"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
23. November 2005
Der Exorzismus von Emily Rose

von baumgarf | 17:52 | kommentieren

"People say that God is dead, but how can they believe that when I show them the Devil?"

Poster: Der Exorzismus von Emily RosePfarrer Moore steht wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Er soll zum Tod der 19jährigen Emily Rose beigetragen haben, an der er im Auftrag der Kirche einen Exorzismus durchgeführt hat. Doch an der dämonischen Bessenheit des Mädchens bestehen Zweifel. Könnte es nicht doch eine epileptische Erkrankung gewesen sein, gepaart mit einer schweren Psychose, die zu Emilys Wahnvorstellungen geführt haben? Ihm zur Seite steht die ehrgeizige Anwältin Erin Bruner, der die Umstände von Emilys Tod anfangs egal sind. Beauftragt von der Diözese soll sie nur für einen Freispruch sorgen, ohne jedoch Pfarrer Moore aussagen zu lassen. Denn dadurch würde das Verhältnis zwischen der Bevölkerung und der Kirche nur unnötig belastet. Ein missglückter Exorzismus trägt nunmal nicht zum Vertrauen in die Kirche bei. Doch je weiter der Prozess voranschreitet und Erin sich mit Emily befasst, desto weniger kann sie sich der Tatsachen und Fakten sicher sein.

Der Film "Der Exorzismus von Emily Rose" basiert auf wahren Begebenheiten, wie dem geneigten Zuschauer gleich zu Beginn mitgeteilt wird. Allerdings liegt dem Film kein amerikanischer, sondern ein Fall aus deutschen Landen zugrunde. Anneliese Michel starb 1976 während eines im Auftrag des Würzburger Bischofs durchgeführten Exorzismus an Unterernährung und Erschöpfung. Die Eltern sowie die beiden exorzierenden Geistlichen wurden daraufhin wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Insofern folgt der vorliegende Film den Fakten. Warum aber Hollywood eine deutsche Geschichte verfilmen musste und nicht die Deutschen selbst, bleibt wohl das Geheimnis der deutschen Filmindustrie. Aber das ist ein anderes Thema.

Genug Stoff also, um eine erklecklichen Film daraus zu basteln, möchte man meinen. Dass der Film dennoch nicht funktioniert liegt mit Sicherheit nicht an der technischen Seite. Die Musikuntermalung verstärkt noch den Eindruck der Exorzismusszenen und erzeugen eine bedrohliche Atmosphäre, die Kamera fängt wunderschöne verstörende Bilder ein und die Special Effects sind auch grundsolide. Die Darsteller spielen ebenfalls sehr gefällig, Ausfallerscheinungen sind nicht auszumachen. Was also ist das Problem?

Wie es auch anders sein könnte, hapert es an der Umsetzung. Die Geschichte der Emily Rose wird in Rückblenden erzählt, die in eine Gerichtsverhandlung eingebettet sind. Und genau das ist das große Manko. Denn jegliche Atmosphäre und Spannung, jedwedes beklemmende Gefühl, das mit den Szenen um Emily Rose aufgebaut wurde, wird im nächsten Moment wieder zunichte gemacht, wenn die Erzählung im Gerichtssaal seinen Fortgang nimmt. Besser wäre es gewesen, die Gerichtsverhandlung völlig außen vor zu lassen, wenn sich der Film dann auch hätte gefallen lassen müssen, als Abklatsch von "Der Exorzist" angesehen zu werden - wobei sich dieser Vorwurf auch so erheben lässt, denn die Ähnlichkeiten sind unübersehbar, wenn das Vorbild von 1973 auch nie erreicht wird. Der Genremix von Horror- und Gerichtsfilm jedenfalls schlägt gänzlich fehl, meiner Meinung nach sind diese zwei Genres schwer vereinbar.

Zudem lässt der Film einige Handlungsstränge im Nichts versanden. So wird beispielsweise die Anwältin zu Beginn des Prozesses ebenfalls von den Dämonen heimgesucht - im weiteren Fortgang spielt dies jedoch keine große Rolle mehr, vielmehr drängt sich der Gedanke auf, dass diese Szene nur als Argument gebraucht wurde, um die Wandlung der Agnostikerin, die sie vorgibt zu sein, zu einer beginnenden Gläubigen zu untermauern.

"Der Exorzismus von Emily Rose" ist vieles halb, aber nichts Ganzes, der auch die Chance verspielt, dem Zuschauer die Wahl zu überlassen, ob nun Emily Rose tatsächlich von Dämonen besessen war oder ob sie "nur" unter Epilepsie litt. Denn schließlich sind auch im wahren Fall von Anneliese Michel die Umstände ihres Todes bis heute nicht abschließend geklärt. Wenn man nun also schon einen Exorzismusfilm sehen möchte, so sollte man vielleicht besser zum Original-"Exorzisten" greifen. Oder man wartet auf den deutschen Film gleichen Themas von Hans-Christian Schmid, der Anfang März 2006 unter dem Titel "Requiem" in den deutschen Kinos aufschlagen wird. Anscheinend ist der deutsche Filmindustrie das Potential der heimischen Geschichten doch noch aufgefallen - wenn auch etwas verspätet.

(USA 2005, OT: The Exorcism of Emily Rose, 119 min., FSK 16; R: Scott Derrickson; D: Laura Linney, Tom Wilkinson, Campbell Scott, Jennifer Carpenter, Colm Feore, Mary Beth Hurt; Film auf imdb)

 
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