"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
19. Mai 2005
Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith

von baumgarf | 20:03

"Erhebt euch, Lord Vader."

Poster: Star Wars: Episode IIIDer Krieg zwischen der Republik und den Separatisten ist in vollem Gange. Die Ansichten Kanzler Palpatines und des Jedi-Rates, wie der Konflikt am besten zu lösen wäre, driften immer weiter auseinander, offenes Misstrauen herrscht vor. Anakin Skywalker, Diener zweier Herren, ist zwischen beiden Parteien hin- und hergerissen. Als er auch noch Visionen vom nahenden Tod der schwangeren Padmé hat, gibt er sich völlig verzweifelt den Versuchungen und Machtverheißungen der dunklen Seite der Macht hin und wird der Schüler des Sith-Lords Darth Sidious. Als Darth Vader treibt er von nun an die völlige Vernichtung der Jedi-Ritter voran. Einzig Yoda und Obi-Wan Kenobi wären jetzt noch in der Lage, ihn aufhalten.

Nun ist es also vollbracht, der Kreis schließt sich. Zumindest wird so allen Orten "Star Wars: Episode III - Die Rache der Sith" groß und noch größer angekündigt. Dementsprechend hoch waren die Erwartungshaltungen an den Film, nicht zuletzt auch deshalb, weil George Lucas selbst die Erwartungen durch seine mit Superlativen gespickten Aussagen ("Titanic im Weltall") nochmals ins Unendliche schraubte. Zumindest bei denjenigen Fans, die ihm nach der mauen Episode I und der Seifenoper-trifft-Weltraum-Action Episode II noch nicht den Rücken gekehrt haben. Das Ergebnis ist besser, als Episode I und II hätten vermuten lassen, jedoch richtig überzeugen kann auch Episode III nicht. Aber der Reihe nach.

Nach der obligatorischen gelbschriftlichen, in der Unendlichkeit verschwindenden Zusammenfassung über die Geschehnisse zwischen diesem und dem letzten Film wird der Zuschauer erst einmal in den Kinosessel gedrückt. Ich hatte das Glück, den Film in der in den Kinos neuen Technik der Digitalprojektion erleben zu dürfen, und das Bild auf der Leinwand haut einen um. Eine derartige Schärfe hat man noch nicht erlebt, da kann der Filmvorführer mit seinem alten Projektor noch so sehr und lange regulieren wollen. Keine Brandlöcher, keine Staubkörner, nichts. Man möchte es beinahe steril nennen. Ich wette schon jetzt, sobald sich die Digitalprojektion durchgesetzt hat, wird es in punkto Filmgenuss ähnlich laufen wie schon heutzutage der Streit zwischen den Anhängern von CDs bzw. Vinylplatten. Aber zurück zum Film. Ein großes Raumschiff schwebt ins Blickfeld, und plötzlich tauchen zwei kleine Jäger auf, die das Schiff umkreisen und damit einen Blick auf eine riesige Raumschlacht freigeben. Dann umkreisen sie das Schiff weiter...und weiter...und weiter...und weiter...und irgendwann denkt man: "Wir haben's begriffen, eure Tricks sind toll, macht doch bitte weiter!" Und die Schiffe drehen sich und fliegen noch ein bisschen auf einen anderen großen Raumkreuzer zu, werden von ein paar anderen Jägern eingeholt, es wird etwas geschossen, und dann drehen sie sich noch ein bisschen, dass sich der Zuschauer alsbald auch dreht.

Genau das ist ein großes Manko dieses Films: er ist viel zu verliebt in seine Tricktechnik. Wenn auf der Leinwand die Post abgeht, sei es in Raumkämpfen oder bei Laserschwertduellen, dann ist das zwar überzeugend und macht Spaß anzusehen. Nur leider geraten einige dieser Szenen um einiges zu lang. Nach meinem Empfinden wäre es ohne weiteres möglich gewesen, den Film um mindestens zehn Minuten zu kürzen, ohne dass man anschließend etwas Maßgebliches vermissen würde. Gerade in der ersten halben Stunde ertappt man sich unwillkürlich dabei, wie man den Knopf zum Vorspulen an der Lehne des Kinosessels sucht. Wäre es nicht für ein paar nette Einlagen R2D2s gewesen, der Film wäre schon hier verloren gewesen. Aber da kannte man ja noch nicht die ruhigen zwischenmenschlichen Stellen des Films. Gerade an diesen wird erst deutlich, dass George Lucas zwar eine begnadete Kreativität und Vorstellungsgabe besitzt, aber leider erstrecken sich diese Fähigkeiten nicht aufs Drehbuch schreiben. Die Dialoge sind teils derart hölzern und hohl, dass es in den Ohren schmerzt ("Ich liebe dich." - "Aber ich liebe dich mehr."). Zum Glück sind sämtliche dieser Gehörgangkrebs verursachenden Gespräche samt und sonders in der ersten Hälfte des Film angesiedelt, so dass der zweite Part uneingeschränkt als das genossen werden kann, was er ist: Krieg der Sterne in seiner reinsten Form.

Auch in dieser Hälfte gibt es zwar einige Unstimmigkeiten, wie z.B. General Grievous, von dem mir noch immer nicht bewusst ist, was eigentlich seine Aufgabe war (außer das er ein schönes Laserschwer-Duell mit Obi-Wan ermöglichte), aber im großen Ganzen schafft George Lucas dann doch den Spagat zwischen neuer und alter Trilogie. Mit dem Imperator taucht ein alter Bekannter auf der Leinwand auf und lässt den Zuschauer spüren, wie schmerzlich doch ein charismatischer und langlebiger Bösewicht bislang vermisst wurde. Darth Maul aus Episode I wäre hierfür zwar prädestiniert gewesen, allerdings wurde er auch schon im gleichen Film in die ewigen Jagdgründe geschickt. Optisch nähert man sich nun ebenfalls der alten Trilogie an, spartanische Raumschiffe mit großen weißen Wänden und vereinzelten Lichtpanelen, und gegen Ende erblickt man dann auch die liebgewonnenen grau-schwarzen Uniformen der imperialen Raumschiffbesatzung mit den lustigen rot-blauen Rangabzeichen. Und John Williams darf endlich wieder die alten Noten aus der Schublade kramen. Wirklich großes Kino schreibt der Film aber dann mit der fast völligen Vernichtung der Jedi-Ritter. Selten wurde derart schonungslos des Zuschauers liebstes Kind von der Leinwand gefegt.

Im Endeffekt versöhnt Episode III mit dem aus den Fugen geratenen Star-Wars-Universum. Noch offene Fragen werden aufgeklärt, das lang erwartete Duell zwischen Anakin und Obi-Wan schafft den Sprung auf die Leinwand, endlich sind auch wieder Wookies dabei (wenn auch diesen Szenen ein Hauch der Beliebigkeit anhaftet) und, was am wichtigsten ist, er verströmt endlich wieder das liebgewonnene Star-Wars-Flair. Das es allerdings nicht zum ganz großen Wurf gereicht hat, liegt nicht zuletzt an der ersten halben Stunde des Films, die sich aus genannten Gründen dahinzieht wie Kaugummi und sich noch kurzerhand ziemlich motivationslos Count Dookus entledigt, so als sei einem erst in letzter Minute noch eingefallen, dass er in der alten Trilogie ja gar nicht mehr mitspielt. Die Betonung des Films liegt ganz klar auf Anakin Skywalker und seinem Werdegang zu Darth Vader. Andere Rollen geraten da nurmehr zur Staffage, Natalie Portman als Padmé hat im Film eigentlich nichts weiter zu tun, als schwanger zu sein und damit den logischen Schluss zu Episode IV zu liefern. Kann man darüber jedoch hinweg sehen, erwartet einen ein unterhaltsamer und, wie angekündigt, düsterer Fantasy-Streifen. Es bleiben ja noch knappe zwei Stunden Film, die man genießen kann.

(USA 2005, OT: Star Wars: Episode III - Revenge of the Sith, 139 min., FSK 12; R: George Lucas; D: Ewan McGregor, Hayden Christensen, Natalie Portman, Ian McDiarmid, Samuel L. Jackson, Jimmy Smits, Christopher Lee, Anthony Daniels, Peter Mayhew; Film auf imdb)