"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
27. März 2004
Sex auf Staatskosten

von baumgarf | 02:47

Was für Folgen eine so kleine Meldung doch haben kann... Wir erinnern uns, dass vor ein oder zwei Wochen ein Sozialhilfeempfänger vor dem Bundesverfassungsgericht in Leipzig sein Recht auf monatliche Bordellbesuche einklagen wollte, soll heißen, dass der Staat für die Zeche aufkommen soll, da seine Frau, eine Thailänderin, keine Einreiseerlaubnis nach Deutschland erhalte. Er häbe ja schließlich ein Anrecht auf geregelten Abbau seines Samenstaus. Logischerweise wurde die Klage abgewiesen; ob mit der Begründung, Gott häbe ihm zwei gesunde Hände gegeben (und das ist mehr, als manch anderer vorweisen kann), das müsse genügen, ist ungewiss.

Aber gehen wir doch spaßeshalber einmal davon aus, die Klage hätte Erfolg gehabt, und der Sozialhilfeempfänger hätte einen flotten Dreier mit Vater Staat geschoben, was hätte dies für Folgen nach sich gezogen? Zunächst einmal wäre festgestellt worden, da es ja Gegenstand der Klage war, dass er ein Anrecht auf Sex, ja sogar das dringende Bedürfnis hat (sonst wäre er ja deshalb nicht vor Gericht gezogen), Sex zu haben. Aber was macht ihn denn so einzigartig? Vor dem Gesetz sind doch alle gleich (heißt es). Daraus schließt sich, dass jeder Mensch ein Anrecht auf Sex, ja sogar die Pflicht dazu hat (denn wenn das Bedürfnis gestillt wird, sinkt die Anzahl der Vergewaltigungen), und dass der Staat für die Erfüllung sorgen muss (gemäß Gerichtsurteil). Das würde, wir leben ja schließlich in Deutschland, in einem enormen bürokratischen Aufwand resultieren. Zunächst einmal müsste die finanzielle Sicherung der Behörde sowie deren Angestellten gesichert werden, was sich über eine Beischlaf-Abgabe regeln lassen sollte. Ob diese jetzt einem gewissen Teil der Bruttolöhne entsprechen oder direkt vom Solidaritätszuschlag abgezweigt wird, fällt unter Feinarbeit.

Weiterhin ist die Beschäftigtenfrage zu klären. Deutschland besitzt gegenwärtig rund 82 Millionen Einwohner, die, abzüglich Jugendlicher und Kinder (ein Mindestalter zur Inanspruchnahme dieser staatlichen Dienstleistung müsste noch gesetzlich geregelt werden), alle mit Sex versorgt werden müssen. Nun sind natürlich nicht alle Deutschen Singles (obwohl die Anzahl eine steigende Tendenz aufweist), viele sind auch verheiratet, d.h. sie brauchen dem Staat nicht auf der Tasche zu liegen. Da jedoch die Pflicht zum Geschlechtsakt besteht, fällt bei Ehepartnern die Kontrolle schwer, womit wir auch schon beim nächsten Thema wären: eben der Kontrolle.

Es müssen Kontrolleure angestellt werden, Staatsbedienstete, die dafür Sorge zu tragen haben, dass jeder gesetzlich dazu Verpflichtete den Beischlaf auch vollzieht (sogesehen wird das Schlafzimmer zur Justizvollzugsanstalt). Nach geltendem Recht kann der Kontrolleur nun nicht einfach daneben sitzen und aufpassen, dass alles seinen geregelten Lauf geht, da er sich sonst des Voyeurismus schuldig machen würde. Ergo muss entweder die Rechtslage geändert werden, die Aufpasser bekommen eine Sonderregelung (wobei Missbrauch quasi vorprogrammiert wäre), oder aber es werden, wie schon vor Jahren im Wahlprogramm der APPD verzeichnet, sogenannte Mitfickzentralen eingerichtet. Diese Zentralen, ähnlich einem Stundenhotel, werden von einem Kontrolleur geleitet, der die Zimmerschlüssel zusammen mit Kondomen und sonstigen Utensilien an die Gäste verteilt. Zum Beweis des vollzogenen Geschlechtsaktes muss das Tütchen dann wieder samt Inhalt abgegeben werden und der Beischlafpass bekommt den benötigten Stempel, sollte alles zur Zufriedenheit aller abgelaufen sein. Natürlich bekommt jeder Bürger eine Zentrale und ein Datum zugewiesen, an dem er sich einzufinden hat, ähnlich einem Wahllokal. Auf einem beigefügten Antwortschreiben, auf dem er um Terminverschiebung ersuchen kann, muss angegeben werden, ob der Partner selbst mitgebracht oder ob ein Angestellter der Behörde vor Ort benötigt wird.

Natürlich hat der findige Leser bereits festgestellt, dass mit dieser Sache allgemein ein Problem auftritt: die katholische Kirche wird dieser Sache niemals zustimmen, von wegen Verhütungsmittel, vorehelicher Verkehr etc. Um diese jedoch zu besänftigen, wird gewährleistet, dass jedes zehnte Kondom perforiert wird und es sich bei jeder zehnten Anti-Baby-Pille um ein Placebo handelt. Außerdem wird die Kirchensteuer um ein bis zwei Prozentpunkte angehoben.

Ein letztes Problem besteht noch in punkto Haftbarkeit. Es gibt Menschen, nach denen sich, vorsichtig ausgedrückt, niemand mehr ein zweites Mal umdrehen würde, für kein Geld der Welt. Jedoch müssen auch solche Personen ihre Pflicht dem Staat gegenüber erfüllen. Wer also kommt für die psychischen Schäden und die daraus resultierenden Arzt- und Psychiaterkosten auf? Das Dumme ist nur, dass hierfür ein Maß für Hässlichkeit, bzw. besser gesagt, Erträglichkeit, gefunden werden muss. Bis zu welchem Grad ist ein Mensch ertragbar? Ab wann zahlt der Staat die Arztrechnung, den Schadensersatz, die Kosten der Beerdigung, wenn überhaupt? Aber Unerträglichkeit ist nunmal eine subjektive Sache und als solche nicht messbar, und über Geschmack lässt sich eben nicht streiten. Vermutlich werden die dementsprechend Geschädigten in den Listen als Kollateralschaden geführt. Vielleicht muss man aber auch nur ein Attest vorlegen, dass einem die Befreiung vom Beischlaf beschert, wegen seelischer Grausamkeit. Und wo wir gerade bei Ärzten und Attesten sind: selbstverständlich muss sich ein jeder Bundesbürger von einem Arzt im Staatsdienst auf Krankheiten untersuchen lassen. Man will schließlich nicht, dass die Mitfickzentralen zur Brutstätte neuer Seuchen werden und Epidemien Vorschub leisten. Sollte im Verlauf einer solchen Untersuchung, die im jährliche Rhythmus erfolgt, beim Mann eine erektile Dysfunktion festgestellt werden, sprich: Impotenz, bedeutet dies nicht die Entbindung von der Bürgerpflicht. Der Staat kommt gerne für die Kosten der Vakuumpumpe auf, die dem Mann seine Standfestigkeit wieder verleiht.

Aber natürlich würde auch der Staat selbst von diesem Gesetz profitieren, ein Punkt, der nicht vergessen werden darf. Durch die Maßnahmen zur Besänftigung der katholischen Kirche wird Deutschland endlich einmal wieder einen Anstieg der Geburten verzeichnen können. Zudem werden die Rentenkassen entlastet, da einige Rentner mit Sicherheit in Ausübung ihres Dienstes für den Staat einem Herzanfall erliegen werden. Ob nun das eingesparte Geld den übrigen Rentnern zugute kommt oder in das Bildungssystem (schließlich werden durch die gestiegene Geburtenrate auch mehr Lehrkräfte benötigt) gesteckt wird, ist Ansichtssache. Und, wie oben bereits erwähnt, würde die Kriminalitätsrate drastisch sinken, da Vergewaltigungen (bis auf ein paar notorische Unverbesserliche, die auf ihr Gewohnheitsrecht pochen) der Vergangenheit angehören dürften.

Tja, wenn manche wüssten, welch weitreichende Folgen eine Klage haben könnte, wären unsere Gerichte nicht derart überlastet.