"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
15. März 2005
Boogeyman - Der schwarze Mann

von baumgarf | 02:35

"Wenn du Angst hast, zähle bis fünf."
"Und was ist bei sechs?"

Poster: BoogeymanIm Alter von acht Jahren musste Tim mit ansehen, wie der Boogeyman seinen Vater holte, wie er ihn in den Wandschrank zog und dort mit ihm verschwand. Fünfzehn psychiaterbetreute Jahre später wird er noch immer von den Erinnerungen geplagt, hat Angst, in dunkle Räume zu gehen. Er selbst lebt inzwischen in einer hell erleuchteten Wohnung ohne Wandschränke, die Türen seiner Kücheneinrichtung hat er abgeschraubt, selbst der Kühlschrank ist dauerbeleuchtet und besitzt eine Glasfront. Doch als seine Mutter stirbt, wird er noch einmal mit der Vergangenheit konfrontiert. Er muss zurück in sein altes Elternhaus, dort, wo damals alles begann. Wird der Boogeyman dieses Mal auch ihn holen?

Das Positive vorneweg: "Boogeyman" hat eine phantastische Geräuschkulisse. Es knackt, raschelt und rumort in schönstem Dolby Surround, die Bässe wummern, was die Lautsprecher hergeben, und walken den Magen so richtig durch. Erstaunlich für Horrorfilme, die sich sonst auf die Optik, Effekte und eine passende Musikuntermalung verlassen.

Vielmehr Positives gibt es dann auch nicht zu berichten. Die Schauspieler bieten mit viel gutem Willen mittleres Niveau und sind allenfalls Staffage für eine eigentlich nette Geschichte, die nach einem verheißungsvollen Anfang, der es wirklich in sich hat (die ersten fünf Minuten), die eigenen Erwartungen nicht halten kann und zusehends verflacht und in der Bedeutungslosigkeit versinkt, nur um in einem wirklich selten dämlichen Ende zu, nunja, (ver)enden. Am Ende sitzt man im Kinosessel und ärgert sich über die verschenkten Möglichkeiten (und den Eintritt), die die Grundlage eigentlich bietet, über Logiklöcher, unerklärte Handlungswendungen und irgendwelche Tricks, die den Film wohl noch irgendwie interessant und spannend gestalten sollten (wie z.B. das ortsübergreifende Hin- und Herspringen zwischen Schränken und Betten, oder auch in der Zeit), letztens aber doch nur noch verzweifelt wirken.

Man wird den Eindruck nicht los, dass hier mit aller Macht versucht wurde, die derzeit höchst erfolgreichen japanischen Horrorfilme (egal ob Remake oder Original) zu kopieren, es wird viel mit subtilen Mitteln und der Erwartungshaltung des Zuschauers gespielt, jedoch sehr amateurhaft, denn Überraschungen sind ebenso Mangelware wie Aha-Erlebnisse seitens des Zuschauers. Das Ende ist dann wieder typisch Hollywood-Bombast: laut, wild, und völlig aus der Luft gegriffen. Hätte nur noch gefehlt, dass der schwarze Mann in einem minutenlangen Monolog seine Motivation und seinen Plan zur Weltherrschaft haarklein darlegt, bis ihn der Held in die ewigen Jagdgründe schickt. Gott sei Dank ist uns wenigstens das erspart geblieben. Vielleicht hätte es aber auch den Film wieder interessanter gemacht.

Den Streifen kann man eigentlich nur solchen Leuten empfehlen, die sich auch sonst jeden Dreck auf der großen Leinwand ansehen oder die Gefallen an ähnlich blutleeren Angelegenheiten in Hinblick auf die Handlung finden. Ansonsten lieber "The Grudge" ansehen, der zwar auch kaum Handlung zu bieten hat, aber immerhin eine ungeheuer dichte Atmosphäre bietet. Oder einen netten Film in der Videothek holen. Oder auch mal wieder ein gutes Buch lesen. Die Unbelehrbaren können das Machwerk ab Donnerstag in den Kinos bewundern.

(USA 2005, 89 min., FSK 16; R: Stephen T. Kay, D: Barry Watson, Emily Deschanel, Skye McCole Bartusiak, Lucy Lawless, Tory Mussett, Andrew Glover; Film auf imdb)