"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
23. Februar 2005
Alone in the Dark

von baumgarf | 22:53

"Nur, weil man etwas nicht sehen kann, heißt das noch lange nicht, dass es einen nicht töten kann."

Alone in the DarkEdward Carnby war eines von zwanzig Waisenkinder, die eines Nachts aus dem Waisenhaus verschwunden sind. Er war der einzige, der wieder gefunden wurde. Heute, inzwischen Experte für Okkultes und Paranormales, holt ihn die Vergangenheit ein, die er schon längst größtenteils verdrängt und vergessen hat. Mitten in der Nacht verschwinden neunzehn Menschen plötzlich spurlos. Schnell stellt sich heraus, dass diese neunzehn Menschen die Waisenkinder von damals sind. Wie es scheint, wurden damals fürchterliche Experimente mit ihnen angestellt. Offenbar sind sie alle Träger eines Symbionten, der ihnen eingepflanzt wurde, um mit deren Hilfe das Tor zwischen dieser Welt und der Unterwelt niederzureißen. Und einige Bewohner der Unterwelt befinden sich schon auf dieser Seite. Zusammen mit seiner Ex-Freundin und seinem ehemaligen Arbeitgeber, einer streng geheimen Gruppe zur Bekämpfung von Paranormalem, nimmt er den Kampf auf.

Wie schlimm muss es um die Filmbranche stehen, wenn schon solche Drehbücher verfilmt werden? "Alone in the Dark" (besser: Alone with the Dork) ist mit das Schlechteste, was ich seit langem gesehen habe (mal abgesehen von Clever & Smart). Der Streifen dürfte das filmische Pendant zur Merzschen Steuerreform sein: die ganze Geschichte ist auf einem Bierdeckel unterzubringen — vorausgesetzt, man nützt den vorhandenen Platz großzügig aus. Im Grunde genommen ist das Drehbuch, dass sich schamlos bei "Das Relikt" und der "Alien"-Reihe bedient, nur eine bessere Entschuldigung dafür, irgendwelchen hirnlosen Actionszenen mit teilweise mittelmäßig animierten Monstern sowie einer der uninspiriertesten, belanglosesten und beliebigsten Liebesszenen, derer ich je ansichtig wurde, eine Daseinsberechtigung auf der großen Leinwand zu verschaffen.

Logischerweise gelingt es den Charakteren deswegen auch nicht, über das stereotype unterste Niveau herauszuwachsen. Da wäre zum einen der Held, der in seiner Jugend ein Trauma erlitten und als Folge dessen sein Gedächtnis verloren hat, dessen fehlende Erinnerung aber irgendwas mit dem Ausgang des Films zu tun haben wird. Kommt einem das nicht irgendwie bekannt vor? Aber es geht noch weiter: Natürlich war der Held in einer unheimlich geheimen Super-Duper-Spezialeinheit, bevor er dort seinen Hut nahm und auf eigene Rechnung zusammen mit seinem großen Ego mit was auch immer weitergemacht hat. Und natürlich gibt es jetzt in dieser Einheit einen alten Kameraden, der mittlerweile dort das Sagen hat und ihn auf den Tod nicht ausstehen kann - aber am Ende des Films sind sie die besten Freunde. Ganz tolle Idee! Zur Vervollständigung des Trio infernale fehlt jetzt nur noch der Babefaktor. Und da kommt sie auch schon um die Ecke, die stellvertretende Kuratorin des Museums, die derart glaubwürdig gespielt wurde, dass Denise Richards für ihre Darstellung einer Nuklearexpertin in dem James-Bond-Streifen "Die Welt ist nicht genug" glatt den Oscar verdient gehabt hätte. Überhaupt agiert die versammelte Darstellerriege derart lustfrei, emotionslos und hölzern, dass man sich im Kino unweigerlich die Frage stellt/stellen muss, ob das alles nicht eine groß angelegte Aktion der versteckten Kamera ist und sie jeden Moment mit dem richtigen Film beginnen.

So seltsam es auch klingt, aber der Film hatte dennoch seine gute Seite: Zum einen ist der Soundtrack durchaus gelungen, zum anderen ist er mit knappen hundert Minuten relativ kurz, so dass man nicht allzu viel kostbare Zeit seines Lebens verliert. Wer masochistisch genug ist, sich diesen filmischen Hochgenuss nicht entgehen lassen zu wollen, kann ab Donnerstag sein blaues Wunder erleben.

(Kanada/Deutschland 2005, 99 min., FSK 16; R: Uwe Boll, D: Christian Slater, Tara Reid, Stephen Dorff, braucht's wirklich mehr?; Film auf imdb)