"Jedes Ereignis, jeder Zufall, jedes Detail ist Teil deines Schicksals."
Jack ist noch spät abends mit dem Wagen unterwegs. Gut angeheitert, wie die nur noch halbvolle Whiskey-Flasche auf dem Beifahrersitz bezeugt. Gerade noch hat er mit seiner Freundin telefoniert, im nächsten Moment kollidiert sein Wagen mit einem Menschen. Es ist genau 23:14 Uhr. Wie aus dem Nichts ist er aufgetaucht. Was hatte er noch so spät abends hier zu suchen? Und wieso ist an Jacks Wagen nur die Windschutzscheibe beschädigt, nicht jedoch der Kühlergrill? Die Antwort dahinter ist ziemlich verblüffend. Denn um genau 23:14 Uhr verbinden sich die Schicksale mehrerer Menschen miteinander. Nicht zum Besseren, notwendigerweise. Sie sind einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort.
Mit obiger Inhaltsangabe zu "11:14" sollte man vorsichtig sein. Denn der Film lässt sich sehr schwer zusammenfassen. Das liegt jetzt nicht unbedingt daran, dass der Film ein derart grottenschlechtes Drehbuch hat, dass man nicht weiß, was der Film eigentlich sagen wollte, sondern vielmehr daran, dass die Handlung ziemlich verworren und verschachtelt ist, dass man erst am Ende, wenn der Abspann über die Leinwand flimmert, weiß, wie alles miteinander zusammenhängt. Aber das heißt noch lange nicht, dass sich alles in Worte fassen ließe. Oder ich es will, schließlich will ich nichts verraten, jeder soll für sich selbst den Film erschließen.
Zunächst einmal aber sollte man eine gehörige Portion Geduld und Verständnis mitbringen, denn in den ersten zehn, fünfzehn Minuten steht man wie der Ochs vorm Berg: man hat eigentlich keine Ahnung, was da grade vor sich geht. Doch je weiter der Film voranschreitet, desto mehr wird offengelegt, ein Aha-Erlebnis folgt dem anderen, Stück für Stück fügt sich alles zusammen. Und am Schluss erkennt man dann, dass dieser Debütfilm ein teuflisch intelligenter Streifen ist, denn hier werden fünf eigentlich voneinander unabhängige Geschichten gewitzt miteinander verwoben, die ein großes Ganzes ergeben, und zwar, man höre und staune, um 23:14 Uhr. Um jedoch maximalen Spaß am Film zu haben, sollte man durchaus in der Lage sein, dem Geschehen zu folgen und auch mitzudenken. Freunde von "Memento" oder auch "21 Gramm" sind hier genau richtig, wenn es sich bei "11:14" auch, im Gegensatz zu den eben genannten, um eine schwarze Komödie handelt. Liebhaber von Popcornkino sollten sich besser einen anderen Film für den Kinoabend aussuchen.
Zusätzlich zur intelligenten Story bietet der Film auch noch eine erkleckerliche Auswahl gefälliger Darsteller. Die mittlerweile zweifache Oscarpreisträgerin Hilary Swank spielt die zahnbespangte, naive Tankstellenangestellte genauso gut wie der exhumierte Patrick Swayze einen besorgten, leicht übergewichtigen (jaha, nix mehr tanzschlank) Vater. Es wäre ihm zu wünschen, wenn es ihm endlich gelänge, seine Dirty-Dancing-Brandmarke zu überwinden. Irgendwo im Film schwirren dann auch noch Tom Hanks' Spross Colin umher und E.T.'s Freund Henry Thomas (na, wer hätte ihn noch erkannt?), und Rachael Leigh Cook ist auch nicht so brav, wie sie aussieht. Überhaupt gibt es an der Besetzung nichts auszusetzen (ist ja auch schon die halbe Miete), wenn man auch keine tiefgreifenden Charakterstudien erwarten darf. Aber diesen Anspruch hat der Film auch nicht.
Es geschehen noch Zeichen und Wunder. "11:14" lief schon 2003 auf dem Fantasy Filmfest und sollte ursprünglich dann Februar 2004 offiziell im Kino laufen. Doch die Monate gingen ins Land und nichts geschah, die Erkenntnis machte sich breit, den Film irgendwann einmal in der hintersten Ecke eines DVD-Händlers als Import zu entdecken. Anderthalb Jahre später findet er dann wider Erwarten doch noch den Weg auf die Leinwand. Sein Glück, andere Filme wandern direkt auf DVD, zum Teil unverdient. Unser Glück, denn so darf man diese intelligente, in grobkörnigen Bildern erzählte schwarze Komödie mit gefälligem Soundtrack ab 1. September auf der großen Leinwand genießen.
(USA 2003, 95 min., FSK 16; R: Greg Marcks; D: Rachael Leigh Cook, Ben Foster, Clark Gregg, Colin Hanks, Shawn Hatosy, Barbara Hershey, Hilary Swank, Patrick Swayze, Henry Thomas; Film auf imdb)







