich den Eindruck, als würde ihn sein Gedächtnis ständig im Stich lassen. Nur hin und wieder wird eine Szene eingestreut, gerade so, als müsste der Zuschauer daran erinnert werden: "Hey! Denk dran, der Typ hat ein Problem." Dadurch aber hat der Film fast schon verloren, nicht auch zuletzt deswegen, weil man sich am Ende verzweifelt fragt, weswegen die bösen Buben überhaupt seine Hilfe beim Bruch benötigt haben. Immerhin gelingt es dem Film, einige, aber nicht alle, Klischees zu umgehen, wofür man ihm sehr dankbar ist. Auch die Darsteller wissen zu überzeugen, vor allem Jeff Daniels als blinder Mitbewohner. Kein Film, den man im Kino gesehen haben muss, der sich aber bei einem Videoabend nicht störend äußern wird.


Ein fliehendes Pferd

Ein fliehendes Pferd 8 von 10 BRD 2007, 92 min., FSK 12

Regie: Rainer Kaufmann
Buch: Ralf Hertwig, Kathrin Richter
Kamera: Klaus Eichhammer
Musik: Annette Focks
Darsteller: Ulrich Noethen, Katja Riemann, Ulrich Tukur, Petra Schmidt-Schaller

imdb

Seit zwölf Jahren machen nun Helmut und Sabine Halm Urlaub am Bodensee. Ihr Leben bewegt sich in ausgetretenen Pfaden, man hat sich nicht mehr viel zu sagen, im Bett herrscht Waffenstillstand. Eines Tages jedoch taucht Klaus Buch auf, ein alter Studienfreund Helmuts, mit seiner wesentlich jüngeren Frau Helene, die beide durch ihr jugendhaftes und ungestümes Auftreten das Leben der Halms kräftig durcheinanderwirbeln und sie aus ihrer Lethargie erwecken, sehr zur Freude von Sabine, sehr zum Verdruss von Helmut.

Der Film "Ein fliehendes Pferd", basierend auf einer Novelle von Martin Walser (Leseempfehlung!), besitzt ein hohes Maß an spitzen Dialogen und Fremdschämszenen. Wie Klaus Buch eine peinliche Geschichte über Helmut nach der anderen ans Licht zerrt, ohne dass dieser sich groß dessen erwehrt, besitzt Magenkrampfpotential. Nur in unbeobachteten Momenten zeigt er seinen Verdruss, später, als Klaus' Aufdringlichkeit immer mehr zunimmt, tritt sein Missfallen immer deutlicher zu Tage. Der Film macht anfangs den Eindruck einer Lightversion von "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?", schlägt aber später einen anderen Kurs ein. Da es sich bei dem Film um ein Vier-Personen-Stück handelt, steht und fällt der Film mit seiner Besetzung, und da hat er glücklicherweise alles richtig gemacht. Ulrich Noethen als introvertierter Helmut, Ulrich Tukur als großkotziges Arschloch Klaus, Katja Riemann (ja, die gibt's noch) als frustrierte Ehefrau Sabine und Petra Schmidt-Schaller als naive Hel sind, man möchte es beinahe so sagen, perfekt besetzt, wenn sie auch nicht unbedingt ihren Beschreibungen in der Walser-Vorlage entsprechen. Aber dann wiederum zeigte sich der Autor selbst von dieser Verfilmung sehr angetan. Nur an die Musikuntermalung mit einer wimmernden Heimorgel muss man sich gewöhnen.

 
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