"No one would have believed in the early years of the twenty-first century that our world was being watched by intelligences greater than our own. That as men busied themselves about their various concerns, they observed - and studied. With infinite complacency, men went to and fro about the globe, confident of their empire over this world. Yet, across the gulf of space, intellects vast, and cool, and unsympathetic regarded our planet with envious eyes... and slowly, and surely, drew their plans against us."
Ray Ferrier ein Bilderbuchleben zu bescheinigen würde schon sehr an Übertreibung grenzen. Geschieden, arbeitet er als Kranführer im Hafen. Seine Kinder, ein 17jähriger Sohn und eine achtjährige Tochter, sieht er nur an den Wochenenden, und selbst dann ist ihr Verhältnis zueinander bestenfalls als unterkühlt zu bezeichnen. "Dad" sagt hier keines seiner Kinder, "Ray" nur, wenn sie einen guten Tag haben. An einem dieser Wochenenden, als seine Exfrau die Kinder wieder bei ihm abgeliefert hat, um mit ihrem neuen Freund zu ihren Eltern nach Boston zu fahren, zieht ein seltsames Gewitter über der Stadt auf. Plötzlich taucht es aus dem Nichts auf, mehrere Blitzeinschlage, immer an der gleichen Stelle, folgen. Die Vorsicht von der Neugier besiegt finden sich zahlreiche Bewohner aus der Nachbarschaft Rays an der Einschlagstelle wieder. Plötzlich bricht dort der Boden ein, und daraus empor hebt sich eine überlebensgroße, dreibeinige Maschine. Die Invasion der Außerirdischen hat begonnen, die totale Vernichtung der Menschheit steht bevor. Ray kann gerade noch mit seinen Kindern die Flucht ergreifen, bevor die Stadt dem Erdboden gleich gemacht wird. Ihr Ziel: Boston, zu seiner Exfrau. Doch die Chancen, lebend dort anzukommen, schwinden von Minute zu Minute.
Der Filmverleih UIP hat einiges dazu beigetragen, die Erwartungen an "Krieg der Welten", zumindest bei mir, durch einige fragwürdige Entscheidungen zu senken. Nicht nur, dass diejenigen Journalisten, die den Film vorab zu sehen bekamen, unterschreiben mussten, keine Kritiken vor dem offiziellen Filmstart zu veröffentlichen und damit de facto einen Maulkorb angelegt bekamen, was seitens des DJV zu heftigen Unmutsäußerungen geführt hat. Auch die Tatsache, dass Spielberg einigen Soldaten eine Testvorführung des Films ermöglicht hat, die im Anschluss daran dazu ermuntert wurden, sich öffentlich über den Film zu äußern, hat nicht gerade etwas Vertrauenserweckendes an sich. Da ist es auch nur mehr ein pikantes Detail am Rande, dass es genau jene Soldaten waren, die auch im Film selbst zum Einsatz kamen. Und ob die dem Film wohl äußerst kritisch entgegenstehen? Logisch betrachtet können diese Maßnahmen des Verleihs eigentlich nur zwei Gründe haben: Entweder, und das scheint wohl auch die offizielle Sprechart zu sein, wollte man durch den Presse-Maulkorb verhindern, dass einige überraschende Wendungen des Films vorab an die Öffentlichkeit geraten und so der Film jungfräulich betrachtet werden kann - weshalb sich dann die Soldaten äußern durften, sei einmal dahin gestellt. Oder aber der Verleih ist von seinem Produkt selbst nicht überzeugt und versucht so, die drohenden schlechten Kritiken noch eine zeitlang zu verzögern, um noch möglichst viel an den Kinokassen zu verdienen. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass ein Film in den ersten Tagen am meisten Geld einspielt. Und bei einem Film, der vorgibt, der teuerste aller Zeiten zu sein, dürfte da erst recht jeder Cent zählen.
Ist der Film also wirklich so schlecht wie befürchtet? Zuerst muss einmal festgehalten werden, dass von H.G. Wells' Roman nicht mehr viel übrig geblieben ist. Einzig die Grundvoraussetzung (böse Aliens wollen die Erde vernichten), einige Details wie die Gestaltung der riesigen Maschinen und das Ende bleiben dem Buch treu, ansonsten hat sich so ziemlich alles geändert. Aber das ist nicht weiter schlimm, ich habe Bücher schon immer eher als Interpretationsgrundlage betrachtet, wenn sie verfilmt werden, denn ein Film kann einem Buch niemals treu bleiben und werden. Dennoch muss man schon gleich anfangs eine dicke Kröte schlucken. Laut der neuen Version nämlich befinden sich die Riesenmaschinen - anders als im Buch - schon auf der Erde, tief im Boden vergraben. Nur die Aliens selbst werden auf den blauen Planeten geschossen. Und schon stellt sich dem findigen Zuschauer die kritische Frage: Wenn die Maschinen schon seit Millionen von Jahren auf der Erde sind, warum erobern dann die grünen Männchen erst jetzt die Erde, jetzt, da sie von der Menschheit bevölkert ist? Vor Urzeiten wäre das wesentlich einfacher und schneller von Statten gegangen, ganz ohne Menschen. Und außerdem: In der riesigen Anzahl, in der die hochhaushohen Dreibeine am Ende vorhanden sind, kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass sie von der Menschheit unentdeckt geblieben sind.
Wenn man darüber jedoch hinweg sehen kann, eröffnet sich einem ein äußerst spannender und vor allem schonungsloser Film. Hat sich Steven Spielberg in letzter Zeit eher mit seichter Familienunterhaltung hervorgetan, bzw. vormals mit freundlich-friedlichen Außerirdischen wie in "E.T." oder "Die unheimliche Begegnung der dritten Art", so zeigt er hier doch eindrucksvoll, dass er es nicht verlernt hat, die Klaviatur des Schreckens gekonnt zu spielen. Keine Sekunde wird dem Zuschauer etwas Erholung gegönnt, sind die Aliens erst einmal auf der Leinwand, geht es rund. Seltene Momente der Ruhe sind grundsätzlich von einer gewissen Anspannung überschattet, und meistens durchaus zurecht. Strömen tausende Flüchtlinge gerade noch friedlich zu einer Fähre, um sich über einen Fluss setzen zu lassen, so tauchen kurz darauf drei Tripods am Horizont auf und verwandeln die friedliche Masse in einen panischen Mob. Überhaupt die Menschen: Selten zuvor hat man das Verhalten von Menschen bei einer Panik realistischer auf die Leinwand gebannt, die Abgründe der Seele offengelegt. In diesen Szenen wirken die Aliens beinahe harmlos, das Tier Mensch als die höchste Bedrohung seiner selbst.
Um nicht nur die Menschheit allgemein auf der Flucht zu zeigen, hat man in die Geschichte noch eine Familientragödie eingeflochten (bzw. diese schon fast zur Hauptsache erkoren), die so auch nicht, man hat es geahnt, im Buch vorkommt. Tom Cruise spielt den geschiedenen Familienvater, der seine Kinder nur noch am Wochenende zu sehen bekommt und selbst dann nichts mit ihnen anzufangen weiß. Dabei ist schon von Anfang an klar, und hier bleibt sich Spielberg treu, dass am Ende die Familie wieder eine Einheit darstellt. Erstaunlich ist, dass mit diesem Film Tom Cruise seine wohl heldenloseste Rolle haben dürfte. Ihm geht es allein um die Rettung seiner zwei Kinder. Kein überbordetes Heldentum, keine überlebensgroßen Figuren, kein Alienschlachten im Alleingang, wie es z.B. in "Independence Day" der Fall war (nicht mit Tom, zugegeben), mit dem der Film die eine oder andere Parallele aufweist (nicht nur das Aussehen der Aliens). Er ist genau so ängstlich und verzweifelt wie jeder andere auch. Respekt an Tom Cruise, der dies glaubwürdig und nachvollziehbar darstellt. Besonders die kleine Dakota Fanning jedoch, die schon Robert De Niro ("Hide & Seek") oder Denzel Washington ("Man on Fire") an die Wand spielte, kann hier wieder als die achtjährige Tochter von Tom Cruise überzeugen. Der Rest der Besetzung ist so lala, wie nicht anders zu erwarten. Tim Robbins sollte aufpassen, dass er nicht auf Charaktere nahe am Wahnsinn abonniert wird, denn mit der Figur des Ogilvy (die im Roman noch ein Astronom war und nach wenigen Seiten ihr Leben aushauchte) verkörpert er genau dies. Miranda Otto erhöht lediglich die Frauenquote, da sonst diese Last allein auf den Schultern Dakota Fannings geruht hätte.
Natürlich ist "Krieg der Welten" eine im Grunde äußerst schlichte Story. Was Spielberg jedoch auf der Leinwand daraus zaubert, ist atemberaubend. Wieder einmal beweist Industrial Light & Magic, dass sie zu den Besten gehört, wenn es um Special Effects geht. Ich konnte nicht sagen, wo die Tricks anfangen oder aufhören. Der Konflikt Mensch - Alien bzw. teils auch Mensch - Mensch wurde spannend umgesetzt, Langeweile kommt nie auf. Wenn jetzt noch der Anfang nicht so abgrundtief unlogisch wäre und das Ende des Films nicht derart plötzlich käme (gerade noch verfolgt von Aliens, im nächsten Moment schon aus), dass man denken muss, dass Spielberg noch gerne etwas mehr Drehzeit gehabt hätte, dann wäre der Film ein echtes Meisterwerk. So jedoch schrammt er knapp daran vorbei. Sehenswert ist er aber allemal.
(USA 2005, OT: War of the Worlds, 116 min., FSK 12; R: Steven Spielberg; D: Tom Cruise, Dakota Fanning, Justin Chatwin, Tim Robbins, Miranda Otto; Film auf imdb)








