"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
21. Mai 2004
Technik, die entgeistert

von baumgarf | 02:46

Eigentlich sollen Schlüsselfinder, diese kleinen elektronischen Spielzeuge, das Leben erleichtern. Eigentlich sollen sie dabei helfen, im Handumdrehen den Schlüsselbund in den Untiefen von Taschen, Handtaschen oder Kühlschränken zu finden. Und das alles eigentlich nur durch einen kurzen Pfiff, auf den als Antwort ein markerschütterndes, elektronisches Gefiepe folgt. Für schwer Erziehbare auch ein nervöses Blinken des freundlicherweise schon von Fabrik aus mitinstallierten Lämpchens, stilsicher in rot.

Eigentlich.

Denn die Anleitung (in deutsch, wahlweise auch auf niederländisch oder französisch, falls dies der Verständlichkeit dienen sollte), die sich beipackzettelartig in dem drei mal fünf Zentimeter großen Pappschächtelchen mehr oder weniger ausbreitet, widmet sich fast zur Gänze (und das sind immerhin vier Sätze) dem Wechsel der beiden stromliefernden Knopfzellen, so sie denn einmal ihren Dienst quittieren sollten (nur nebenbei bemerkt: auf einem zweiten Beipackzettel wird vom Wechsel der Batterie abgeraten, da sie zu schwer zu entfernen sei). Nur ein einziger Satz in der Fußnote zu Beginn des Textes verweist auf den Gebrauch: Durch einen Pfiff wird der Hilferuf aktiviert.

Leider, leider vergisst man zu erwähnen, wie laut der Pfiff zu sein hat, welche Frequenz (zumindest ungefähr), in welchem Radius die Gerätschaft funktioniert. Denn die erste Begeisterung weicht alsbald der Ernüchterung. So versucht man sich erst mit einem handelsüblichen Pfiff, moduliert dann anschließend Tonhöhe und Lautstärke (resultiert in sehr schönen Grimassen, vormerken für den nächsten Kindergeburtstag), verkleinert nach fortsetzender Erfolglosigkeit die Entfernung zum Pieper sukzessive und wiederholt die vorhergehenden Schritte, bis man mit den Lippen am Gerät klebt, nur um schlussendlich in Schreien, Zetern und einem Nervenzusammenbruch zu enden. Das Gerät genießt und schweigt. Könnte es hämisch grinsen, es würde es tun.

Den tödlichen Dolchstoß versetzt dann das Einschalten des Radios. Beim Einsetzen des ersten Liedes zeigt der Lautsprecher des kleinen Plastikbrockens und dessen Lämpchen Leben, derart euphorisch, als würde es einen lange nicht mehr gesehenen guten Bekannten begrüßen. Während man selbst verlassen, in einer Ecke zusammengekauert, leise vor sich hinschluchzt und die Welt nicht mehr begreift.

Und dabei sollte es doch nur das Leben ein kleines Bisschen besser machen.