"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
30. Dezember 2009
Körnung

von baumgarf | 13:47 | kommentieren | kommentare (1)

Kann sich noch irgendjemand an die Aktion "Brot statt Böller" erinnern (die mir angesichts der alljährlichen "Böller sind gefährlich"- und "Böller aus Fernost sind besonders gefährlich"-Sendungen einerseits wieder ins Gedächtnis gerufen wird und andererseits mich wundern lässt, dass sie nicht stärker beworben wird)? Unter uns Jahresendfreunden gesagt ist diese Aktion so ziemlich das dämlichste, das man sich vorstellen kann.

Denn erstens ist es ein ziemliches Gepfriemel, bis man das Schwarzpulver und die Zündschnur endlich mal am Brot befestigt hat, und dann ist der Knall auch noch recht dumpf und mager, weil das Brot zusätzlich als eine Art Schallschutz funktioniert (ganz zu schweigen von den doch recht unspektakulären Lichteffekten). Und obendrein muss man noch mit Körnerbrot aufpassen, dass man kein Weizen-, Roggen- oder sonstiges Korn ins Auge bekommt, die werden ja in alle Himmelsrichtungen verschossen. Muss einen schon wundern, dass Vollkornbrotböller überhaupt zugelassen sind. Und bei alledem ist noch gar nicht erwähnt, wie man das den Kindern beibringen soll, denen man bis dato immer gepredigt hat, dass man nicht mit Essen spielt.

Deswegen immer dran denken: wenn schon Brot statt Böller, dann Weißbrot.

In diesem Sinne: einen guten Rutsch ins neue Jahr! (hatte ich schon gewünscht? Egal, doppelt hält besser)

 
24. Dezember 2009
War da was?

von baumgarf | 12:23 | kommentieren

Hatte ich euch eigentlich schon ein frohes Weihnachten und einen sieben Tage späteren guten Rutsch nach Zwanzigzehn (oder Zweitausendzehn (oder einfach 2010, dann kann sich's jeder raussuchen)) gewünscht? Noch nicht? Dann wird's aber höchste Zeit.

Ich wünsche euch ein frohes Weihnachten und einen sieben Tage späteren guten Rutsch nach Zwanzigzehn (oder Zweitausendzehn (oder einfach 2010, dann kann sich's jeder raussuchen (wir lieben doch alle Copy & Paste, gebt's ruhig zu))).

Und wie zu jedem Jahresende gibt's von mir auch dieses Mal keine Top-/Flop-Liste. Die besten Filme kann jeder selber rausfinden in der Spalte rechts, CDs habe ich mir nicht genug angeschafft, dass es für eine Top-10 reichen würde bzw. alle darin vertreten wären, ob sie jetzt gut sind oder nicht (empfehlen kann ich aber mit meinem minimalistisch anmutenden Musikgeschmack die New Yorker Combo "Brazilian Girls" oder die Stuttgarter Band "Submarien"). Und bei den Büchern weiß ich gar nicht mehr, was ich dieses Jahr alles gelesen habe, lässt sich also auch nur schlecht in eine Hierarchie zwingen/zwängen ("The God of Small Things" von Arundhati Roy hat mir aber allein schon wegen der Sprachgewalt sehr gut gefallen, und "The Wasp Factory" von Iain Banks habe ich glaube ich auch dieses Jahr gelesen, auch sehr lesenswert (wenn auch schön der falsche Ausdruck für dieses Buch wäre)).

Mit einem erneuten Hinweis auf die salbungsvollen Worte über dem Absatz dieses Absatzes verabschiede ich mich, und verspreche, auch im nächsten Jahr wieder genauso unzuverlässig und sporadisch mich hier zu Wort zu melden, wie man das mittlerweile von mir gewohnt ist. Mindestens.

 
02. Dezember 2009
Kino:
Saw VI

von baumgarf | 23:30 | kommentieren | kommentare (2)

Saw VI 1 von 10 CDN/USA/GB/AUS 2009, 90 min., FSK 18

Regie: Kevin Greutert
Drehbuch: Marcus Dunstan, Patrick Melton
Kamera: David A. Armstrong
Musik: Charlie Clouser
Darsteller: Tobin Bell, Costas Mandylor, Mark Rolston, Betsy Russell, Shawnee Smith, Peter Outerbridge

Homepage, imdb

Ich kenne Saw 2 bis 5 leider nicht, weswegen ich nicht nachvollziehen kann, ob der Absturz der Serie sich plötzlich vollzogen hat, oder ob es ein schleichendes Siechtum war. Nach Genuss (wobei das eigentlich das falsche Wort ist, eher sollte es heißen "nach dem durch Träg- und Faulheit und der damit auferlegten Bewegungsstarre verschuldeten Erleiden", aber das wäre dann doch ein wenig zu lang) des sechsten Teils habe ich dazu erlich gesagt aber auch keine Lust mehr, denn wenn die sechste Instanz des (vermutlich) immer gleichen Films eines ist, dann absolut unappetitlich und ärgerlich.

Noch (fast?) nie in meiner an Filmen nicht armen Kinogeschichte habe ich einen Film gesehen, in der so unverhohlen Menschen ohne Sinn und Verstand abgeschlachtet wurden. Weder hat man sich die Mühe einer Handlung gegeben, noch kommt der Hauptdarsteller über einen grimmig-müden Gesichtsausdruck hinweg (wobei er zugegebenermaßen auch nur diesen einen Ausdruck benötigt, mehr gibt die Handlung nicht her). Die anderen Akteure tragen ebenfalls nur einen Miene durch den Tag spazieren, aber glücklicherweise hat jeder Charakter eine andere, so dass man sie problemlos auseinanderhalten kann. Obendrein hat man es offensichtlich als eine geradezu grandiose Idee angesehen, ein wenig Gesellschaftskritik zu verwursten, in dem man nun Banker (die haben es ja auch verdient!) Fleisch vom eigenen Körper säbeln lässt (haha, wie kreativ!) oder gleich den ganzen Arm abhacken, viel hilft ja schließlich viel, oder Krankenkassenverwaltungsleiter (oder wie auch immer diese Personen heißen) vor die Wahl stellt, welches Leben nun gerettet werden soll (der schiere Wahnsinn! Die Gesellschaft ist schlecht! Ich hab's kapiert!).

Zwischendurch wird dann noch kurz in ein paar Rückblenden der bisherige Handlungsverlauf (eigentlich ein Widerspruch in sich selbst) der letzten fünf Filme vermutlich auf den Kopf gestellt und ein wahnsinnig überraschendes Ende präsentiert, dass man überhaupt nicht hat kommen sehen, aber so was von nicht. Das alles natürlich aber nur in kleinen homöopathischen Dosen, nicht, dass man noch vergisst, weswegen man eigentlich diesen Film ansieht.

Nämlich herauszufinden, ob der eine Schauspieler nun mit Peter O'Toole verwandt ist oder nicht. Das rettet über die Zeit.

 
06. November 2009
Wenn Hackfleisch eine ganz neue Bedeutung bekommt

von baumgarf | 23:25 | kommentieren | kommentare (3)

An manchen Tagen beschleicht mich der drängende Wunsch, ein wenig mehr handwerkliches Geschick zu besitzen - also mehr Geschick als man braucht, um eine defekte Glühbirne zu tauschen oder den Schlüssel im Zündschloss zu drehen, um sich mit dem Auto im Baumarkt Spachtelmasse zu besorgen, weil man sich der Illusion hingegeben hat, es sei kein Problem, mit der Schlagbohrmaschine mal so eben ein, zwei Löcher für ein neues Regal in die Wand zu bohren, die Wand daraufhin, knieerweicht vor solch erfurchtgebietender Handhabe, stückweise in sich zusammenbricht.

Dabei ist mir meine Minderbegabung an einem Ort bzw. bei einer Tätigkeit begegnet, die man im Normalfall (also: ich) nicht mit Handwerk (im Sinne von Nagel, Hammer, Installation (Keramik, nicht künstlerisch)) in Verbindung bringt. Bei einer häufigerweise in der Küche anzutreffenden typischen Übung, dem Kochen, sollte mich mein manufakturelles Defizit heimsuchen. Aber wer hätte auch gedacht, dass man zum weidmännischen Zerlegen eines Kürbisses schweres Gerät aufzufahren hat?

Die Messer in der Küche sind weiß Gott nicht stumpf (wovon mein linker Daumen ein Lied singen kann, als er einmal unvorsichtigerweise beim Zerlegen von Quitten ein Stück weit unter die Klinge geriet - das wird ihm hoffentlich eine Lehre sein), dennoch zeigte sich der Kürbis höchst unbeeindruckt ob meiner Schneid- und Säbelversuche, die kaum einen Kratzer auf der Oberfläche hinterließen. Auch die Zuhilfenahme des tonnenschweren Brotmessers brachte nicht den gewünschten Erfolg (und hätte ich vor meinen vergeblichen Zerteilversuchen die Zacken im Messer gezählt, hätte eine weitere Zählung im Anschluss mit Sicherheit eine niedrigere Zahl ergeben).

Ganz ehrlich, nie hat man eine Axt zur Hand, wenn man sie einmal wirklich brauchen könnte (auch wenn bei meinem Geschick der Satz "Das tut mir mehr weh als dir" wohl wörtlich zu nehmen gewesen wäre). Dann nehme ich den Kürbis eben mit zum Baumarkt und lass ihn dort mundgerecht zusägen, während ich mich nach Spachtelmasse umsehe.

 
05. November 2009
Mysterien des Alltags (XV)

von baumgarf | 03:28 | kommentieren

Bekanntermaßen (zumindest setze ich dieses Wissen voraus (wenigstens bis hierhin, weil ich es sowieso gleich noch erläutern werde)) befindet sich an den Kassen am Supermarkt die sogenannte Quengelware, also allerlei Süß- und sonstige kindgerechte Ware in für die Zielgruppe geeigneter Höhe (also ca. einen halben Meter über dem Boden). Das führt mitunter zu dramatischen Szenen, wenn der Sohnemann oder das Töchterchen partout noch eine Packung Kariesfreude haben möchte, Herr Papa und Frau Mama diese Ansicht jedoch nicht teilen, weil sie wissen, was der Zahnarzt kostet.

Weshalb aber, so frage ich mich (und damit auch meine geneigten Leser (womöglich geneigt, um besser an die Quengelware zu kommen?)), befinden sich an manchen Kassen keine Süßwaren, sondern harte Alkoholika? Sollen da schon die Kinder von heute zu den Alkoholikern von morgen herangezogen werden? Oder drückt sich dadurch eine negative Haltung gegenüber alkoholabhängigen Menschen aus, deren bevorzugte Bewegungsart man glaubt, das Kriechen zu sein, die Schnappsfläschen sich dadurch in der passenden Griffhöhe befinden?

 
19. Oktober 2009
Der kleine baumgarf möchte an der Information abgeholt werden

von baumgarf | 02:12 | kommentieren | kommentare (5)

Murphys Gesetze dürften wohl jedem vertraut sein und können auch immer wieder im Alltag beobachtet werden, meist mit uns selbst als Hauptperson und Leidtragendem. Sei es die Rote Welle bei Ampeln und dahinmäandernde, vorausfahrende Verkehrsteilnehmer, wenn man es eilig hat bis hin zu dem typischen Fall, dass diejenige Kasse am meisten Zeit in Anspruch nimmt, die die kürzeste Schlange aufzuweisen hat.

Um diesen Auswirkungen zu umgehen, hat es sich, zumindest bei mir, entweder eine ziemlich gleichgültige Einstellung zu den Geschehnissen eingestellt ("Ach, was soll's, dann muss XY eben eine halbe Stunde warten.") bzw. wähle ich die Kassen nun nicht mehr Kundenaufkommen, sondern nach einem ziemlich komplizierten, über die Jahre gereiften Prozess aus (sprich: ich nehme irgendeine Kasse, die mich nach Tagesform her anspricht, sei es, weil die Kassiererin (so vorhanden) nett anzusehen ist und eine längere Wartezeit dadurch eine Aufwertung erhielte, sei es, weil keine älteren Menschen die Warteschlange zieren, die mit Vorliebe den Betrag passen zahlen ("Moment, die 97 Cent habe ich hier noch passend in 1-Cent-Stücken ... Oh, tut mir leid, es waren doch nur 95 Cent.")).

Dennoch versäumt es Murphy auch dann nicht, hin und wieder mit unverminderter Härte zuzuschlagen. So geschehen in einem dieser neumodischen blau-gelben Möbelhäuser. Die Schlangen an den Kassen waren allesamt recht kurz, weswegen ich, in einem Anfall von umgekehrter Logik, bewusst die Kasse gewählt hatte, wo ein Kunde mit voll bepackten, nein: übervoll bepacktem, Einkaufswagen den Strichcodescanner der Kassiererin zum Glühen brachte. Die Idee dahinter: normalerweise ist die kürzeste Schlange bzw. diejenige mit den wenigsten Produkten in den Wägen der Kunde diejenige, die im Endeffekt die größte Wartezeit in Anspruch nimmt. Ergo müsste man in der längsten und produktintensivsten Schlange ratzfatz wieder das Tageslicht zu sehen bekommen (was gar nicht so einfach ist, wenn es schon um 19 Uhr dunkel wird, man aber erst gegen 20 Uhr an der Kasse steht; aber das ist eine andere Geschichte), Murphy somit ein Schnippchen schlagen.

Doch Murphy ist ein wahrlich hintertriebener Mistkerl. Na-türlich hat es an der Kasse ewig gedauert, sind ganze Erdzeitalter an mir vorübergezogen, bis ich endlich an der Reihe war. Alle Register wurden gezogen (deswegen ja Registerkasse, ahahahahaha!!!!! ("Five exclamation marks. A sure sign of an insane mind.")): die Strichcodes waren nicht frei zugänglich, sodass die Tonnen an Möbeln und Zubehör umbeladen werden mussten. Die Kassiererin hat mehrfach die falsche Menge eingescannt und musste langwierig korrigieren. Überhaupt langwierig: die schnellste war sie auch nicht. Der Scanner hat auch nicht immer funktioniert. Der Kunde hatte einen anderen, billigeren Preis im Gedächtnis und fing das diskutieren an. Und die Kassiererin war noch nicht mal besonders anzusehen (sorry, war aber so). Muss ich noch extra erwähnen, dass ich, als ich dann endlich an der Reihe war, Spinnweben in den Haaren innerhalb einer Minute bezahlt hatte?

Nach solchen Erlebnissen komme ich nicht umhin, des Eindrucks zu erliegen, dass Murphys Gesetze gleichzusetzen sind mit Naturgesetzen: man kann machen, was man will, aber man kann ihnen nicht entkommen..

 
07. September 2009
Halmächtiger!

von baumgarf | 18:28 | kommentieren

Strohhalme passen gut zu Limonaden jedweder Art.
Strohhalme passen gut zu Säften.
Strohhalme passen gut zu Saftschorle.
Strohhalme passen erst recht gut zu Cocktails.
Strohhalme passen sehr gut zu Milchmixgetränken, heiß oder kalt.
Strohhalme passen auch gut zu Latte Macchiato.
Aber seit wann bitteschön ist es üblich, zu einem gewöhnlichen, durch keinerlei Eigenschaft besonders hervorstechenden, schwarzen Kaffee, noch dazu einem gewöhnlichen, durch keinerlei Eigenschaft besonders hervorstechenden, schwarzen Kaffee zum Mitnehmen im Pappbecher, einen Strohhalm zu reichen?

 
29. August 2009
Nehmt Euch in Acht, denn jetzt komme ich!

von baumgarf | 18:39 | kommentieren | kommentare (2)

Superheldencomics und deren Verfilmungen üben nicht zuletzt deswegen einen so großen Reiz aus, weil das Kind in uns allen auch gerne eine besondere Fähigkeit hätte, die es von all den "normalen" Menschen um uns herum ab- und hervorhebt (und diejenigen, die kein Kind mehr in sich beherbergen und pflegen gucken auch solche Filme nicht und lesen keine Comics, haben also auch nicht solche Wünsche und Sehnsüchte (und sind höchstwahrscheinlich schon im Alter von 30 Jahren auf die Welt gekommen)). Außerdem wollte man doch schon immer einmal einem bösen Buben (oder einer bösen Bubin (heißt das so?)) Saures geben und seine Traumfrau (oder seinen Traummann) aus dessen Fängen befreien, um danach eng umschlungen in den Sonnenuntergang zu reiten/fliegen/schwimmen etc. (mit dem/der Liebsten, nicht dem bösen Buben)

Wie es der Zufall so will, habe ich dieser Tage herausgefunden, dass auch ich eine besondere Fähigkeit habe, wenn ich auch bezweifle, dass deswegen die Frauen reihenweise in meine Arme sinken (es sei den, ich dusche drei Monate lang nicht, aber irgendwie ist das nicht dasselbe), geschweige denn, dass ich damit Schurken und anderes Gesocks in die Flucht schlage (ich könnte sie höchstens zu Tode langweilen, aber soweit ich weiß, stehe ich mit dieser Fähigkeit nicht alleine da). Meine besondere Fähigkeit ist ... Spannung ... das Erzeugen denkwürdiger Endsummen beim Einkaufen!

(an dieser Stelle darf jetzt in tosenden, unbändigen Applaus ausgebrochen werden, ich warte solange auch mit weitererzählen ... Fertig? Gut)

Nehmen wir nur mal vergangenen Donnerstag als Beispiel. Ein paar Kleinigkeiten, Obst, Getränke, macht am Ende genau 24 Euro. Das ist Schicksal, eine Gabe, denn hätte ich nicht vergessen, den Leergutbon abzugeben, hätte ich keine runde Summe gehabt. Oder vorletzte Woche, ebenfalls ein kleiner Einkauf, Milch, Joghurt, etwas Obst und Gemüse, ergab am Ende 8.88 Euro. Na, ist das nichts? Oder noch ein paar Tage mehr zuvor: die Kasse zeigte einen Betrag von genau 16 Euro. Mann, bin ich gut. Und das ist nicht geplant, Obst und Gemüse wird ja gewogen, da lässt sich nicht auf einen runden Betrag hinarbeiten. Oder noch ein Beispiel: Endbetrag 8.34 Euro. Ok, das ist auf den ersten Blick nichts Spektakuläres (auch nicht auf den zweiten oder dritten Blick (oder vierten (oder fünften (oder ... ok, ich denke, man kapiert's)))), aber an diesem Tag musste ich in zwei verschiedenen Läden einkaufen, und, wie man sich nun vielleicht schon denken kann, der Endbetrag im zweiten Laden betrug ebenfalls, richtig, 8.34 Euro.

Allerdings habe ich keine Ahnung, wie ich daraus Kapital schlagen (haha! Vor allem Kapital schlagen, obwohl ich immer zahlen muss) oder das organisierte Verbrechen in seine Schranken weisen kann ("Lass ab von dieser holden Maid, oder ich ... oder ich ... kaufe ein!" - "Lass Gnade walten, ich flehe dich an!"), aber da wird mir auch noch was einfallen. Irgendwann, irgendwie. Und bis dahin schmoll ich ein wenig, dass ich nicht fliegen kann.

 
22. August 2009
Meine Freunde nennen mich Albin

von baumgarf | 01:48 | kommentieren | kommentare (2)

Die besonderen Qualitäten, der besondere Reiz von Wikipedia machen nicht nur die (teils) sehr gut recherchierten Artikel aus, sondern vielmehr die kleinen skurrilen Bonmots (auch ein Wort, das man viel öfter verwenden sollte) am Rande, die leider viel zu selten ans Licht der Öffentlichkeit geraten. Wie z.B. dieses schöne Beispiel, dass man einfach nur lieben muss:

Brfxxccxxmnpcccclllmmnprxvclmnckssqlbb11116 (pronounced ['albin]) was a name intended for a Swedish child who was born in 1991.

Bestes Beispiel für die These, dass das Leben noch immer die besten Geschichten schreibt. (zu meiner Kenntnis gelangt via Best of Wikipedia)

(wenn man übrigens dem Link zu weiteren, ungewöhnlichen Personennamen folgt, stößt man unweigerlich auf den Mann, der sich nach einer Monty-Python-Figur umbenannt hat und nun auf den schönen Namen Tarquin Fin-tim-lin-bin-whin-bim-lim-bus-stop-F'tang-F'tang-Olé-Biscuitbarrel hört. Den Herrn würde ich gerne Mal ein Paket in Empfang nehmen sehen. Oder einen Scheck unterzeichnen. Oder seinen Namen am Telefon buchstabieren ("Schreibt man das mit einem oder zwei "m"?))

 
12. August 2009
Reisende soll man ziehen lassen

von baumgarf | 21:32 | kommentieren | kommentare (2)

Nicht, dass ich mich beschweren wollte (neinnein, es ist mehr so eine Feststellung), aber mich wundert schon ein bisschen die Abstinenz von Vertretern, Zeugen Jehovas und zu Zeitschriftenverkäufern umgeschulten ehemaligen Drogenabhängigen, die mich aus dem Bett oder unter der Dusche hervor klingeln oder in sonstigen ungelegenen Momenten erwischen würden.

Interessanterweise wird man in der Innenstadt von ihren dort ansässigen Kollegen (also jenem Menschenschlag, der mit der Frage nach einem Moment der kostbaren Zeit unschuldige Passanten aus deren Gedanken oder Gesprächen reißt, damit diese lebensnotwendige Umfragen zum neuesten Schuppenschampoo oder möglicherweise vorhandenen Plänen zur Anschaffung eines Neuwagens beantworten (verbunden mit dem dazugehörigen Frageblock rund um Kreditkarten (würde mich interessieren (nein, eigentlich nicht) ob sich die Idee des "Six degrees of separation" auch auf Umfragen anwenden lässt ("Vom Auto zum Fallobst in sechs Schritten." (mit Fragebögen, wohlgemerkt, sonst wäre die Rechnung einfach: Auto -> Baum -> Fallobst))))) unaufhörlich aufgelauert, denen ich jedoch grundsätzlich so gut als möglich aus dem weg zu gehen versuche. Praktischerweise erkennt man sie schon aus zehn Kilometer Entfernung aufgrund ihres suchenden Blicks (schließlich wird nicht jeder gefragt, nein, auch und gerade hier auf der Straße herrscht Darwins Umfrageevolutionsprinzip (questioning of the fittest)) und dem Klemmbrett im Anschlag, so dass noch genügend Zeit bleibt, sich in eine große Menschenmenge zu mischen oder auch den Moment abzupassen, in dem sie in eine andere Richtung gucken, um schnell vorbeizuhuschen. Schwieriger sind da schon die Hare-Krishna-Jünger, die nicht standfest an einem Ort verharren, allerdings können sie dank der unzähligen Bücher, die sie eng umschlungen an sich klammern und nur gegen ein Bestechungsgeld aufgeben, nicht so schnell laufen. Da lobe ich mir wenigstens die Damen und Herren der Wachturm-Gesellschaft, die ruhig und unaufdringlich am Straßenrand stehen, wortlos ihr Anliegen in Form einer Zeitschrift in die Höhe halten und stoisch darauf warten, angesprochen zu werden. Wenn das schon nichts bringt, lehrt es zumindest Demut.

(meine Aversionen gegenüber dieser Art Menschenschlag rührt übrigens noch aus der Zeit, als Boris Becker (dieser mediengeile Mensch, der sein Gesicht in jede Kamera drückt, die nicht schnell genug abblendet (ich glaube, früher hat er auch mal Tennis gespielt)) seine Begegnung der etwas anderen Art in der Besenkammer hatte, was bis zum Erbrechen durch Funk und Fernsehen getrieben wurde; da meinte doch tatsächlich eine Schnickse vom Stadtradio, mich fragen zu müssen, was ich denn von seinen Umtrieben halte, worauf ich, ihrer Reaktion zufolge wohl sichtlich genervt, sinngemäß so etwas wie "Das ist mir doch scheißegal, wegen mir hätte er auch einen Hund UUUUUUUPSen können!" in ihr Aufnahmegerät absonderte und meines Weges ging. Als ob es nichts Wichtigeres als die Leibesertüchtigungen eines ehemaligen Tennisprofis mit Sprachfehler gäbe)

Ihre nicht ortsfest montierte, wandernde Verwandtschaft jedoch glänzt in heimischen Gefilden durch Abwesenheit. Und dabei ist es noch nicht mal so, dass ich ihnen ohne Umschweife die Tür ins Gesicht werfen würde. Nein, ich würde mir die Zeit nehmen (so, wie die Damen und Herren ihre Zeit investieren; ich finde, man sollte sich da auf neutralem Boden begegnen) und mir auch ihre Leidensgeschichte anhören, bevor ich ihnen sage, dass ich sämtliche Zeitschriften, die ich lesen möchte, auch schon im Abonnement beziehe, ich aber durchaus bereit wäre, an ihre Hilfsorganisation monatlich fünf Währungseinheiten zu überweisen, ganz ohne papierne Gegenleistung (ein Vorschlag, der mir noch jedes Mal (also damals, als die Herr- und Damenschaften den Klingelknopf noch gefunden haben) abschlägig beschieden wurde, da dies aus jenen oder anderweitigen Gründen unmöglich, ja sogar strafbar sei (die Frage, welche Hilfsorganisation freiwillig auf Spenden verzichtet, lassen wir da mal außen vor)). Und erst dann würde die Tür fliegen, Spaß muss ja schließlich sein.

Aber wie schon erwähnt, das ist (mittlerweile) reines Wunschdenken. Tatsächlich aber wird man des Eindrucks nicht flüchtig, dass man, zumindest in den Augen dieser reisenden Händler, mutterseelenallein irgendwo in der Ödnis sein Dasein fristet. Dabei stimmt das gar nicht, auch wenn hier nicht gerade das pulsierende Großstadtleben herrscht (das einzige Pulsierende sind die Lautsprecher des Nachbarn). Hier im Haus gibt es noch weitere Parteien, mit denen ich mein Dasein in der Ödnis friste. Wobei Ödnis ein sehr weit gefasster Begriff ist, der beim Anblick einer echten Ödnis diese ohne einen passenden Begriff zurücklässt. Besagte unechte Ödnis jedenfalls befindet sich nur einen Steinwurf von der Hauptstraße entfernt, und der Weg ist aufgeräumt, ohne Giftpflanzen oder beißwütiges Getier bestückt. Offenbar aber ist sich der Vertreter von heute zu schade, sich seine Füße mehr als fünf Meter am Stück zu vertreten. Allerdings hätte ich gar nichts dagegen einzuwenden, wenn, sagen wir mal, im Wochentakt fünf Individuen dieser Spezies der Unterart Staubsauger ihren Weg zu mir finden würden, das sollte ausreichen, um die Wohnung sauber zu bekommen. Oder auch ein Zeitungsverkäufer einmal pro Monat wäre mir willkommen, um ein gerüttet Maß an Anteilnahme gegenüber den Ausgestoßenen dieser Gesellschaft zu zeigen, damit das soziale Gewissen wieder in vernünftige Schranken gewiesen werden kann. Man hätte ja schließlich, wenn nicht.

Hingegen scheint mir, dass im gleichen Maße, wie die wandernde Händlerschaft den Haustüren fernbleibt, jene vermehrt den Griff zum Telefon findet (vermutlich war Schuh- und Fahrwerk nicht mehr wirtschaftlich genug). Sehr bedauerlich, finde ich es doch einerseits recht unpersönlich, mittels Telefongesprächs einen Staubsauger angedreht zu bekommen (ganz zu schweigen von der damit einhergehenden mangelnden Präsentation des Geräts ("Und? Hören Sie es? Allein am Geräusch erkennt man, dass der Boden porentief staubfrei wird! Fantastisch!!! (die Ausrufezeichen kann man ebenfalls hören) Es saugt und bläst der Heinzelmann..." (aber halt, das kennen wir ja von anderer Seite)), andererseits ist es einfach nicht so befriedigend, den Telefonhörer auf die nicht mehr vorhandene Gabel zu werfen (da hat der technische Fortschritt leider versagt, ich vermisse das klangvolle, befriedigende "Ping!", wenn Hörer auf Gabel knallt (außerdem waren die Telefone früher auch viel stabiler, heutzutage muss man ja Angst haben, dass das Gehäuse bricht)) wie die Türe ins Schloss (da bekommt man immerhin noch ein befriedigendes akustisches Feedback).

Aber ach, alles Jammern hilft nicht. Muss eben doch ich selbst die Wohnung saugen.