"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
08. März 2005
Elektra

von baumgarf | 03:10

"Meistens ist das zweite Leben anders als das erste."

Poster: ElektraAls Auftragskillerin verdingt sich Elektra ihre Brötchen, ausgebildet von ihrem Mentor Stick, der sie seinerzeit von den Toten zurückgeholt und zum Leben erweckt hat. Eigentlich wollte sie die kommende Zeit etwas ruhiger angehen lassen, doch sind zwei Millionen Dollar ein gutes Argument, die Urlaubsplanung außer acht zu lassen, und so nimmt sie einen weiteren Auftrag an. Das Ziel: Mark Miller und seine 13jährige Tochter Abby. Zu dumm nur, dass sich Elektra zwischenzeitlich mit ihnen angefreundet hat und beschließt, deren Leben zu verschonen. Sehr zum Bedauern des Auftraggebers, einer Geheimorganisation namens "The Hand", die auf das Kleingedruckte im Vertrag hinweist und ihr und den Millers kurzerhand ihre Schergen auf den Hals hetzt. Übrig bleibt ihnen nur die Flucht, doch bald erkennt Elektra, dass Abby mehr auf dem Kasten hat, als bislang angenommen.

"Alias"-Star Jennifer Garner gibt sich die Ehre in und als "Elektra", einem Ableger der mehr-schlecht-als-recht-Comicverfilmung "Daredevil". Doch wie gut kann so ein Spin Off schon sein, wenn selbst die Hauptdarstellerin dem Film jeglichen Anspruch und Qualität abspricht? Antwort: Gar nicht so schlecht, auch wenn man schon Besseres hat über die Leinwand flimmern sehen. Der Film nimmt sich Zeit, seine Hauptfigur und ihren Hintergrund in unzähligen und sich teilweise wiederholenden Rückblenden einzuführen — fast zu viel Zeit, denn der Zuschauer braucht viel Geduld zu Beginn, bis endlich, nach einem vielversprechenden Anfang, das Tempo auf der Leinwand abermals verschärft wird.

Danach wechseln sich Flucht und Kampf lustig miteinander ab, wobei eigentlich nie so recht klar wird, warum "The Hand" ein derart großes Interesse an dem Mädchen hat. Zwar wird sie immer mal wieder als "Der Schatz" bezeichnet, und sie hat auch den Bösen einiges zu widersetzen, letzten Endes aber wird man darob im Dunkeln belassen. Aber das ist auch egal, denn das Drehbuch selbst ist sowieso nicht oscarverdächtig, man kann sich ziemlich gut ausmalen, was als nächstes passieren wird, Überraschungen sind Fehlanzeige. Immerhin gibt es keine Sprachkrücken, da ist man ja schon schlimmeres gewohnt (siehe hier). Das deshalb nie so recht Spannung aufkommen will, bedarf eigentlich keiner weiteren Erklärung.

Auf der Habenseite dagegen kann der Film die glaubwürdigen Charaktere verbuchen. Man nimmt Jennifer Garner die harte, aber innerlich doch verletzliche Titelfigur ab, auch die Chemie zwischen Vater und Tochter stimmt. Die Handlanger von "The Hand" sind schlicht böse-stereotyp, auch hier (leider) keine Überraschungen. Sehr schön gelungen sind auch die Effekte, die sich nie in den Vordergrund spielen, sondern schlicht unterstützend wirken und keinen Ersatz für mangelnde Kreativität in Sachen Drehbuch darstellen. Die schönsten Szenen des Films, von der Optik gesehen, liefert dann auch Typhoid, eine "Hand"-Schergin, in deren Nähe und bei deren Berührung alles verdorrt und verrottet. Am beeindruckensten war deren Attacke auf Elektra, als beide in Zeitlupe zu entrückt-sphärischen Klängen stocksteif zu Boden sinken, während schwarzverwelkte Blätter, von den Bäumen fallend, langsam einen Ring um beide herum bilden.

"Elektra" ist mit Sicherheit kein Spitzenfilm, aber wer Comicverfilmungen mag, sollte auf alle Fälle einen Blick riskieren. Alle anderen können sich den Genuss des Streifens überlegen, wenn sonst nichts Sehenswertes im Kino laufen sollte. Ab Donnerstag in den Lichtspielhäusern Deutschlands.

(USA 2005, 97 min., FSK 12; R: Rob Bowman, D: Jennifer Garner, Goran Visnjic, Kirsten Prout, Will Yun Lee, Cary-Hiroyuki Tagawa, Terence Stamp, Natassia Malthe, Bob Sapp, Chris Ackerman; Film auf imdb)