"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
06. Dezember 2006
Lucky Number Slevin

von baumgarf | 18:35 | kommentieren

Poster: Lucky Number Slevin

Manchmal muss man sich schon fragen, weshalb es manche Filme nicht ins Kino schaffen. Jüngstes Beispiel dieser so sträflich vernachlässigten Perlen ist "Lucky Number Slevin", ein gewitzter Thriller mit hohem Unterhaltungswert.

Job verloren, Freundin weg. Um auf andere Gedanken zu kommen, will Slevin (Josh Hartnett) seinen Kumpel Nick besuchen, der jedoch nicht in seiner Wohnung und auch sonst nirgends anzutreffen ist. Wen er jedoch antrifft, bzw. von wem er angetroffen wird, nachdem er es sich in Nicks Wohnung gemütlich gemacht hat, sind die Handlanger zweier rivalisierender Gangsterbosse, die ihn prompt für Nick halten. Widerspruch zwecklos. Auf der einen Seite steht der Boss (Morgan Freeman zur Abwechslung einmal als böser Junge), der von ihm 96,000 Dollar Spielschulden einfordert, oder, falls er sie nicht auftreiben kann, die Ermordung des Sohns seines einstigen Freundes und mittlerweile Erzfeindes, dem Rabbi (Ben Kingsley dieses Mal etwas zurückhaltender als noch in "Sexy Beast"). Wobei wir auch schon bei Gangsterboss Nummer zwei wären. Dieser fordert schlicht Spielschulden in Höhe von 34,000 Dollar ein. Nur. Jedenfalls sitzt Slevin jetzt so richtig in der Patsche. Der Boss, der Rabbi, ein übereifriger Polizist (Stanley Tucci) und Mr. Goodkat (Bruce Willis), ein gnadenloser Auftragskiller, sitzen ihm jetzt im Nacken. Und beweisen, dass er nicht Nick ist, kann er nicht, da er direkt nach seiner Ankunft in New York ausgeraubt wurde. Die einzige, die zu ihm hält, ist Nicks Nachbarin (Lucy Liu).

Wie schon gesagt, wieso dieser Film nicht im Kino lief, ist mir schleierhaft. Ansprechend inszeniert und präsentiert, mit einer klasse Besetzung (allein da verwundert es schon, dass es keinen Deutschlandstart gab), die sichtlich Spaß am Spiel hatte und einer sehr guten Handlung mit vielen Irrungen und Wirrungen, die immer genau so viel auslässt bzw. ein paar Brocken hinwirft, das man sich fragt, was da grade passiert ist und wie das alles zusammenpasst. Von der Art erinnert er ein wenig an von "Wild Things", jedoch nicht ganz so extrem, bei dem auch einige Schlüsselszenen ausgelassen wurden, damit das Filmende umso überraschender kommt. Ein eingefleischter Filmgucker wird zwar hier schon relativ bald wissen, woher der Wind weht, dennoch wird man nicht jeden Wink vorherzusagen wissen. Herausgekommen ist jedenfalls ein toller Film, der sich selbst nicht sonderlich ernst nimmt und dessen ironischer Unterton immer zu spüren ist, weswegen man ihm die eine oder andere Wendung zu viel am Ende verzeiht. Statt dessen könnte man doch wirklich die eine oder andere Kröte aus dem Kino verbannen. Aber vielleicht bietet der Film auch schon wieder zu viel Anspruch für das normale Publikum.

Sei es, wie es ist, falls man dem Film irgendwo habhaft werden kann, zugreifen. Allerdings ist er noch nicht in Deutschland erhältlich, also bleibt nur der Griff zu einer englischen DVD. Aber der Aufwand lohnt allemal.

(Deutschland/USA 2006, 105 min., FSK 16; R: Paul McGuigan; D: Josh Hartnett, Lucy Liu, Morgan Freeman, Ben Kingsley, Bruce Willis, Stanley Tucci; Film auf imdb)

 
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