"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
16. Dezember 2005
A History of Violence

von baumgarf | 15:11 | kommentieren | kommentare (1)

"You should ask Tom... why is he so good at killing people?"

Poster: A History of ViolenceEs ist die typische Kleinstadt im Mittleren Westen, in der Tom Stall seiner Arbeit in seinem kleinen Café nachgeht. Zusammen mit seiner Frau Edie und seinen zwei Kindern Jack und Sarah lebt er ein ausgesprochen ereignisarmes Leben. Bis eines Tages zwei düstere Gestalten den Laden betreten, die sich schnell als eiskalte und erbarmungslose Serienkiller entpuppen. Bevor den letzten Gästen des Tages jedoch Schlimmeres widerfährt, gelingt es Tom, die beiden Killer zu überwältigen und zu erschießen. Sein ehemals beschauliches Leben, und das seiner Familie, gerät daraufhin gehörig aus den Fugen. Denn plötzlich tauchen weitere Fremde in der Stadt auf, die behaupten, ihn von früher zu kennen - und noch eine Rechung mit ihm offen zu haben.

Man sollte sich von vorneherein klar machen, was für einen Film man sich ansehen will (wobei der Filmtitel schon einen guten Hinweis darauf liefert), damit man nicht am Ende mit vor den Augen zusammengeschlagenen Händen im Kino sitzt. Denn David Cronenberg ist bei weitem nicht dafür bekannt, friedvolle Filme auf die Leinwand zu zaubern. "A History of Violence" bildet da auch keine Ausnahme und hat sich seine FSK-18-Wertung redlich verdient. Jedoch darf man nicht erwarten, eine reine Gewaltorgie zu sehen, denn der Film ist viel mehr als nur das. Dennoch sollte man nicht zart besaitet sein, denn wenn Gewalt im Film angewendet wird, dann kommt sie schnell, brutal und in Großaufnahme.

Dabei beginnt der Film relativ harmlos - und sehr gemächlich. Zwar ist der Film mit nur 96 Minuten Laufzeit nicht sehr lang geraten, dennoch muss man zu Beginn einiges an Geduld aufbringen; rückblickend betrachtet jedoch hat dieser lange Prolog seine Berechtigung. Denn damit der Film seine volle Wucht entfalten kann, der weitere Fortgang nachvollziehbar und somit auch schmerzlich für den Zuschauer gerät, müssen diesem die Charaktere zuerst nah gebracht werden. Und natürlich glaubhaft sein. Dass dies gelingt liegt nicht zuletzt auch an den hervorragenden Schauspielern. Insbesondere Viggo Mortensen beweist, dass er nicht nur Aragorn aus "Der Herr der Ringe" überzeugend darstellen kann.

Nachdem jedoch die Figuren gesetzt und bekannt sind, eröffnet der Film, der seinem Namen von nun an Rechnung trägt, ein neues Betätigungsfeld. Dabei bezieht sich der Titel nicht allein auf die Hauptfigur des Films, der alles unternimmt, um Schaden von seiner Familie abzuwenden. Vielmehr erzählt der Film uns auch etwas über uns selbst. Durch geschickte Manipulation zwingt uns David Cronenberg, Stellung zur Gewalt zu beziehen, sie nicht per se abzulehnen, sondern sie am Ende gar zu billigen - auch und gerade im weiteren Verlauf des Films. Damit werden wir konfrontiert mit der Frage, in wie weit Gewalt als legales Mittel einsetzbar sein darf und kann - und auch, wie weit wir selbst Gewalt anwenden würden. Sehr gelungen ist in dieser Hinsicht auch das Plakat des Films, dass nur scheinbar seine Hauptfigur ins Blickzentrum rückt, die Betonung aber klar auf der verschwommen dargestellten Waffe mit dem Finger am Abzug liegt. Gewaltanwendung - ein Grauzone?

"A History of Violence" dürfte, trotz seiner Härte, David Cronenbergs bislang zugänglichster Film sein. Denn im Gegensatz zu z.B. "Crash" oder "eXistenZ" hat er sich einem eher "bodenständigen" Thema verschrieben, das übrigens auf einer Graphic Novel basiert. Dennoch dürfte es der Film schwer haben, ein breites Publikum zu finden. Denn weder ist es ein Actionfilm, bei denen man harte Gewalt mittlerweile gewohnt ist, und für Freunde von Dramen ist der Film schlicht zu brutal. Der Erfolg jedoch wäre ihm zu wünschen.

(USA 2005, 96 min., FSK 18; R: David Cronenberg; D: Viggo Mortensen, Maria Bello, Ed Harris, William Hurt; Film auf imdb)

 
Kommentare

# 1 von SODL | 20.12.2005 | 16:04

Gute Rezesion. :-)
Macht Lust auf den Film.

 
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