"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
16. Juni 2005
Batman Begins

von baumgarf | 17:26 | kommentieren

"Warum eine Fledermaus, Master Wayne?"
"Weil sie mir Angst macht."

Poster: Batman BeginsViele Jahre sind vergangen, seit Bruce Wayne die Ermordung seiner Eltern mit ansehen musste, doch noch immer fühlt er sich für deren Tod verantwortlich, leidet unter Schuld- und Rachegefühlen. Auf einer Sinnfindungsreise quer durch die Welt lernt er in China den geheimnisvollen Ducard kennen, der sein Mentor wird. Ducard gehört zur Liga der Schatten, die von Ra's Al Ghul angeführt wird. Deren Ziel ist es, der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Ihre Methoden sind dabei aber alles andere als schonungslos, mit Verbrechern wird kurzer Prozess gemacht. Als nach beendigter Ausbildung Bruce Wayne ebenfalls in die Liga aufgenommen werden soll, verweigert er die Gefolgschaft und bricht mit ihr, da nach seinem Verständnis Verbrechern ein fairer Prozess ermöglicht werden muss. Mit dem festen Vorsatz, Korruption und Kriminalität nach seiner Fasson zu bekämpfen, kehrt er nach Gotham City zurück und begegnet als Batman, mit der Unterstützung seines treuen Butlers Alfred, Unterweltboss Carmine Falcon sowie Dr. Jonathan Crane alias Scarecrow, der allerdings nur Mittelsmann eines mysteriösen Hintermanns ist, der Gotham City ins Chaos stürzen will.

In der Welle der Comicverfilmungen, die seit geraumer Zeit über die Kinos hereinbricht (und die wohl noch eine ganze Weile anhalten wird: "Fantastic Four" und "Sin City" folgen im Juli bzw. August, "V for Vendetta" Ende des Jahres, "X-Men 3", "Ghost Rider" und "Captain America" sind in der Mache, und der neue "Superman" und ein weiterer "Spider-Man" stehen uns auch noch ins Haus), war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis man nach dem unrühmlichen Ende der Reihe 1997 das Batman-Franchise wieder exhumiert. "Batman Begins" schimpft sich der Neuanfang, und man hat sich einiges vorgenommen: weg von der unterschwelligen Ironie und den poppig-bunten Bildern. Düster, mit Tiefgang, und überhaupt soll alles besser sein. Um das zu gewährleisten, hat man sich mit Christopher Nolan einen erfolgreichen Jungregisseur an Bord geholt, der bislang jedoch nicht mit Mainstream-Kino aufgefallen ist, sondern mit Independent-Produktionen. Damit aber höchst erfolgreich, wie der Erfolg von "Memento" beweist.

Um es gleich vorneweg zu nehmen: Das Experiment ist geglückt. "Batman Begins" hebt sich wohltuend aus der Masse der Comicverfilmungen ab. Man hat sich bemüht, den Film so realistisch wie möglich zu gestalten, was bei einem Superheldencomic als Grundlage gar nicht so einfach sein dürfte. Geholfen hat sicher die Tatsache, dass Batman selbst über keinerlei Superkräfte verfügt, sondern seine Überlegenheit aus technischem Schnick-Schnack bezieht. Dessen Ursprung wird hier übrigens ebenfalls versucht, realistisch zu klären. Seine Ausrüstung wurde ursprünglich von seiner Firma für das Militär hergestellt, dann allerdings wegen zu hoher Kosten eingemottet. Überhaupt, und hier sei das Mainstream-Publikum gewarnt, besitzt der Film nicht so viele Actionszenen, wie der Trailer vielleicht glauben lassen könnte. Vielmehr nimmt er sich Zeit für seine Charaktere, gibt ihnen Tiefe. Vor allem die Psyche Bruce Waynes wird ergründet, seine Handlungsweisen werden für den Zuschauer nachvollziehbar. Verglichen mit der Laufzeit des Films von beinahe zweieinhalb Stunden kommt der maskierte Rächer relativ kurz zu Wort.

Was jedoch erstens nicht stört und zweitens auch besser so ist. Denn die schwächsten Momente des Films sind, so paradox es auch klingt, diejenigen, in denen die große Fledermaus ihren Auftritt auf der Leinwand hat. Dabei ist mit Christian Bale eine in meinen Augen perfekte Besetzung von Bruce Wayne alias Batman geglückt. Den Playboy und Dandy gibt er so gut wie seit "American Psycho" nicht mehr. Aber sobald er vermummt unterwegs ist, verblasst er förmlich und kann eigentlich nicht mehr überzeugen. Ob es daran liegt, dass die Stimme verfremdet wurde oder die Maske beinahe das gesamte Gesicht verdeckt und keinen Raum mehr für Mimik lässt, mag ich nicht zu beurteilen. Die Tatsache jedoch bleibt bestehen, und die übrige Besetzung muss diese Last zusätzlich auf ihren Schultern tragen. Was ihr mühelos gelingt, da sich das Cast wie das Who is Who Hollywoods liest (nun gut, halb Hollywoods, die andere Hälfte ist demnächst in "Sin City" zu bewundern). Ob Liam Neeson als Mentor Ducard (eine sehr ungewohnte Rolle für ihn *hüstel*), Michael Caine als galanter und scharfzüngiger Butler Alfred, der für einige sehr nette Dialogzeilen sorgt, Gary Oldman als James Gordon (zur Abwechslung mal keine Schurkenrolle für ihn), Morgan Freeman als Batmans "Q" und und und. Schnell lassen sie die halbseidene Darstellung Batmans vergessen. Man kann nur hoffen, dass für die geplanten Fortsetzungen (Christian Bale und Michael Caine haben wohl schon für zwei weitere Filme unterschrieben) noch etwas daran gefeilt wird.

"Es kommt nicht auf das Innere an. Es ist das Äußere, das zählt." lässt Christopher Nolan seine Figuren das eine oder andere Mal äußern. Zum Glück hält sich der Film selbst nicht daran, bietet keine Aneinanderreihung von Actionszenen, die mit der billigen Entschuldigung einer hahnebüchenen Story zusammengekittet wurden, sondern ein für das Genre weniger actionreichen Streifen als man erwarten würde. Vielmehr handelt es sich um ein Psychogramm Bruce Waynes, sein Werdegang von der Waise (und noch etwas davor) hin zum maskierten Rächer, und wie er droht, sich selbst in seinem selbst geschaffenen Symbol zu verlieren. Ausgestattet mit tollen, düsteren Bildern, einem Gotham City, das Metropolis aller Ehre gereicht und einer klasse Besetzung ist "Batman Begins" höchst empfehlenswert, auch für solche Zeitgenossen, die mit Comicverfilmungen bislang so ihre Probleme hatten (ihr guckt doch auch James-Bond-Filme, oder?).

(USA 2005, 140 min., FSK 12; R: Christopher Nolan; D: Christian Bale, Michael Caine, Liam Neeson, Gary Oldman, Katie Holmes, Morgan Freeman, Rutger Hauer, Tom Wilkinson, Cillian Murphy, Ken Watanabe, Linus Roache; Film auf imdb)

 
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