"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
26. Februar 2005
Relativ

von baumgarf | 02:21

Man hat sich ja inzwischen daran gewöhnt, dass man im Stundentakt alles über Einstein in der Glotze erfahren kann: sein Leben, sein Leiden, seine Leber. Wie war er als Mensch, wie als Forscher? Wer war(en) seine Frau(en)? Oder gar Männer? Seine Krankheitsgeschichte, seine Kindheitsgeschichte, seine Gute-Nacht-Geschichte. Zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Bei Tag und bei Nacht. Von vorne, von hinten, von oben, unten, links, rechts, innen, außen, mittendrin statt nur dabei.

Was ich aber nicht mehr hören kann oder will: Seine Formeln haben die Welt verändert. Werte Journalisten, lasst euch sagen, das haben sie nicht. Ganz entschieden nicht. Vor Einstein war oben auch schon oben, ist auch schon ein Apfel nach unten gefallen, wenn man ihn aus dem zweiten Stock zum Fenster rausgeworfen hat (dafür ist Isaac Newton verantwortlich). Er hat vielleicht die Welt beschrieben, aber verändert auf keinen Fall. Ich denke, dem Universum dürften die Formeln Einsteins so ziemlich schnuppe sein. Es hat vor ihm auch schon existiert, und da kam es ohne das Geschreibsel des Jahrhundertgenies auch schon gut zurecht.

Vielen Dank fürs Zuhören. Ich bin mir dessen wohl bewusst, das wir dieses Jahr ein Einsteinjahr haben, und das deshalb die Journalisten um die Wette stilistisches Amok laufen, aber es musste eben auch mal erwähnt werden. Und ich bin mir auch der Tatsache bewusst, dass er vielleicht das Denken in der Wissenschaft und das der Menschen allgemein geändert hat, und man deshalb lax von der Welt spricht. Aber wenn im gleichen Atemzug dieses Satzes eine Grafik des Sonnensystems über den Bildschirm flimmert, was soll ich denn dann glauben? Eben. Zurück zu Schiller.