"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
31. Oktober 2005
Der Duft von Lavendel

von baumgarf | 18:16 | kommentieren

"I know it's not very Christian of me, but I dislike that woman."

Poster: Der Duft von LavendelDie beiden Schwestern Ursula und Janet leben in einem kleinen Dorf an der Küste Cornwalls, zusammen mit ihrer Haushälterin Dorcas. Ihr Leben verläuft in ruhigen Bahnen, tagsüber kümmern sie sich um ihren kleinen Garten oder spazieren am Strand, des Abends sitzen sie vor dem Radio und stricken Wollsocken. Ihr Leben und das des kleinen Dörfchens wird jedoch aus der Bahn geworfen, als ein junger Mann, Andrea, am Strand angespült wird. Die beiden alten Damen kümmern sich rührend um ihn, der der englischen Sprache nicht mächtig ist, und bald verliebt sich Ursula, trotz des großen Altersunterschiedes, in Andrea. Ihr ist jedoch klar, dass er das Dörfchen eines Tages wieder verlassen wird, um sein eigenens Leben zu führen. Als man entdeckt, dass er ein Geigenvirtuose ist, und die Schwester eines berühmten Konzertviolinisten in der Gegend Urlaub macht, scheint der Tag der Abreise gekommen zu sein.

"Der Duft von Lavendel" ist ein wohltuend ruhiger Film, der hauptsächlich von den Darstellerleistungen lebt. Die Geschichte an sich hat man so oder so ähnlich schon des öfteren gesehen und erfindet das Rad mit Sicherheit nicht neu. Muss es aber auch nicht, da man den Akteuren gerne dabei zusieht, wie sie durch die schönen Landschaftsaufnahmen gleiten, ohne viel Wirbel zu erzeugen. Vor allem die Nebenfiguren sind Originale, wie es sich für einen solchen, im ländlichen Raum angesiedelten, Film wohl gehört. Sei es die behäbige, schnodderschnauzige Haushälterin oder der von der liebe geplagte, eifersüchtige Herr Doktor. Gelegentlich hatte ich den Eindruck, einen Disney-Film zu sehen, denn wie dort gab es auch hier zwei Charaktere, die immer mal wieder ins rechte Bild gerückt wurden - fast wie Sidekicks.

Einige Schwachpunkte müssen aber auch noch angesprochen werden. So bleibt völlig im Dunkeln, woher der junge Mann kommt. Man erfährt zwar, dass er aus Polen stammt, aber ob er auf einem Schiff war, das Schiffbruch erlitten hat, oder ob er vom Himmel gefallen und auf dem Strand aufgeschlagen ist, bleibt dem Erfindungsreichtum des Zuschauers überlassen. Ein weiteres Minus erhält der Film für Inkonsequenz. Der Film spielt irgendwann zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg. Nachdem sich Andrea und die Russin Olga angeregt unterhalten, wird vermutet, dass es sich bei beiden um Spione handelt. Aber genauso schnell, wie der Verdacht erwähnt wird, so fix wird er wieder vom Tisch gewischt, als wäre nichts gewesen. Da hätte man mehr daraus machen können. Zusätzlich geht auch noch Reiz dadurch verloren, wenn man den Film auf Deutsch ansieht. Es wird zwar deutlich, dass die Figuren manchmal deutsch sprechen. Aber in der Synchronisation kann man nur erraten, wann genau das der Fall ist. Vor allem in der Szene, in dem Olga und Andrea der Spionage verdächtigt werden, geht der Anlass der Verdächtigung völlig verloren (im englischen Original sprechen sie Deutsch, was hinreichend Verdacht genug ist, zumindest für den eifersüchtigen Herrn Doktor).

Kann man über diese kleine Negativliste hinwegsehen, bleibt unterm Strich ein unaufgeregter Film, der es schafft, trotz der Gefahren, die die Thematik birgt, fast völlig kitschbefreit daherzukommen und dennoch alles bietet, was ein Drama zum Drama macht: Eifersüchteleien zwischen den Schwestern, zwischen Ursula und Olga oder dem Doktor und Andrea, und natürlich fließen Tränen. Zwar gewinnt der Streifen mit Sicherheit keinen Preis für Originalität, aber dennoch weiß er zu unterhalten, nicht zuletzt dank dem Spiel von Judi Dench und Maggie Smith und der Musik, sofern man Klassik gerne hört.

(Großbritannien 2004, OT: Ladies in Lavender, 103 min., FSK o.A.; R: Charles Dance; D: Judi Dench, Maggie Smith, Natasha McElhone, Daniel Brühl, David Warner, Miriam Margolyes; Film auf imdb)

 
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