"Ich hatte einmal eine Familie, ich hatte einmal ein Leben. Jetzt habe ich nur noch einen Auftrag."
Im 25. Jahrhundert ist die Menschheit fast vollständig vernichtet, nur eine Handvoll tummeln sich noch in der letzten Bastion namens Bregna, die die Natur erfolgreich zurückhält. Das Geschlecht der Goodchilds, Wissenschaftler, die einst die Menschheit vor dem tödlichen Virus gerettet hat, herrscht über die Stadt. Doch es gibt Unruhen, immer mehr Menschen verschwinden aus unerklärlichen Gründen, andere haben seltsame Träume. Die Widerstandsbewegung der Monican versucht deshalb, das Regime der Goodchilds zu stürzen. Unter ihnen Aeon Flux, das beste Pferd im Stall. Als Regierungstruppen ihre Schwester töten, im Glauben, sie sei ebenfalls im Widerstand, schwört sie tödliche Rache. Als sie die Chance erhält, Goodchild zu töten, zögert sie keine Sekunde und nimmt den Auftrag an. Doch als sie ihm Auge in Auge gegenüber steht, kann sie ihn nicht töten, eine seltsame Erinnerung hält sie zurück. Sie muss erkennen, dass Goodchild nicht das ist, was sie geglaubt hat, dass sie nur benutzt wurde, um ihn auszuschalten. Gemeinsam gehen sie nun gegen den unbekannten Feind vor, um die restliche Menschheit zu retten.
Meines Erachtens gibt es nur drei Gründe, sich "Aeon Flux" anzusehen:
1. Man steht auf entweder leichtbekleidete Frauen oder solche in Lack und Leder mit großem Ausschnitt, insbesondere Charlize Theron.
2. Ein Film braucht nichts Weiteres als Effekte, Effekte, Special Effects, gute Action, Punkt 1 und Effekte. Eine Handlung und ausgefeilte Dialoge sind vernachlässigbar.
3. Man hat schon die Serie anno dunnemal auf MTV gesehen.
4. Der Arzt hat soeben den Hirntod festgestellt. (ok, sind jetzt doch vier Gründe geworden)
Nein, mal im Ernst. Ich habe durchaus nichts gegen Actionfilme. Ich mag es auch gelegentlich, wenn es kracht und rummst, und gute Tricks finde ich auch faszinierend (he, "Herr der Ringe" ist ein wirklich klasse Film). Aber ist es zuviel verlangt, eine ansprechende Handlung (bzw. eine ansprechende Umsetzung, denn die Story von "Aeon Flux" ist so schlecht nicht) und vernünftige Dialoge (ok, Legolas hat am Ende nur noch genervt, aber der war eine Nebenfigur) vorauszusetzen? Denn das hat diese Verfilmung einer MTV-Comicserie einfach nicht zu bieten. Die Dialoge sind einfach nur grottig, und die Schauspieler wirken allesamt so, als wären sie sich bewusst, dass das, was sie gerade abliefern, nicht in den Olymp der Filmgeschichte einziehen wird.
A propos Schauspieler. Man sollte es nicht glauben, aber auf der Leinwand tummeln sich immerhin zwei Oscarpreisträger (demnächst vielleicht sogar doppelte Oscargewinner, immerhin sind Charlize Theron und Frances McDormand dieses Jahr beide für "Kaltes Land" nominiert) und zwei Oscarnominierte (ok, das gehört in Hollywood schon beinahe zum guten Ruf, aber dennoch). Man sollte also annehmen, dass sie ihr Handwerk verstehen. Trotzdem konnte mich keine der Figuren überzeugen, schon gar nicht die Hauptfigur, was den Film eigentlich schon unrettbar verloren macht. Wie soll man bei einem Film mitfiebern, wenn einem die Heroine völlig kalt lässt (bis auf Punkt 1 vielleicht)? Gestört hat mich vor allem die Gleichgültigkeit, die sich die Figuren scheinbar entgegenbringen. Im einen Moment sind Aeon und ihre Kampfgefährtin Sitharta noch die besten Freunde, im nächsten Moment hält Letztere Ersterer eine Waffe unter die Nase, weil diese Goodchild helfen will. Dummerweise ändern sich Mimik und Körpersprache kein bisschen. Als Zuschauer muss man sich da fragen, ob die sich auf der Leinwand gerade gegenseitig verarschen oder ob sie es ernst meinen. Sehr ärgerlich.
Außerdem sind die Figuren, sofern sie, natürlich, auf der Seite des Guten stehen, unverwundbar. Das ist man zwar schon gewöhnt (wir alle haben schließlich "Stirb langsam" gesehen), aber hier ist es schon beinahe unverfroren. Im einen Moment wird Goodchild noch von einer Gewehrsalve in den Rücken zu Boden gemäht, mit schmerzverzerrtem Gesicht sackt er in sich zusammen, im nächsten Moment tänzelt er wieder unbeschwert über die Leinwand. Wieviel Zeit ist zwischen den beiden Szenen vergangen, ein halbes Jahr? Ja, ich weiß, dass das hier ein Comic ist, ein Popcorn-Film, normalerweise bin ich unkaputtbare Helden auch gewöhnt (ich wiederhole mich), aber das hier schlägt dem Fass einfach den Boden aus. Auf mich hat das gewirkt, wie wenn er nur für die Dramatik der Szene kurz niedergemetzelt werden sollte, quasi um einen Standpunkt zu unterstreichen. Danach kann er dann wieder lockerflockig über die Wiese schreiten. DAS! kotzt mich an.
Vielleicht ärgert mich der Film aber einfach nur deswegen, weil so viel Potential verschenkt wurde. Die Prämisse ist wirklich nicht schlecht, wenn auch nicht unbedingt neu. Die letzten Überlebenden nach einer globalen Katastrophe, ein Wissenschaftler, der es auf sich genommen hat, die Menschheit vor Schaden zu bewahren, die Ursache der seltsamen Träume der Menschen herauszufinden. Der obligatorische Putschversuch, die Widerstandsbewegung, Irrungen und Wirrungen, wer denn nun zu den Guten und zu den Bösen gehört. Aber das Endprodukt lässt nunmal einen schalen Geschmack zurück, von der Auflösung der Träume ganz zu schweigen. Und wer hinter dem Putschversuch steckt, wird auch schon in der ersten halben Stunde aufgedeckt. Ein Whodunnit hätte der Spannung allgemein gut getan. An den Kinokassen sollten Holzstücke ausgegeben werden, die man sich in den Mund stecken kann, damit man sich nicht auf die Zunge beißt. Aber die Effekte sind wirklich gut gelungen, die technische Seite der Zukunft ist sehr spannend (bis auf die Auflösung, wohlgemerkt).
Wer sich damit also zufrieden geben kann, einen Actionfilm mit netten Effekten und Tricks ohne viel Grips zu sehen, der ist mit "Aeon Flux" bestens bedient. Wer aber seinen Kopf im Kino nicht nur dazu hat, die Augäpfel zu tragen, damit man mit den Händen Popcorn schaufeln und Cola trinken kann, sollte sich zweimal überlegen, sein sauer Erspartes auszugeben. Außer natürlich, man hegt nostalgische Gefühle hinsichtlich der Serie von 1995 und möchte diese noch einmal aufleben lassen. Ich wage aber zu bezweifeln, dass dies gelingt. Einer gezeichneten Figur nimmt man nunmal mehr ab als einer Person aus Fleisch und Blut.
(USA 2005, 93 min., FSK 12; R: Karyn Kusama; D: Charlize Theron, Marton Csokas, Johnny Lee Miller, Sophie Okonedo, Frances McDormand, Pete Postlethwaite; Film auf imdb)







