"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
08. Februar 2007
Ein unbeschwertes Stöckchen

von baumgarf | 01:04 | kommentieren | kommentare (6)

Da erwischt mich doch glatt ein Stöckchen von Etosha. Ein Improvisationsstöckchen, bei dem der/die Be-/Getroffene spontan Text, Gedicht, oder einen sonstigen geistigen Erguss zu einem Stichwort schreiben soll. Das ist wie ein Schlag in die Magengegend. Ungedeckt. Von hinten. Nachts, während man schläft. Inmitten eines angenehmen Traumes. An den man sich anschließend nicht mehr erinnert, nur, dass er wirklich toll war. Und ein Gefühl des Verlusts zurücklässt. Ich schweife ab.

"Unbeschwertheit" lautet mein mir auferlegtes Stichwort, welches ich unverschämterweise ganz unbeschwert zum Adjektiv degradiere, da sich dadurch ein schönerer Satzanfang ergibt; zudem erachte ich diese Maßnahme als gerade noch regelkonform. Allerdings ist seit Etoshas gekonntem Wurf schon über eine Woche ins Land gegangen, dennoch nehme ich das Stöckchen wahr, nicht zuletzt auch mangels bisheriger Freizeit. Et voilà.


Unbeschwert sind Kinder, die sich im Schnee tummeln, Schlitten fahren, einen Schneemann bauen, eine Schneeballschlacht mit den Nachbarskindern veranstalten, des Abends durchnässt aber glücklich ins Bett sinken und den Schlaf der Gerechten schlafen; oder im Sommer auf einer Wiese Fangen, in einer Scheune im Heu spielend, in den Ferien, die Schule vergessend, das Leben und die Pflichten eines Erwachsenen in ferner Zukunft wähnend.

Unbeschwert ist auf einer Parkbank sitzen, das Gesicht von der Sonne umschmeichelt, das Haar zerzaust vom leicht aufflauenden Wind, während irgendwo ein Hund bellt und ein Kind schreit und ein Fahrrad klingelt, ein Eichhörnchen sich seinen Weg über die Wiese zu einem Schatten spendenden Baum bahnt, zwischen den anderen Menschen hindurch, die dort picknicken oder lesen oder Frisbee oder Federball spielen oder einfach nur den lieben Gott einen guten Mann sein lassen; auf einem Felsen am brandenden Meer, die Gischt kleine Wasserperlen auf der Kleidung bildet, welche die ganze Welt widerspiegelen und doch so rein sind; an einem Gipfelkreuz hoch über der Menschheit, den Blick schweifend über die kleine Ortschaft, aus der man emporgestiegen ist, das Tal entlang, über Hügel und Wälder, bis zum Horizont, in dem sich noch einzelne Berggipfel abzeichnen; unter einem Sternenhimmel liegen, sich der Größe des Universums bewusst werdend, unter der die eigenen Probleme fast gar nicht mehr vorhanden zu sein erscheinen.

Unbeschwert ist, des Nächtens im Traum durch die Lüfte zu fliegen, den Vögeln gleich, Wolken zu durchstoßen, die kleingewordene Welt beinahe umarmen können, das Gefühl der Schwerelosigkeit erleben.

Unbeschwert ist man nach einer schweren, aber bestandenen Prüfung, wenn die Last und der Druck der Tage und Wochen zuvor abfällt und wieder Raum gibt für die Gegebenheiten und kleinen Wunder der Umwelt.

Unbeschwert ist guter Service in einem Restaurant.

Unbeschwert ist ein Taucher, der knapp unter der Wasseroberfläche hilflos paddelt und zu spät bemerkt, dass er den Bleigürtel im Boot hat liegen lassen.


Unbeschwert bedenke ich fürderhin Cindy mit Gelassenheit, Denny erhält Fernweh und Sympatexter, in der Hoffnung, dieses Stöckchen, auch wenn sie im allgemeinen keine mag, erweckt doch ihr Interesse, locke ich mit Ausnahme.

 
Kommentare

# 1 von Sympatexter | 08.02.2007 | 17:36

Beantwortet. Vielleicht nicht wahnsinnig originell - aber hey, ich habe beim Thema Stöckchen auch nicht so viel Übung ;-)

# 2 von Etosha | 08.02.2007 | 18:38

So schlimm hast du dich getroffen gefühlt? Ungedecktvonhintennachtswährendmanschläftschlimm? Uff. Wenn ja, dann sorry. Und Frage: War's das Wort oder das Stöckchen?

Sehr schöne Bilder jedenfalls! Und ein grandioser Abschluss, hehe.

# 3 von baumgarf | 08.02.2007 | 22:18

Nein, keine Sorge, es war nicht schlimm, es hat mir Spaß gemacht. Wirklich. Indianerehrenwort. Aber hin und wieder neige ich eben zur Übertreibung - ziemlich, ausufernd, überbordend, ungeheuerlich, maßlos.

# 4 von Etosha | 09.02.2007 | 13:25

Ach!? Wär mir jetz gar nicht aufgefallen. Wirklich nicht.:)

# 5 von baumgarf | 09.02.2007 | 14:10

Dann hast ja noch mal Glück gehabt, dass ich in aller mir angeborener Bescheidenheit gnädigerweise vorsichtig darauf hingewiesen habe, um eventuell möglichen Missverständnissen vorzubeugen. :o)

# 6 von Etosha | 10.02.2007 | 17:25

Dass es nicht so schlimm war, wie es erst ausgesehen hatte, da bin ich auch äußerst froh drüber, was für eine unvorstellbare Erleichterung! Begeistert bin ich, ach, was sag ich - ich strahle vor unbändigem Glück!

 
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