"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
31. März 2005
The Ring 2

von baumgarf | 19:32

"Ich will heim zu meiner Mami."

Poster: The Ring 2Sechs Monate sind seit den schrecklichen Geschehnissen in Seattle vergangen. Um die Erinnerung daran hinter sich zu lassen, sind Rachel und ihr Sohn Aidan in die Kleinstadt Astoria im Staat Oregon gezogen, um dort einen Neuanfang zu wagen. Zunächst scheint alles wieder in geregelten Bahnen zu laufen, doch dann erfährt Rachel, dank ihrer neuen Anstellung bei der lokalen Presse, von einem mysteriösen Todesfall. Schnell stellt sich heraus, dass abermals das gefürchtete Videoband mit im Spiel ist. Samara Morgan ist wieder zurück, doch dieses Mal geht sie noch einen Schritt weiter: Sie will wieder leben. Sie will eine liebende Mutter. Und dazu bemächtigt sie sich Rachels Sohn.

Wie Anfang März bereits angedroht, folgt nun mit "The Ring 2" der nächste Teilnehmer der aktuellen Horrorwelle aus Amerika. Dieses Mal jedoch liegt kein Remake eines asiatischen Vorbildes vor, vielmehr hat man sich dazu entschlossen, einen eigenen Entwurf zu verfilmen, der nur noch lose auf der bekannten Ring-Reihe basiert. Um jedoch kein allzu großes Risiko dabei einzugehen, hat man kurzerhand Hideo Nakata als Regisseur verpflichtet, der schon für zwei der Original-Filme verantwortlich zeigte (und noch einige andere Horrorfilme, darunter auch "Dark Water", dessen Remake uns ja auch noch ins Haus steht). Dennoch blieb ein Restrisiko: Würde es die Fortsetzung schaffen, dem Stil und der Atmosphäre des Vorgängers und des subtilen Asienhorrors allgemein gerecht zu werden, oder würde man einen weitere Folge der zuletzt so müden Horrorfilmchen ("Boogeyman", "Exorzist - Der Anfang") schreiben?

Nun, es kann Entwarnung gegeben werden. Zwar hat man sich merklich bei anderen Genregrößen bedient, z.B. bei "Der Exorzist" oder "Poltergeist" (letzterer wird vor allem in der Badezimmer-Szene deutlich), und natürlich beim Vorgänger, aber das Gesamtkunstwerk ist stimmig. Wiederum wird man für knappe zwei Stunden an den Kinosessel gefesselt, wenn dieses Mal auch Samaras Geist nicht ganz so viel Spannung erzeugt wie in Teil 1. Denn dadurch, dass sie sich selbst an Aidan gebunden hat, bleibt ihr Einflussbereich örtlich begrenzt, während sie im Vorläufer de facto überall auftauchen konnte. Um diesen Verlust zu kompensieren, wurde eine weitere Ebene des Horrors eingebaut, die des alltäglichen, irdischen Schreckens. So wird Rachel, wegen ihres für Außenstehende seltsamen Verhaltens und Samaras Malen auf Aidans Rücken, des Kindesmissbrauchs bezichtigt, sie wird von ihrem Sohn getrennt, bekommt den Abscheu ihrer Mitmenschen deutlich zu spüren. Dabei ist seine Rettung ihr einziges Ansinnen. Aber wie will man den Kritikern erklären, dass der Sohn vom Geist eines kleinen Mädchens besessen ist, dass sich nichts sehnlicher wünscht, als wieder zu leben und eine liebevolle Mutter zu haben?

Dennoch bleibt nach Ansehen des Films ein leicht schaler Nachgeschmack. Keine Frage, "The Ring 2" ist ein guter Film, handwerklich gut gemacht und spannend (vor allem die Brunnenszene am Ende des Films), auch wenn die Gesichter der vor Angst Gestorbenen einen Tick zu lange gezeigt werden und so den Schrecken nehmen – die kurzen Bilder und Andeutungen des ersten Teils waren da sehr viel effektiver. Aber während einige Fragen des ersten Teils beantwortet werden (z.B. bezüglich Samaras Herkunft), werden weitere Fragen aufgeworfen, die teils den Geschehnissen im ersten Teil widersprechen: Wieso reicht es nicht mehr aus, nur noch eine Kopie des Videobands zu machen (wie bei Aidan Ende des ersten Teils), um den Fluch abzuwenden, sondern auch noch bis Ablauf der Frist jemand gefunden werden muss, der sich das Band ansieht? Wieso hat Samara keine Macht über Aidan, wenn er schläft, und wieso kann er dann im Schlaf mit Rachel kommunizieren? Wieso überhaupt hat Samara keinen Einfluss auf Schlafende? Keinen Einfluss mehr, müsste man sagen, immerhin hat sie in Teil 1 eindrucksvoll bewiesen, dass sie dazu durchaus in der Lage ist. Und wieso kann sie, bzw. das Böse in ihr, mit Wasser vertrieben werden? Hätte es dann nicht schon ausreichen müssen, dass sie von Anna Morgan weilands in den Brunnen gestoßen wurde, in dem sie dann auch gestorben ist?

Dem Sehvergnügen von "The Ring 2" tut das allerdings keinen Abbruch. Im Kino sind mir diese kleinen Unstimmigkeiten nicht weiter aufgefallen, erst in der Rekapitulation des Gesehenen einige (viele) Stunden später. Und selbst dann würde ich den Film noch als gelungen und sehenswert beschreiben (und mache es auch). Vor allem hat das Sequel etwas geschafft, was nicht selbstverständlich ist: Einen nahtlosen Übergang zwischen beiden Teilen, ohne große Brüche in Handlung, Stimmung und Atmosphäre. Und das ist doch auch ein Lob wert.

(USA 2005, OT: The Ring Two, 111 min., FSK 16; R: Hideo Nakata; D: Naomi Watts, David Dorfman, Simon Baker, Elizabeth Perkins, Gary Cole, Sissy Spacek, Daveigh Chase, Kelly Stables; Film auf imdb)