"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
11. April 2005
Be Cool

von baumgarf | 03:14

"Du willst wirklich mit ihm reden?"
"Keine Angst, nur das Nötigste. Wenn überhaupt."

Poster: Be CoolChili Palmer hat sich in Hollywood zu einem angesagten und respektierten Filmproduzenten gemausert, der einige große Hits landen konnte. Allerdings hat er von Filmen inzwischen die Nase voll, er braucht eine neue Herausforderung. Als ein befreundeter Plattenproduzent vor seinen Augen von der Russenmafia erschossen wird, beschließt er, der trauernden Wittwe beizustehen und in die Musikindustrie einzusteigen. Als erstes Projekt will er die angehende Sängerin Linda Moon groß rausbringen. Doch die ist noch in einem Knebelvertrag gefangen. Um sie aus diesem rauszuhauen, muss Chili noch viel Überzeugungskraft aufwenden. Und nebenbei muss er sich ja auch noch um die Russenmafia und um rivalisierende Gangster-Rapper kümmern.

Wenn man ein Blatt Papier kopiert, kann auf der Kopie zwar das Original noch erkannt werden, aber man merkt eben doch, dass es sich um eine Kopie handelt. Hier ein kleiner Schmutzfleck, da ein Schatten, und überhaupt hat der Toner schon etwas nachgelassen. Genauso verhält es sich mit "Be Cool": An und für sich ist es kein schlechter Film, aber man erkennt eben noch darunter "Schnappt Shorty", auf dessen Stärke und Wirkung man sich zu sehr verlassen hat. Zu vieles an "Be Cool" erinnert daran, ohne je die Qualität des originellen und beschwingten ersten Teils zu erreichen. Er ist eine auf 120 Minuten Zelluloid gestreckte, zähe Masse, die es schmerzlich versäumt, genug Eigenständigkeit zu präsentieren, um zwei Stunden lang den Zuschauer fesseln zu können. Es wirkt wie der hollywoodsche Treppenwitz, dass sich Chili Palmer alias John Travolta im Film auch noch über schlechte Sequels auslässt.

Das alles wäre ja nicht weiter schlimm, wenn der Film dennoch unterhalten könnte. Und das kann er auch streckenweise – sofern man eben nicht den ersten Teil gesehen hat. Denn außer, dass das Filmbusiness durch die Musikindustrie ausgetauscht wurde, hat sich in punkto Handlung nicht viel getan. Chili Palmer ist (wieder einmal) neu in der Branche, durch allerlei Tricks und "Sehen Sie/Sieh mich an!" verschafft er sich jedoch schnell Respekt und Erfolg. Die Anzahl der unterzubutternden Gruppierungen wurde natürlich ebenfalls erhöht, denn es gilt die Regel je mehr desto besser (ich bin gespannt auf Teil sechs, ob der Trend anhält). Einige Schmunzler sind diesen gewiss, aber für den großen Brüller reicht es eben nicht. Was dem Film ebenfalls abgeht, ist, dass aus dem ersten Teil nur noch John Travolta übriggeblieben ist (Danny DeVito hat nurmehr einen kleinen Auftritt), die übrigen Figuren sind sang- und klanglos verschwunden. Kein Wort wird über sie verloren. Gäbe es nicht den einen oder anderen seltenen Hinweis, könnte man beinahe meinen, den ersten Teil hätte es nie gegeben.

So muss dann gezwungenermaßen Uma Thurman als eine Mischung aus den Rollen von Gene Hackman und Rene Russo aus "Schnappt Shorty" herhalten (hatte ich schon erwähnt, dass der Film das Rad nicht neu erfindet?). Viel zu tun hat sie sowieso nicht im Film, außer gut auszusehen und eine überaus überflüssige Tanzszene mit John Travolta aufs Parkett zu legen, die vermutlich als Homage an ihren gemeinsamen Auftritt in "Pulp Fiction" gedacht war, durch ihre Uninspiriertheit und Langatmigkeit jedoch eher als Beleidigung daran rüberkommt. Ansonsten sind die Darsteller auch nichts weiter als schmückendes Beiwerk für die große Chili-Palmer-Show. Christina Milian als aufsteigendes Popsternchen spielt so gefällig, wie sie aussieht. Vince Vaughn als überdrehter Plattenproduzent hätte ich schon nach fünf Minuten am liebsten den Schädel eingeschlagen, so dermaßen nervig hab' ich ihn empfunden. Das restliche Ensemble gibt das übliche Mittelmaß, nicht mehr, nicht weniger. Einzig The Rock als schwuler Bodyguard mit Afrofrisur konnte gefallen, und sei es auch nur, weil er versucht hat, gegen sein Image anzuspielen.

Was bleibt noch zu sagen? Viele große Namen und ein gelungener erster Teil sind noch kein Garant für ein gutes Sequel. Dafür wirkt alles zu bemüht und wenig neu, zu sehr verlässt man sich auf den knapp zehn Jahre alten ersten Teil als Zugpferd. Womit einmal mehr bewiesen wäre, dass die Kreativität in Hollywood langsam aber sicher den Bach runter geht (Ausnahmen bestätigen die Regel). Falls man "Schnappt Shorty" jedoch noch nicht gesehen haben sollte (und nur dann), kann der Film durchaus unterhaltsam sein und zu gefallen wissen.

(USA 2005, 120 min., FSK 12; R: F. Gary Gray; D: John Travolta, Uma Thurman, Christina Milian, Vince Vaughn, Cedric the Entertainer, André Benjamin, Harvey Keitel, The Rock, Steven Tyler, Robert Pastorelli, Paul Adelstein, Danny DeVito, James Woods; Film auf imdb)