"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
28. Februar 2005
Oscar-Verleihung 2005

von baumgarf | 18:00

Jetzt ist es offiziell: Martin Scorsese wurde zum sechsten Mal von der Academy mit halber Nichtachtung gestraft (immerhin war er nominiert) und hat sich nun vermutlich schon irgendwo aufgeknüpft, während Clint Eastwood noch seine Dankesrede hält. Als der dann auch noch den Goldmann für den besten Film einstreicht, ist der Tiefschlag perfekt. Damit geht dann auch die 77. und durchaus langweiligste Oscar-Verleihung zu Ende, die eine Stunde früher zu Ende war wie im Jahr zuvor, was wohl nicht zuletzt auch daran lag, dass die kleineren Oscars in Windeseile durchgepeitscht wurden. Alle Nominierten auf die Bühne, Filme kurz zeigen, Umschlag öffnen, "Danke! Danke! Danke!", und Abgang, teils rüde unterbrochen vom einsetzenden Orchester. Wie sollen auch vier Menschen innerhalb einer Minute ihren Dank ausdrücken? "Come on, they just got an Oscar on stage! Next time we're giving them out in the parking lot. Drive-thru Oscar lane." Chris Rock als Moderator hat sich zwar alle Mühe gegeben, einige nette Witze gebracht, aber insgesamt muss man sagen, dass Billy Crystal, Whoopi Goldberg oder Steve Martin in den letzten Jahren den besseren Job gemacht haben. Wenn sie schon frischen Wind auf die Bühne bringen wollen, sollte sich die Academy vielleicht mal an Robin Williams versuchen, auch unter der Gefahr, dass die Verleihung der Statuen dann zur Nebensache verkommt. Aber das ist es ja sowieso schon, hat man zumindest den Eindruck, scheinen doch die Hersteller der Abendgarderobe inzwischen mehr zu gelten. Schaulauf der Prominenz, der Catwalk im Kodak Theatre. Für eine minutiöse Auflistung der Geschehnisse der Show bitte bei Anke Gröner nachschlagen, die eine perfekte Zusammenfassung abliefert (samt und sonders der Pre-Show). Aber jetzt wollen wir doch mal sehen, wie ich mit meinen Tipps lag (allein der Glaube zählt):

  • Bester Film:
    - Clint Eastwood, Albert S. Ruddy, Tom Rosenberg - Million Dollar Baby
    das dürfte eine der wenigen Überraschung des Abends gewesen sein, hat doch so ziemlich jeder damit gerechnet (auch ich), dass The Aviator den Preis einheimst. Tja, so kanns gehen.
  • Bester Darsteller:
    - Jamie Foxx - Ray
    mal ehrlich: alles andere hätte doch zu Massenprotesten geführt
  • Beste Darstellerin:
    - Hilary Swank - Million Dollar Baby
    Annette Bening wird sich wohl tunlichst hüten, noch einmal gegen Hilary Swank im Oscarrennen anzutreten, hat sie doch schon vor fünf Jahren gegen sie verloren.
  • Bester Nebendarsteller:
    - Morgan Freeman - Million Dollar Baby
    endlich, endlich hat jetzt auch Morgan Freeman seinen Oscar; verdient hatte er ihn ja schon lange
  • Beste Nebendarstellerin:
    - Cate Blanchett - The Aviator
    der erste Oscar für die Darstellung einer Oscar-Gewinnerin. Ist dieser erste Oscar für Cate Blanchett dann indirekt auch der fünfte für Katherine Hepburn?
  • Beste Regie:
    - Clint Eastwood - Million Dollar Baby
    Tiefschlag! Tiefschlag! Leider hat die Kamera nicht gezeigt, wie Scorsese auf den neuerlichen Nichtgewinn (der sechste mittlerweile) reagiert hat, aber ich denke, es hat ihn Jahre seines Lebens gekostet
  • Bestes Original-Drehbuch:
    - Charlie Kaufman, Michel Gondry, Pierre Bismuth - Eternal Sunshine of the Spotless Mind
    Ehre, wem Ehre gebührt.
  • Bestes adaptiertes Drehbuch:
    - Alexander Payne, Jim Taylor - Sideways
    da schon klar war, dass Sideways bei Darstellern und Bester Film keine Rolle spielen wird, war dieser Oscar eine sichere Bank
  • Beste Kamera:
    - Robert Richardson - The Aviator
  • Bester Schnitt:
    - Thelma Schoonmaker - The Aviator
  • Beste Ausstattung:
    - Dante Ferretti, Francesca LoSchiavo - The Aviator
  • Beste Kostüme:
    - Sandy Powell - The Aviator
  • Bestes Make-Up:
    - Valli O'Reilly, Bill Corso - Lemony Snicket
  • Beste Filmmusik:
    - Jan A.P. Kaczmarek - Finding Neverland
  • Bester Song:
    - Jorge Drexler - The Motorcycle-Diaries ("Al Otro Lado Del Rio")
    völlig überraschend gewinnt dieses Lied, vorgetragen von Antonio Banderas, der tatsächlich singen kann, und Carlos Santana (es hat mich ja schon gewundert, dass Beyoncé nicht auch noch dieses Lied vorgetragen hat, ganz egal ob es spanisch ist oder nicht; französisch kann sie ja auch nicht, was sie allerdings nicht daran gehindert hat, das nominierte Lied aus "Die Kinder des Monsieur Mathieu" zu singen — und genauso hat es sich dann auch angehört), das nichtsdestotrotz das langweiligste aller fünf nominierten Beiträge war. Wer's mag...
  • Bester Ton:
    - Greg Orloff, Bob Beemer, Steve Cantamessa, Scott Millan - Ray
  • Bester Tonschnitt:
    - Michael Silvers, Randy Thom - The Incredibles
  • Beste visuelle Effekte:
    - John Dykstra, Scott Stokdyk, Anthony LaMolinara, John Frazier - Spider-Man 2
    John Dykstra war in seiner Dankesrede sichtlich erleichtert ob der Tatsache, dass dieses Jahr "Der Herr der Ringe" nicht nominiert war
  • Bester animierter Film:
    - Brad Bird - The Incredibles
  • Bester ausländischer Film:
    - Alejandro Amenábar - Mar adentro
  • Bester Dokumentarfilm:
    - Zana Briski, Ross Kauffman - Born Into Brothels
  • Beste Kurz-Doku:
    - Robert Hudson, Robert Houston - Mighty Times: The Children's March
  • Bester animierter Kurzfilm:
    - Chris Landreth - Ryan
  • Bester Kurzfilm:
    - Andrea Arnold - Wasp

Fazit: 13 Treffer von 20 möglichen in Bezug auf meine Tipps. Gar nicht mal so schlecht, wie ich finde. Auf ein Neues im nächsten Jahr. Und hoffentlich ist dann die Verleihung wieder spannender, interessanter und peppiger.