"You're only given a little spark of madness. You mustn't lose it." - Robin Williams
13. Juli 2010
Dinge, die man noch erfinden sollte, Teil 11

von baumgarf | 20:14 | kommentieren | kommentare (1)

Kaltgrill, auch Grill(f)rost oder genauer: Vakuumgrill.

Es ist nicht zu bestreiten, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen der Außentemperatur und der Häufigkeit, mit der ein Stück Fleisch oder etwas, dass in Form und Aussehen grob daran erinnert, kontrolliert seinen zweiten Tod im Feuer stirbt. Wenn jedoch bei Temperaturen weit jenseits der 30° auch noch ein Glutofen in direkter Nähe und der Bedienknecht desselben dadurch in seinem eigenen Saft steht - und normalerweise die dazugehörigen Grillgutempfänger ebenfalls, kann das nicht im Sinne des Erfinders sein. Den Grill aus eben diesem Grund in einiger Entfernung aufzustellen, um dadurch nicht mehr von seinem einnehmenden Wesen erreicht zu werden, ist auch nicht optimal, da man durch die Wege, die man dorthin zwangsläufig ständig zurücklegen muss (man sollte gar nicht glauben, wie wenige Stücke zerteilte Wiederkäuerleiche (und ich meine keine Giraffe (und überhaupt Giraffe: man stelle sich nur einmal vor, wie sie den ganzen Speisebrei den langen, langen, langen Hals wieder nach oben... (ich stell's mir doch nicht vor))) auf so ein Metallgitter passen), unausweichlich ebenfalls wieder Wasser lässt.

Um diesem Dilemma zu entgehen, sollte man sich das Vakuum zu Hilfe nehmen. Wir erinnern uns einen Moment zurück an den Physikunterricht seinerzeit in der Schule, als der Lehrer ein Glas herkömmliches Leitungswasser in einer Vakuumglocke allein dadurch zum Kochen brachte (hauptsächlich das Wasser, das Glas blieb von der Prozedur relativ unbeeindruckt), dass er die Luft absog. Wenn man nun einen Grill konzipierte, der auf demselben Prinzip fußt, könnte man mit einem relativ geringen Wärmeaufwand Fleisch und Wurst in eine undefinierbare schwarze Masse ("Das sind nur Röstaromen.") verwandeln, so dass man eine gekühlte Atmosphäre auch ohne die Anwesenheit von Tante Erna erreicht.

Dass Grillpuristen mit dieser Art des Grillens nichts anzufangen wissen dürften, steht wohl außer Frage, da hierbei nur mit Strom gegrillt werden kann. Zwar ließe sich sicherlich ein Generator zur Befeuerung mit Holzkohle auftreiben, jedoch würde dies das Prozedere ad absurdum führen. Um und um sich trotz des Lärms des Generators, den man sowohl für den Grill als auch die Vakuumpumpe benötigt, noch unterhalten zu können, empfiehlt es sich, den Generator ebenfalls in ein Vakuum zu stellen, denn wo keine Luft, dort auch kein Schall.

 
10. Juli 2010
Kino Juni 2010

von baumgarf | 11:24 | kommentieren

Scheint wohl Saure-Gurken-Zeit zu sein. Nur ein Film hat sich im Juni eingestellt.

Vergebung

Vergebung 7 von 10

Lisbeth Salander muss sich vor Gericht verantworten. Nicht zuletzt geht es um ihre Zurechnungsfähigkeit und ihren geistigen Zustand. Mit aller Macht versucht ihre Gegner in höchsten Kreisen, sie in Misskredit zu stürzen, um sich selbst und ihre Taten zu schützen. Trotz einiger Längen, die bei zweieinhalb Stunden Laufzeit und einem Politkrimi als Überbau zwangsläufig auftreten müssen, ist dieser dritte Teil ein würdiger Abschluss der Millennium-Trilogie. Zwar verschiebt sich die Gewichtung der Hauptfigur weg von Lisbeth Salander hin zu Mikael Blomqvist, was insofern ein wenig schade ist, als dass Salander der bei weitem interessantere Charakter ist, aber letztlich der Handlung geschuldet ist, da er versucht, die Beweise zusammenzutragen, während sie im Knast sitzt. Insgesamt eine sehenswerte Trilogie, mit Teil eins als bestem Film der Reihe.

 
09. Juni 2010
Kino Mai 2010

von baumgarf | 13:50 | kommentieren

Ponyo

Ponyo 8 von 10

Ponyo, wie der fünfjährige Sosuke das nicht gerade handelsüblichen Goldfischmädchen nennt, das er aus dem Meer fischt, will nach dieser Begegnung auch ein Mensch werden, was Dank ihrer magischen Fähigkeiten kein großes Problem darstellt. Sehr zum Missfallen von ihrem Vater, der sie zurückholen möchte, zumal die Natur beginnt verrückt zu spielen. Liebevoll gezeichnetes Animeabenteuer für die ganze Familie, mit der für das Studio Ghibli üblichen, wenn auch dieses Mal nicht so vordergründigen, ökologischen Botschaft und ambivalenten Charakteren, auch und gerade beim "Bösewicht". Und wer sich bei der Geschichte an Andersens "Die kleine Meerjungfrau" erinnert fühlt, liegt damit gar nicht mal so weit daneben.


Der fantastische Mr. Fox

Der fantastische Mr. Fox 9 von 10

Vor 15 Jahren har er sich seiner Frau zuliebe (und seines damals noch ungeborenen Sohnes) zur Ruhe gesetzt und einen achtbaren Beruf ergriffen. Doch jetzt juckt es Mr. Fox wieder in den Fingern, sind doch seinen neuen Nachbarn keiner geringeren als die drei größten Bauern weit und breit. Doch dummerweise hat er die Rechnung ohne den (Land)Wirt gemacht, und bald soll es nicht nur ihm und seiner Familie, sondern der ganzen örtlichen unter Tage hausenden Tierwelt an den Kragen gehen. Wieder einmal präsentiert Wes Anderson sein liebstes Thema, das der dysfunktionalen Familie. Jedoch lässt er dieses Mal seine Schauspieler durch die Puppe sprechen. Sofern man sich nicht an den Puppen stört, werden Fans von Andersons anderen Filmen auch hier ihre Freude haben, Roald Dahls Geschichte dient nur noch als Gerüst. Zum Glück mag ich seine Filme.


Iron Man 2

Iron Man 2 6 von 10

Nicht nur muss sich Tony Stark im zweiten Teil mit der Vergiftung seines Körpers durch radioaktives Material auseinandersetzen (sein Blechanzug sei Dank), auch ein intriganter Konkurrent, der amerikanische Senat und ein russischer Wissenschaftler wollen ihm ans Leder. Glücklicherweise hat auch Iron Man 2 den ironischen Tonfall des ersten Teils beibehalten, leider hat er auch die Angewohnheit bebehalten, alles auf Robert Downey, jr. zuzuschneiden (was ja nicht per se schlecht ist), weswegen Scarlett Johannson und Mickey Rourke in ihren Rollen deutlich zu kurz kommen und beinahe in der Bedeutungslosigkeit versinken, was sich leider auch auf einige stockende Passagen in der Handlung niederschlägt. Zur Abwechslung wäre zumindest in dieser Hinsicht mehr tatsächlich mehr gewesen.

 
23. Mai 2010
Dinge, die man noch erfinden sollte, Teil 10

von baumgarf | 00:39 | kommentieren | kommentare (3)

Grillhähnchen-Automat. Wie schon seit Urzeiten in Dünnholz gerollte, Giftstoffe enthaltende, getrocknete Pflanzen (vulgo: Zigaretten) oder auch mittlerweile kalte Dickmacher in Form von Chips und Zuckerware an Automaten bezogen werden können, letztere auch an S-Bahn-Haltestellen, um sich die Wartezeit zu versüßen, genauso dringend bedarf es eines Grillhähnchen-Automaten, wenn einen des Nächtens der Heißhunger packt und die letzte Fast-Food-Bude schon längstens die Pforten für die dunklen Stunden geschlossen hat und der Kühlschrank für unsere Bedürfnisse nur ein kaltes, leeres Lächeln erübrigen kann. Natürlich wird es anfangs ein wenig Überwindung kosten, das halbe oder gar ganze entfederte Vieh aus dem Auswurfschacht zu ziehen, in denen womöglich noch die Öl- und Fettreste des ehedem bezogenen Gockels glänzend schwimmen, aber sobald man sich bewusst gemacht hat, dass das auch nur ein Geschmacksträger ist wie alle anderen Fette auch, und wenn ein gutes Pils schon sieben Minuten benötigt, wieso sollte dann die perfekte Bratensoße nicht noch mehr Zeit in Anspruch nehmen, und wenn es der Auswurfschacht sein soll, dann ist das eben so, und komm mir hier keiner mit Hygiene, Tausende Fliegen können nicht irren.

Und wenn diese Apparatur ein Erfolg wird, können auch noch Döner-Automaten aufgestellt werden. Oder solche für Pizza. Pasta. Technik die entgeistert.

 
15. Mai 2010
Kino April 2010

von baumgarf | 16:06 | kommentieren | kommentare (2)

Hoppla, wir haben ja schon Mitte Mai. Wird also höchste Zeit.

Drachenzähmen leicht gemacht

Drachenzähmen leicht gemacht 8 von 10

Hiccup ist der Nerd unter den Wikingern: schmächtig, zurückhaltend, und dann hat er auch noch was im Oberstübchen. Weswegen er auch nicht die Drachen bekämpfen darf, die ständig das Dorf heimsuchen. Also jagt er einen auf eigene Faust, nur um sich kurz darauf mit ihm anzufreunden, was dem Dorf aber mit Sicherheit nicht gefallen düfte. Nichts Neues an der Handlungsfront, die allseits übliche Moralgeschichte vom Außenseiter und Respekt gegenüber Andersdenkenden etc.pp. Aber der Drache wiegt für vieles auf, der ist sooooooo knuddelig und süüüüüüüüüüüüüß und hat mehr Charakter als so mancher Actionheld. Eltern werden sich freuen, dass man keine Drachen im Zoogeschäft kaufen kann.


Shutter Island

Shutter Island 7 von 10

Ein US-Marshall und sein neuer Kollege sollen das mysteriöse Verschwinden einer Patientin aus einer inselgelegenen Hochsicherheitspsychiatrie aufklären. Doch scheint dort nicht alles mit rechten Dingen zuzugehen, und sein eigener Geisteszustand scheint auf der Insel auch zu leiden. Der ... Film ... ist ... zwar ... gut ... gespielt ... und ... auch ... spannend ... gemacht ... wenn ... auch ... vorhersehbar ... aber ... leider ... ein ... wenig ... zu ... zäh ... und ... die ... Musik ... nervt ... ungemein ... und ... suggeriert ... Unbill ... auch ... wenn ... weit ... und ... breit ... alles ... in ... bester ... Ordnung ... ist.


A Single Man

A Single Man 9 von 10

Weil er nicht über den Verlust seines langjährigen Liebhabers hinwegkommt und eigentlich sowieso ein ödes, leeres Leben führt, beschließt ein homosexueller College-Professor im L.A. der 1960er-Jahre, sich am Ende des Tages zu erschießen. Grandios fotographiertes Drama, das durch sein Spiel mit der Farbsättigung des Profs inneres Gefühlsleben deutlich werden lässt. Gut gespielt obendrein. Und wäre es nicht so ein deppertes Wortspiel anlässlich des Filmtitels, könnte man von einer One-Man-Show Colin Firths reden.

 
09. April 2010
Kino März 2010

von baumgarf | 20:22 | kommentieren

Ein neuer Versuch, mal wieder ein wenig mehr über (halbwegs) aktuelle Filme zu reden. Mal gucken, wie lange ich den Monatstakt durchhalte.

Auftrag Rache

Auftrag Rache 4 von 10

In den Armen eines Polizisten wird dessen Tochter erschossen. Dräuend auf Rache begibt er sich auf die Suche nach den Mördern, die eigentlich ihn hatten umbringen wollen. Dabei deckt er ein Komplott auf, dass in höchste Regierungskreise reicht. Der Film ist leider derart dröge geraten, dass es einem herzlich egal ist, wer am Ende eines auf die Fresse bekommt. Die Actionszenen wirken absolut deplaziert und übertrieben brutal, der verworrene Verschwörungsplot will sich nicht recht einfügen, und als man Mel Gibson engagiert hat, hat das Budget wohl nur für einen Gesichtsausdruck gereicht. Entbehrlicher Film.


9

9 8 von 10

In einer postapokalyptischen Welt versuchen neun hochtechnisierte Sockenpuppen herauszufinden, was mit der Menschheit geschehen ist. Dabei haben sie sich gegen allerlei Maschinenzeugs zu erwehren. Klingt nicht so spannend, ist es aber. Vor allem die Animation ist schön gelungen. Die Handlung ist zwar teils verworren bis unerklärlich, aber immerhin wagt sich einmal jemand an nicht unbedingt kindgerechte Animationsfilme. Kein Heile-Welt-Gesäusel.


Everybody's Fine

Everybody's Fine 5 von 10

Nachdem seine Kinder alle Besseres zu tun haben, als zum ersten Familientreffen nach dem Tod der Mutter zu kommen, entschließt sich ein Vater kurzerhand, die Kinder der Reihe nach selbst zu besuchen. Dabei entdeckt er, dass diese nicht das Heile-Welt-Leben führen, dass sie ihm immer glauben gemacht haben. Robert De Niro spielt überzeugend den Familienvater, die Charaktere der Kinder sind aber leider so flach wie ein zu lange in der Sonne gelegener Romadur.


An Education

An Education 9 von 10

Eine 16jährige rebelliert gegen und entflieht den Zwängen von Bildungsbürgertum, Familie und antiquierten Vorstellungen der 60er-Jahre durch eine Amour fou mit einem fast doppelt so alten, charmanten Lebemann, der ihr die Welt (und mehr) zeigt. Hervorragend gespieltes und anrührendes Drama mit der richtigen Prise Humor, nach einem Drehbuch von Nick Hornby. Allein das reicht schon, sich den Film anzugucken.


Summer Wars

Summer Wars 9 von 10

Ein jugendliches Mathegenie wird von seinem Highschool-Schwarm als Aushilfe für das große Familienfest engagiert, nur um kurz darauf festzustellen, dass er ihren Verlobten mimen soll. Zudem wird das weltumfassende soziale Netzwerk Oz von Unbekannt, aber durch seine unwissende Mithilfe, gekapert. Spaßiger und spannender Anime, dem es gelingt, beide Ebenen des Films, Online und Offline, perfekt zu verbinden. Die Darstellung des Web 2.0 wirkt zu Beginn zwar sehr befremdlich, aber nach ein paar Minuten nimmt man das einfach hin.


Splice

Splice 8 von 10

Zwei Wissenschaftler kreieren verbotenerweise eine Kreuzung aus menschlicher und tierischer DNS. Das entstehende Produkt bzw. Wesen nennen sie Dren und ziehen es heimlich groß. Nicht der übliche Monster-Horrorschinken (Frankenstein lässt grüßen), interessiert sich der Film mehr für die moralischen und ethischen Probleme ihres Tuns sowie die Motivationen der Wissenschaftler. Am Ende wird es dann doch noch blutig, zwar konsequent aus der Handlung entwickelt, aber dennoch ein wenig störend.


Alice im Wunderland

Alice im Wunderland 6 von 10

Einige Jahre nach ihrem ersten Ausflug ins Wunderland kehrt Alice wieder dorthin zurück, ohne sich allerdings an ihren ersten Ausflug zu erinnern. Nun ist sie dazu auserkoren, dass Wunderland vor der Herzkönigin und dem Jabberwocky zu erretten. Das Sequel zu Alice krankt an einer quasi nicht existenten Handlung, die bekannten Figuren hat man mal mehr, mal weniger erfolgreich in das Potpourri geworfen. Was am Ende bleibt, sind umwerfende Bilder mit dem typischen Tim-Burton-Charakter. Ist ja auch schon was.


Männer, die auf Ziegen starren

Männer, die auf Ziegen starren 7 von 10

Die US-Army hat in den 70ern versucht, Soldaten zu sogenannten Jedi-Rittern, parapsychologisch begabten Kampfmaschinen, auszubilden. Sie sollten durch Wände gehen, durch Gedanken töten und andere jahrmarktsfähige Wundereien betreiben können. Illustriert durch einige unwiderstehliche Episoden mit am Rande der Selbstironie spielenden Schauspielern, werden diese Filmschnipsel allerdings nur sehr unzureichend durch eine Rahmenhandlung zusammengehalten. Als Sketchparade dennoch unterhaltsam.


Greenberg

Greenberg 5 von 10

Ein Mittvierziger beschließt nach einem Nervenzusammenbruch, in nächster Zeit einfach mal nichts zu tun. Stattdessen kehrt er von New York nach Los Angeles zurück, wo er auf das Haus seines Bruders aufpasst, während dieser Urlaub in Vietnam macht, wärmt alte, teils problematische Freundschaften auf und fängt ein Techtelmechtel mit der fünfzehn Jahre jüngeren Hausangestellten Florence an, die auch nicht so recht weiß, was sie mit ihrem Leben anfangen soll. Eine Geschichte also, die so neu auch nicht ist. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn die Hauptfigur nicht ein derart unnahbarer Unsympath wäre. So aber macht es der Film einem nicht leicht, mit ihm warm zu werden. Immerhin toll gespielt in den Hauptrollen. Ist ja auch schon was.

 
22. März 2010
Geschnitten oder am Stück?

von baumgarf | 12:00 | kommentieren

Ein frischer Wind wird von der Meteorologin angesagt, mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte sie das kurz zuvor mit dem Wetter persönlich ausgeknobelt. Und kurz denke ich mir, wenn das so einfach ist, wieso gibt es dann immer wieder so schwere Unwetter? Kann sich da die Wettertante nicht besser durchsetzen gegen das Wetter mit dem miesen Charakter, oder muss es eine bestimmte Quote erfüllen, sonst gibt's zuhause wieder dicke Luft? Das kann ja auch keiner wollen, mit depressivem Wetter ist schlecht umgehen.

Aber gleichzeitig bin ich froh, dass sie wenigstens frischen Wind ausbaldowert haben. So abgestandenes Zeug, oder noch schlimmer: Dosenware oder Instantwind, kann ja kein Mensch wollen. Schon gar nicht in Zeiten, in denen vermehrt Bioprodukte von naturbewussten Menschen oder solchen, die sich dafür halten, erstanden werden.

Nur, woher wird diese schier unglaubliche Menge an Frischwind bezogen? Zumindest habe ich noch nie die Ankündigung eines wiederaufbereiteten Windes in den Wetternachrichten vernommen oder gar Winde aus einer Zuchtanlage. Aber vielleicht bin auch nur noch nicht alt genug, und ich war damals noch zu jung oder überhaupt noch nicht auf der Welt, als dass ich mich heute noch an die damaligen Zustände im weltweiten Klima erinnern könnte, und mittlerweile hat man sich auf eine artgerechte Haltung von Winden verständigt und die schlimmen Zeiten sind ein für allemal vorbei. Meine Eltern wollen mir darüber allerdings nichts sagen. Vielleicht rühre ich da an einem wunden Punkt.

Noch nie sind mir auch Nachrichten, Meldungen oder Geschichten zu Ohren gekommen, wonach der Botschafter eines Landes einberufen wurde, weil der Wind bei Überqueren des Staatsgebietes nicht mehr ausreichend frisch gewesen ist, trotz gegenteiliger Ankündigung im Wetterbericht; obwohl er doch durch die unzähligen Ausdünstungen von Mensch, Tier und Industrie derart abgenutzt sein müsste, dass sich an seinen Enden schon Fransen bilden. Wobei der Grund für die Beschwerde nicht sofort klar sein würde, ob man nun gerne einen frischen Wind gehabt hätte oder nur für die Entsorgungskosten des schon abgenutzten Windes nicht hätte aufkommen wollen.

Und wenn das Staatsoberhaupt noch mit dem falschen Fuß aufgestanden oder allgemein von irgendwelchen Befindlichkeiten schlecht gelaunt wäre, weil der Kaffee oder Tee beim Frühstück zu kalt oder der Joghurt nicht rechtsdrehend genug war oder nur 1,8% anstatt 3,5% Fett hatte und so könne er ja nicht seine Figur halten bei dem stressigen Job und dem schnellen Stoffwechsel, den er hat, da müsse er ja sowieso schon mehr essen, als ihm eigentlich lieb ist, denn das kostet wieder Zeit, und als Staatsoberhaupt kann er ja nicht die ganze Zeit mit Essen beschäftigt sein, so ein Land regiert sich ja schließlich nicht von selbst, auch wenn das manche immer wieder glauben -, dann würde er noch den Botschafter beschuldigen, dass dessen Land verbrauchte Luftströme bewusst mittels Windrädern - von denen er sowieso nie geglaubt hatte, dass man damit Strom erzeugen kann - über die Grenzen treibe und den frischen Wind in unterirdischen Kavernen lagere, um sich ein Monopol darauf zu sichern und einen strategischen Vorteil zu haben, wenn die weltweiten Frischwindvorräte geschwunden sind. Und zudem würden sie die Gebrauchtwinde künstlich verstärken, wodurch das laue Lüftchen dort zur steifen Brise hier wird und reihenweise die Bäume umknickt und die Dächer abdeckt und die Flüsse über die Ufer treibt und summa summarum die Wirtschaft schädigt und das Land noch weiter in die Abhängigkeit treibt und irgendwann ist aber auch mal gut und man lässt sich schließlich nicht alles gefallen. Der Krug geht so lange zum Brunnen undsoweiter. Und da hat er noch gar nicht mit der Impfung von Wolken mit Anabolika angefangen, die hierzulande Starkregen verursacht und massiven Ernteausfall bedeutet.

So langsam wünsche ich mir, die gute Frau Wetterfrosch hätte etwas so unverfängliches wie "heiter bis wolkig" ausgeküngelt.

 
17. Februar 2010
Ob Aschermittwoch auch in Nichtraucherkneipen gefeiert wird?

von baumgarf | 01:13 | kommentieren | kommentare (3)

Man sollte nicht davon ausgehen, dass nur Menschen (und zu einem gewissen Teil auch Tiere) in der närrischen Zeit völlig von der Rolle sind und sich benehmen wie kleine Kinder (im besten Fall). Nein, auch Geräte und Anlagen wie beispielsweise Fahrstühle tendieren durchaus dazu, mit dem potentiellen Fahrgast Schabernack zu treiben.

Nehmen wir, nur um die hingeworfene These mit Argumenten zu unterfüttern, den Fahrstuhl, den ich heute Nachmittag gedachte zu benutzen. Nun ist es nicht so, dass mir der Fahrstuhl ein unbekannter wäre. Wir hatten schon des Öfteren das Vergnügen miteinander, und ein jedes Mal brachte er mich freundlich, bestimmt und sanften Wegs in meine gewünschte Etage. Zu sagen, wir hätte ein freundschaftliches Verhältnis, wäre wohl zu viel des Guten, aber man schätzt und respektiert sich.

Vielleicht war auch genau das der Grund, weswegen er mir diesen Streich spielte. Vielleicht hätte er sich das bei einem Fremden nicht getraut, da er dessen Reaktion nicht einschätzen könnte, und am Ende hätte der Fremde den Fahrstuhl beleidigt, ihm Obszönitäten ans Bedienfeld geschleudert oder gar Tritte und Schläge gegen Wände und Tür verpasst, man weiß ja nie, was für Menschen da draußen herumlaufen und gerade jetzt einen Fahrstuhl benutzen wollen.

Vielleicht wäre der Fremde aber auch tief in Gedanken versunken gewesen und hätte gar nicht bemerkt, dass der Fahrstuhl, der bis eben noch treu seinen Dienst verrichtete und eine Person vom einen ins andere Stockwerk beförderte, stattdessen nur einfach die Türen schloss und nach einer kurzen Wartezeit wieder im selben Stockwerk öffnete, und der in Gedanken Verlorene wäre dann wieder ausgestiegen und hätte sich gewundert, aber nur kurz, da er ja eigentlich anderen Gedanken nachhing, dass der Fahrstuhl ziemlich schnell und leise fährt, und wäre dann ziellos im Gebäude umhergeirrt, wie wenn man einer Wegbeschreibung von A nach B getreu folgt, aber bei Punkt C zu laufen beginnt.

Oder vielleicht wäre es ein zutiefst verunsicherter Mensch gewesen, jemand, der beim Bäcker immer mit sehr leiser Stimme spricht, aus Angst, die anderen Kunden könnten ihn hören und auslachen, auch wenn er nicht wüsste, was an der Bestellung einer Brezel so seltsam sein sollte, aber vielleicht lag es ja an ihm, dass er so seltsam aussah oder das Wort "Brezel" falsch betonte oder das geschlungene Gebäck ganz anders heißt und nur er es nicht wusste. Wenn er dann im Fahrstuhl gestanden hätte und sich die Türen einmal, zweimal, dreimal immer wieder im gleichen Stockwerk geöffnet hätten, obwohl er schon einmal, zweimal, dreimal seinen Fahrwunsch ins Bedienfeld eingegeben hatte, den Knopf des zu erfahrenden Stockwerks leicht, fast sanft drückte, er dann noch verunsicherter wieder ausgestiegen wäre, man weiß ja nie, ob der Fahrstuhl nicht einen Defekt hat und beim vierten Mal die Türen gar nicht mehr aufgehen und man den Alarmknopf drücken muss, und dann versteht einen der Mechaniker am anderen Ende gar nicht, weil man so leise spricht, und wenn man dann doch wagt, die Stimme zu erheben, wird man ausgelacht, weil man vielleicht ein Wort falsch betont oder ein ganz falsches Wort benutzt; wenn er dann also ausgestiegen wäre und der Fahrstuhl hätte die Türen geschlossen und wäre dann doch in die gewünschte Etage gefahren, wer weiß, was er dann gedacht oder gar getan hätte, wenn sich jetzt schon Fahrstühle über ihn lustig machen und ihn und seine Bedürfnisse nicht ernst nehmen. Und am Ende hätte sich der Fahrstuhl Vorwürfe gemacht, dass er einen so armen Menschen noch mehr in die Verzweiflung getrieben hätte.

Aber zum Glück hat der Fahrstuhl diesen Streich mir gespielt und keinem anderen. Ich bin dann eben zu Fuß in meine Etage gelaufen und habe dem Fahrstuhl den Vogel gezeigt. Damit muss er nun leben.

 
14. Februar 2010
Abgesahnt

von baumgarf | 13:39 | kommentieren

Ich ... Moment, eigentlich ist es ja ganz schlechter Stil, einen Satz, sogar einen ganzen Beitrag mit "ich" zu beginnen (auch wenn das Thema dann schon mal grob umrissen wäre). Also nochmal von vorne: Stolz bin ich (na, geht doch (auch wenn streng genommen der Beitrag immer noch mit "ich" beginnt, aber da müssen wir jetzt eben durch)), und zwar auf mich (der einzige Grund, das eigene Stolzsein in die Welt hinaus zu posaunen, besteht übrigens darin, dass ein anderer in der Schilderung des auslösenden Tathergangs (na, wer ist schon derart anglofiziert, dass er hier gerade eben ein "th" sprechen wollte?) ebenfalls einen Grund zum Stolzsein sieht, dadurch die Menge des Stolzes (die sogenannte stolze Menge) verdoppelt wird (weswegen Stolz beim Teilen verdoppelt, Leid hingegen halbiert wird, wäre auch einmal eine mathematische Abhandlung wert)). Der Grund für diesen am Rande der Selbstüberschätzung rangierenden Gemütszustand ist, dass ich, der ich in einer technisierten, mechanisierten und automatisierten Zeit aufgewachsen bin, es zuwege gebracht habe, einen Viertel Liter Sahne alleine durch schiere Muskelkraft (insbesondere der eigenen) steif zu schlagen. Okay, einen Schneebesen habe ich auch noch verwendet, aber ansonsten war da nichts und niemand daran beteiligt (außer vielleicht noch das Gefäß, in dem die Sahne steif geschlagen wurde, aber das hat während der ganzen Prozedur eine eher passive Rolle eingenommen).

Vermutlich wäre es noch viel lobenswerter gewesen, hätte ich die Sahne aus freien Stücken derart malträtiert und nicht nur aus so niederen Beweggründen wie a) der temporären Abwesenheit des Handrührgeräts (elektrisch, 3-Gang-Getriebe, Handschaltung), dessen Platz währenddessen von einem sichtlich gelangweilten, mit Luft gefülltem Loch eingenommen wurde, und b) der temporären Abwesenheit meines Gehirns, was mich daran hinderte, mich an die große Rührschüssel zu erinnern, die dort in der Ecke der Arbeit harrte (wobei ich zu meiner Verteidigung sagen sollte, dass diese große Rührschüssel (elektrisch, 4-Gang-Getriebe, Handschaltung) rein zur Teigerzeugung und niemals nie nicht zur Sahnesteifung eingesetzt wird, ich sie deswegen mit der zu erledigenden Tätigkeit überhaupt nicht in Verbindung gesetzt habe (und Prinzipien sind schließlich Prinzipien. Wozu hat man sie sonst?))

Etwas enttäuscht war ich dann aber doch vom Ergebnis. Weder an Geschmack noch am Aussehen konnte man die Arbeit erahnen, die ich in dieses Molkereiprodukt gesteckt habe. Da lohnt sich der ganze Mehraufwand gar nicht, ob gewollt oder nicht. Dabei hätte die Sahne ruhig ein wenig Entgegenkommen zeigen können, dafür, dass ich mich ihrer persönlich angenommen und sie nicht irgendeiner Maschine überlassen habe, die stupide ihre Arbeit verrichtet und nicht auf die Sorgen und Nöte direkt eingehen kann.

Undankbares Produkt, elendes.

 
05. Januar 2010
Kino:
Gamer

von baumgarf | 17:37 | kommentieren

Gamer 1 von 10 USA 2009, 95 min., FSK 18

Regie: Mark Neveldine, Brian Taylor
Drehbuch: Mark Neveldine, Brian Taylor
Kamera: Ekkehart Pollack
Musik: Robb Williamson, Geoff Zanelli
Darsteller: Gerard Butler, Michael C. Hall, Amber Valetta, Kyra Sedgwick, Logan Lerman, Alison Lohman

Homepage, imdb

Nach etwa dreißig Minuten (gefühlten sechzig Minuten) liefert der Film eine Szene ab, die zu diesem Zeitpunkt so ziemlich genau beschrieb, wie ich mich fühlte: einer Kombatantin wird von einer Panzerfaust der Kopf weggerissen. Während sie aber alles hinter sich hatte, musste ich noch eine weitere Stunde an Stumpfsinn nicht zu überbietendes, belichtetes Zelluloid über mich ergehen lassen (nein, ich gehe aus Prinzip nicht aus einem Film, auch wenn es sich schon mehr als einmal gelohnt hätte (ich weiß, selbst schuld)).

Schlimm genug, dass sich der Film trotz seiner recht kurzen Laufzeit zog wie Kaugummi, aber noch ärgerlicher empfand ich, dass die kurz angedeutete Gesellschaftskritik (Menschen sind böse, weil sie zum Tode Verurteilte durch *technobabbel* fernsteuern können - das ultimative Killerspiel eben - und danach süchtig geworden sind) ad absurdum geführt wird, weil diese "Spiel"-Szenen nicht nur einmal, nicht zweimal, sondern gleich viermal über den Zuschauer hereinbrechen, natürlich in Großaufnahme und mit literweise Körperflüssigkeiten (wenn es nicht so ein dämliches Wortspiel wäre, könnte man sagen, dass sie sich geradezu daran weiden). Sofern man es erkennen kann (hatte ich schon die nervtötende Wackelkamera und die epileptische Schnittfolge erwähnt?)

Mehr dazu zu sagen wäre Pixelverschwendung. Außer: selten so einen Dreck gesehen (nochmal drüber zu schlafen hat an dieser Meinung auch nichts mehr geändert. Ein gutes Neues Jahr übrigens).