"Yep."
Joe, Jack, William und Averell Dalton sind unzufrieden. Ihre Gangstervita lässt deutlich zu wünschen übrig, 20 Dollar Kopfgeld sind ein besserer Witz. So sieht das auch Ma Dalton, die deswegen schon von ihren Freundinnen gehänselt und gegretelt wird, und stellt ihre Brut vor die Wahl: entweder wird der Stundenlohn für Kopfgeldjäger erhöht, oder aber sie können in Zukunft mit den Kojoten schlafen. Keine Frage, es muss etwas geschehen. Kurzerhand wird die Bank von Gulch City überfallen - die sicherheitstechnisch gerade auf den neuesten Stand gebracht wurde. Dumm gelaufen für die Daltons, die sich deshalb auf einen längeren Gefängnisaufenthalt einstellen müssen. Dort erfahren sie von ihrem mexikanischen Mithäftling von einem magischen Sombrero, der seinen Träger unverwundbar macht. Also genau das richtige für die vier Brüder, um im Gewerbe endlich groß rauszukommen. Flugs brechen sie aus dem Knast aus und machen sich auf den Weg nach Mexiko. Aber so einfach ist der Sombrero nicht zu beschaffen, hat sein derzeitiger Besitzer doch etwas gegen den Wechsel des solchen. Und Lucky Luke hat am Ende auch noch ein Wörtchen mitzureden.
Wenn Goscinny und Morris sehen könnten, was aus ihrem Comic für ein mieses Machwerk hervorgegangen ist, man könnte sie im Bergbau als Gesteinsbohrer einsetzen, derartig dürften sie in ihren Gräbern rotieren (zumal sich der Film auch noch als Hommage an Goscinny verstanden wissen will, welch Schmach). Die Darsteller lassen jede Erstklässler-Schulaufführung zu oscarverdächtigen Darbietungen mutieren, selbst Til Schweiger, über den man als Schauspieler sonst sagen kann, was man will, ist als Lucky Luke nur ein Schatten seiner selbst (tut mir leid, den Witz konnte ich mir nicht verkneifen). Und das ist nur der erste Eindruck, denn sobald die Darsteller den Mund aufmachen, will man eigentlich nur noch fluchtartig den Saal verlassen, trommelt sich mit vor Entsetzen geweiteten Augen die zu Fäusten geballten Hände an den mit Stoff bezogenen Kinotüren blutig. Wenn dann auch noch Rantanplan mit Knollennase auftaucht und der gelbbemähnte Jolly Jumper zu sprechen beginnt, rollt man sich wimmernd unter dem Kinosessel in der Fötalstellung zusammen und fragt sich, womit man das alles verdient hat. Sicher, man könnte auch einfach den Saal verlassen und sich des Lebens freuen, aber irgendjemand muss sich ja den Dreck ansehen, um anderen davon zu berichten und eines Besseren zu belehren.
Bei all dem hilft es dann auch nicht mehr, dass man offensichtlich bemüht war, die Optik des Films der des Comics anzupassen, Lucky Lukes Hemd ist genau so grellgelb wie man es noch aus seiner Kindheit kennt, die Gefängniskluft der Daltons ist erinnerungstechnisch korrekt gelb-schwarz gestreift. Auch der Soundtrack weiß zu gefallen, die Blues Brothers sind ebenso zu hören wie Auszüge aus dem "Kill Bill"-Soundtrack. Nur "Frühstück bei Tiffany" werde ich mir nie wieder ansehen können, denn bei dem von Audrey Hepburn gesungenen, nein: gehauchten, von Henry Mancini extra für sie geschriebenen, "Moon River" werde ich von nun an immer an diesen Film erinnert, wird es hier doch behandelt wie James Bonds liebstes Getränk.
Falls man also eines schönen Abends nicht weiß, was man tun soll, und sich denkt, man könnte sich doch diesen Film ansehen, sollte man sich dem Drang widersetzen und besser zwei Stunden lang an die Wand starren, davon hat man im Endeffekt mehr. Denn "Die Daltons gegen Lucky Luke" gehört mit einem Etikett wie jene auf den Zigarettenschachteln ausgestattet: "Dieser Film fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu". Vielleicht möchte sich die amerikanerische Regierung ja überlegen, den Film in Guantanamo als Druckmittel einzusetzen.
(Frankreich/Deutschland/Spanien 2004, OT: Les Dalton, 89 min., FSK 6; R: Philippe Haïm; D: Eric Judor, Ramzy Bedia, Til Schweiger, Marthe Villalonga, Javivi, Saïd Serrari, Romain Berger; Film auf imdb)







